Almost Daily Soap (die Neueste!): Pressekonferenz ohne Pirat Tetzner – geht doch gar nicht

Unna. Pressekonferenz der Stadt Unna zum Ergebnis des Gutachtens von Burkhard Wöstefeld, das wegen des schweren Zwischenfalls während des Sturmes „Niklas“ in Auftag gegeben worden war. Im März dieses Jahres hatte der Starkwind mit dem freundlichen Namen in Höhe des Café Koch eine massige Kastanie aus den wurzelnden Verankerungen gerissen und einen vorüber fahrenden Lenker eines Motorrollers schwer verletzt. Da wollten die kommunalen Verantwortlichen von Expertenmeinung erfahren, wie die Umstände zusammen spielten, die zu dem schweren Unfall führten.

Zuvor hatte der Baumexperte seine Erkenntnisse dem Umweltausschuss vorgestellt und diesem deutlich gemacht, dass Sturm „Niklas“ der einzige Übeltäter war, höhere Gewalt im wahren Wortsinne am Kastaniengehölz dergestalt gerüttelt hätte, dass der prächtige Baum nicht mehr standhalten konnte. Das wollte Burkhard Wöstefeld nun den Vertretern der Medien erläutern.

Und das wollte wiederum Pirat Tetzner augenscheinnehmend verfolgen. Die vorgeschaltete und jedem Ratsmitglied zum Beiwohnen offen stehende Sitzung des Umweltausschusses war hinsichtlich dieses Tagesordnungspunktes ja bereits vorüber. Der Piratenfraktionsvorsitzende zweier Mitglieder inklusive seiner selbst wurde indes von Stadtsprecher Oliver Böer hinaus komplimentiert. So marschierte der Informationsbedürftige energisch ins benachbarte Haus Nr. 44 am Rathausplatz und klagte sein Leid. Wie rundblickend berichtet, „kochend vor Wut“ wird der sich allgegenwärtig wähnende Polit-Pirat in heller Empörung zitiert: „Ich werde als Ratsvertreter bei einer Pressekonferenz der Stadt nicht zugelassen?! Das ist unglaublich.”

Heißt ja auch „Pressekonferenz“

Na, nun kann ich ja bestens verstehen, dass Christoph Tetzner sich selbst für unverzichtbar halten muss und seine Anwesenheit vom Beschluss einer Angelegenheit im Rat über die unvermeidliche Aktenprüfung seinerseits bis hin zur Veröffentlichung der Umstände, die zuvor seiner Prüfung stand hielten, von ihm zwingend für erforderlich gehalten wird. Kann ich ja alles verstehen. Aber mal im Ernst. Ich war mein Arbeitsleben lang Redakteur, also gelernter Journalist. Und hätte ein Ratsmitglied ohne Einladung oder als Nichteinladender sich beiläufig in die Runde der fragenden Zuhörer begeben, hätte ich nachgefragt, was das solle und bei nicht ausreichender Begründung diese Pressekonferenz verlassen und die tatsächlich Einladenden darauf aufmerksam gemacht, dass informationsbedürftige Ratsmitglieder andere und bessere Wege hätten, als ihre Wissbegierde ausgerechnet bei Presseterminen zu stillen.

Und der Pirat mit dem Allgegenwärtigkeitsempfinden hat schließlich im Umweltausschuss jemanden mit ratsgeschultem Gehör sitzen, den Fraktionskollegen Christian Roß. Der hat dem Informationsfreibeuter eine komplette Ratsperiode voraus, versteht also recht gut, worum es geht, wenn im Ausschuss etwas vorgestellt wird.

Nebenbei erfahren ich, dass sich der städtische Rechtsdirektor Matthias Immick anscheinend beruflich leicht verändert hat. Er wird medial als „Rechtspfleger“ beschrieben. Die versehen ihr juristisches Handwerk gemeinhin als wichtige Helferinnen und Helfer von Richtern oder Staatsanwälten. Genau genommen durfte er bei der PK auch nicht am Tisch sitzen, es sei denn, das Amtsgericht hätte ihn vorübergehend zur Stadt abgeordnet.

Björn Merkord, Grüner Vorsitzender des Umweltausschusses, schreibt dazu: „Herr Tetzner hatte vor der Presse ausführlich Gelegenheit, den Sachverständigen, Herrn Wöstefeld, zu befragen, genau wie der gesamte versammelte Umweltausschuss auch. Im Unterschied zum übrigen Ausschuss verließ Herr Tetzner den Ratssaal vorzeitig um sich diesen ,Informationsgewinn‘ zu verschaffen.
Typisch Tetzner! Viel Lärm um nichts.“

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