Was die neue WAZ nicht interessiert (3): Rundschau Unna Reloaded bei Aggi

Werner Wiggermann, Matthias Stutte, Günther Klumpp und Peter Büttner schauen traumverloren auf die Bilder ihrer Jugend. - Foto: Rudi Bernhardt

Werner Wiggermann, Matthias Stutte, Günther Klumpp und Peter Büttner schauen traumverloren auf die Bilder ihrer Jugend. – Foto: Rudi Bernhardt

Unna. Okay, nun habe ich den üblen Rausch seit langem weg geschlafen. Habe eine BVB-Pokalniederlage überschlafen. Habe mich mit einem alten Freund getroffen (darüber später). Nun kann ich mal erzählen, vom Rundschau Unna-reloading. Auf diesen Abend im dahin scheidenden Mai 2015 hatte ich mich gefreut wie ein kleiner Junge auf die heimkehrende Mutter: „Hat sie wohl Zuckriges mitgebracht?“ Sie hatte: Claudia Freytag, Renate Panteleit, Simmi Melenk brachten sich mit. Matthias Stutte, Stefan Knepper, Peter Gräber, Werner Wiggermann, Günni Klumpp, Peter Büttner kränzten die Runde bei Aggi. Fast war’s als hätten wir den Stammkreis zur regelmäßigen Weihnachtsfeier wieder beieinander. Uns fehlten einige, aber wir Anwesenden waren uns frohgemut genug. Cheffe Konrad Harmelink aus der ostfriesischen Ferne in Greetsiel beantwortete eine mms mit dem Foto der Rundschar mit den Zeilen: „Schick‘ mir einer seine Kontonummer, ich geb‘ einen aus!“

Kein Moment des zaudernden Wiedererkennens, keinen Hauch verlegener Berührungsangst, jede und jeder bejubelte das Eintreffen der anderen, lachte über den schwellenden Gürtelumfang des einen, weil er den des seinen täglich beklagt, zählte bei anderen die Menge der Haare auf dem Kopfe, weil er um die rücksichtslose Lichtung des eigenen von alter Pracht wusste. Und nach der Begrüßung von Aggi (vor dem Tresen als Gast) und anderen Freunden – hoch die eine oder andere Tasse im Saal. Bei Bauernfrühstück oder anderen Leckereien von der Karte, die manch‘ gewohnte Westfalen-Spezialität oder den saisonalen Labskaus von einst vermissen ließ. Aggi ist eben nur noch vor dem Tresen, und fühlt sich da sichtlich wohl.

Kaum verändert, woll? - Foto: Stefan Knepper

Kaum verändert, woll? – Foto: Stefan Knepper

Und dann packte Renate, die Seele, Kartons aus der Tasche. Rote, die einst, das Fotopapier bewahrten, das auf Belichtung wartete, von Hotte Richter (Sing‘, mei Sachse, sing‘), oder Jörg Sarbach, oder Totto Silz, oder eben dem anwesenden heutigen Theaterfotografen in Krefeld, Mattes Stutte, der frühere Modellathlet heute – zu meiner besonderen Beruhigung – heute auch mit Bäuchlein. Fotopapier war zwar noch drin in den roten Kartons, aber belichtetes. Und die Bilder erzählten von Menschen, die die Rundschau-Redaktion darstellten, die sie begleiteten, die sie befruchteten und die diese Redaktion als ein Stück Familie wahrnahmen.

Renates großartige Sammlung ging von Hand zu Hand. „Wer war datt denn?“ Jemand wusste die aufklärende Antwort – „Ist das nicht Lulli Brand!“ In anderen Fällen blieb nur ein verzweifeltes Kopfschütteln: „Nee, keine Ahnung mehr!“. Erinnerungen schäumten lautstark durch die Reihen. Szenen wurden wiedererkannt, Frauen und Männer gruben nach Anekdoten über die Wiedererkannten in ihren Erinnerungen. „Guck‘ nur, wie jung der mal war!“ Und ich schaue versonnen auf ein Foto, das mich in ganzer Albernheit, zu der ich in der Lage bin, festhielt. Bart, schulterlanges Haar, im Arm den alten Freund und Kollegen Horst Richter. Hotte lebt schon lange nicht mehr. Ich höre ihn aber noch, wie er mit einem knurrigen „Mönschenskind“ die redaktionelle Zurückweisung eines Archivbildes quittierte, aber stets unverdrossen ein aktuelles lieferte.

Ja, wir haben uns immer bestens verstanden. - Repro: Rudi Bernhardt

Ja, wir haben uns immer bestens verstanden. – Repro: Rudi Bernhardt

Sogleich kam unser Klaus Dei zurück in die Runde. Für ihn war im Oktober 2013 unvermittelt Redaktionsschluss. Claudia Freytags Spontanreaktion auf den Namen des liebenswerten Sportkollegen: „Majala Traumcreme, die liebte er doch!“

Was aus manchen, die wir uns bildhaft vorführten, wurde – keinen Schimmer. Schön aber wäre es, davon zu erfahren. Von einigen wissen wir’s, weil immer noch dann und wann Kontakt besteht. Wir beschworen, dass dieses Treffen wiederholt wird, versprachen uns, dass der Kreis dann aber ein größerer werden muss. Und ein jeder, der einen guten Fotoscanner zur Hand hat, nahm einen roten Karton mit heim. Dass die Bilder digitalisiert werden und wir uns wechselseitig die Archive füllen können. Dank Renate, die sich nach dem schlussendlich feuchten Wiedersehen nach England zum urlauben in Cornwall verabschiedete.

Beitragsbild: War das schön: Ein paar der alten Truppe am langen Tisch – Matthias Stutte, Werner Wiggermann, Simone Melek, Stefan Knepper, Peter Gräber, Renate Panteleit, Rudi Bernhardt, Claudia Freytag und Peter Büttner. Nicht auf dem Bild, weil Fotograf des selben: Günter Klumpp.

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