Festa Italiana in Unna: Am Eröffnungsabend ist es die lokale Familienfeier

Bürgermeister Werner Kolter und Konsul  Dr. Alfredo Casciello eröffneten die Jubel-Festa.

Bürgermeister Werner Kolter und Konsul Dr. Alfredo Casciello eröffneten die Jubel-Festa.

Unna. Seit 30 Jahren, zum 15. Mal, alle zwei Jahre Festa Italiana in Unna. Wunderschöne Illuminazione, prima Wetter, der Alte Markt wird langsam crowdy. Dann entern Bürgermeister Werner Kolter und der italienische Konsul Dr. Alfredo Casciello den Pavillon und eröffnen die Spiele. Alfredo Casciello bestätigt noch mal, dass die Festa sowohl die schönste als auch größte ihrer Art nördlich der Alpen sei. Der Sindaco die Unna freut sich mit den Bürgerinnen und Bürgern auf eine tolle italienische Woche, schwärmt von dem Moment, da man gemeinsam das 50 Jahr des Festes begehen kann … und los geht’s.

Die Rituale wiederholen sich, ihre Beständigkeit ist beruhigend, versprechen wohltuende Kontinuität. Fast gehört es mit zu Eröffnung. Auf dem sich langsam immer mehr füllenden Markt herrscht schnell ein familiäres Brabbeln, das erwartete Familienfest am Eröffnungstag beginnt. Wir haben uns ja so viel zu erzählen. Begleitet wird die Intensivkommunikation von einer ebenso begabten wie professionellen Band, deren vorzügliche Sängerin verzweifelt versucht zur Interaktion mit dem Publikum zu animieren. Doch statt Toto Cotunios immerschöne Canzone mitzusingen und nach dem „Lasciatemi cantare“ ein kräftiges „con la chitarra in mano“ anzustimmen, plaudert das Publikum über alles mögliche, ignoriert die charmante Künstlerin, die resignierend vom „partigiano come presidente“ erzählt und am Ende energisch feststellt, dass der Italiener als solcher in seiner Mundart „un italiano vero“ sei.

Aber erstmal setzen sich diverse Wiedersehensfreuden fort. Vor der Brasserie sitzen Teile der Jungschar von Roswitha Zahltens AG 60plus. Die prosaische Stuhlreihe vor dem nach Nachfolge ringenden Eiscafé ist unter anderem mit Ann-Katrin Wienecke und Oliver Böer besetzt. Klaus Dunker, ehemals Stadtdirektor Unnas, ist in Pensionärs-Entspannung ganz auf Festa eingerichtet. Horst Bresan sieht man die wohlverdiente Zufriedenheit an, die er und das Stadtmarketing-Team haben müssen, nach Monaten der organisatorischen Vorbereitung. Volker König und Kämmerer Karl Mölle enthalten sich vorsorglich jeglicher Gespräche mit politischem Inhalt. Die Abendlaune ist zu schade, dass man sie dergestalt verdürbe.

Dann brülle ich gegen das grummelnde Grundgeräusch und das brillante Tenorsaxophon an: „Lars!“ Ja, da isser, Larsi-Baby Reckermann mit seiner Alex. Angereist aus dem Schwabenland, wo er nun seit ein paar Jahren der unsäglichen WAZ vormacht, wie im Jahr 2015 regionale Tageszeitung geht. Der alte Freund und Kollege ist echt das Highlight einer Woche, die für mich ganz im Zeichen der Wiederaufnahme alter Rundschau-Kontakte stand.

Nur Freunde wissen es, wenn sie ihn erkennen. Unser Domenico ist bester Laune.

Nur Freunde wissen es, wenn sie ihn erkennen. Unser Domenico ist bester Laune.

Wilhelm Dördelmann und seine Lilo füllen die Reihen nostalgischer Fossilien, die mit jungen Aktivposten aus der Stadt mal entzückt-entrückt, mal betroffen-offen die bisweilen ernüchternd miserable Alltags-Kultur im politischen Raum der Stadt ventilierten. Wie auf Kommando bringt sich Prince Charming Christoph Tetzner vorübergehend in den Gesprächsmittelpunkt um sich flugs zu entfernen, verfolgt von einer überschaubaren Schar ähnlich tickender Fans. Zurück zu den rundum angenehmen Begegnungen. Marcus Sulk, den Nachwuchs geschultert, was diesem enormen Überblick verschafft, kommt mit Gattin daher. Wohltuend, einfach wohltuend. Und während wir gegen das teils italophone Grundgeräusch anschnattern, entdecken Wilm und ich ihn. Domenico Peloso, Kult-Gastronom Unna, Schnapsideenträger mit apulischen Wurzeln, der Urvater des Gedankens, eine Festa vor 30 Jahren in Unna zu feiern. Wie seine Freunde ihn lieben wuselt er zwischen den Gästen durch sein Wohnzimmer – bester Laune, wie man an den bekannten Gesichtszügen ausmachen kann. Eine Festa ohne Nico, das wäre wie Pasta ohne ragù bolognese – das isst man im Original niemals mit Spaghetti.

Nach klaustrophobischem Spaziergang hin zum Rathaus treffe ich Dr. Dr. Günter Dresselhaus mit Töchtern. Der Mann, dessen Beziehungsenge zu Bürgermeister Werner Kolter daher rührt, dass sie nahezu parallel 1949 in ein und demselben Krankenhauszimmer zur Welt kamen. Günter Dresselhaus, dieses wandelnde Beispiel für lebenslanges Lernen – studiert schon wieder, bin gespannt, ob der dritte Doktor dabei raus kommt – mit ihm muss dringend diskutiert werden, was beim BVB los war und sein wird, was Kloppos persönliches Faszinosum ausmacht und was die Ära Tuchel bringen muss. Nur ein paar Meter entfernt sind Günter Luhmann und Rillo Prym beim guten Wein im intensiven Austausch mit Buddy Walter anzutreffen. Mein Günter, mit dem ich so ca. ab 1966 nahezu jede Demo in Dortmund durchlebte. Und dann kommt Anja Kolar, die mit ihrer Mama schon den Alten Markt aufgemischt hatte. Sie drückt mir ein Glas Grappa in die Tatze und lässt sich dann überreden eine Fahrt mit dem Riesenrad zu unternehmen – trotz Höhenangst. Prost Anja, komm‘ heile wieder auf den festen Boden.

Nä, watt war dat für ein großartiger Abend.

Beitragsbild: Etwas klaustrophobisch, aber beeindruckend schön durch die Illuminazione: der Spaziergang vom Markt bis zum Rathaus. Für 30 Jahre kongeniale Zusammenarbeit an Unnas Festa würdigte Bürgermeister Werner Kolter zur Eröffnung die Leistung der Bareser Familie Paulicelli mit einer offiziellen Urkunde. – Fotos: Rudi Bernhardt

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