Kloppo kriegt doch keinen Corso um den Borsigplatz mehr – schade!

Auch auf 2. Plätze darf man getrost stolz sein.

Auch auf 2. Plätze darf man getrost stolz sein.

Bundesweit. Schade! Kein Pokal. Kein Kloppo Corso rund um den Borsigplatz. Der festlich aufgemachte LKW (unter Beteiligung Unnaer Fachmannschaft entstanden) bleibt ungenutzt in der Garage. Schade! Bedauerte auch ein in die schwarz-gelbe Massenklage eingebundener Werner Kolter, um dann in der ihm eigenen Zuversicht anzuschließen, dass nun ein neuer Anlauf unter Tuchels Regie zu folgen habe.

Es begann so schön, ganz wie Frank Fligge vorher gesagt hatte. 1:0 für den BVB. Ausgleich. Die 2:1-Führung für Wolfsburg. Ich war mit meinem alten Kollegen völlig im Plan für unser Wunsch-Ergebnis: 4:2 für unsere schwarz-gelbe Gemeinde. Aber dann fiel das 3:1 für die Grünen, Essig mit Wunsch-Ergebnis. Ich sprach es zwar nicht aus, knurrte aber innerlich: „Das wird nix mehr!“

Wäre auch zu schön gewesen, dass es wahr hätte werden können. Noch mal den Jürgen Klopp nebst Mannschaft durch Tremonia touren sehen, den Pokal von Hand zu Hand reichend, jubelndes Fußvolk vielstimmig Danksagungen rufend, Tränen der finalen Begeisterung fluten die Stadt und unterspülen das Rondell in der Mitte des Borsigplatzes. Eine Region begeistert von sich selbst und der eigenen Leistungsfähigkeit. Wirklich schade, ich hätte es Mannschaft und Trainer gegönnt.

Diese Saison war unter dem Strich eine Skizze des Reviers. Mit gewaltigen Erwartungen gestartet, ernüchternd im Verlauf der folgenden Spiele und ihrer Endergebnisse. Bis zum Bodensatz der Tabelle führend. Und dann den Phoenix mimend, den Sagenvogel, der dem Stahlwerk, aus dessen Trümmern der gleichnamige See entstand, den Namen gab. Der BVB signalisierte der gesamten Region, dass Menschen und Mannschaften, die aus diesem Landstrich entwachsen, sich nicht unterkriegen lassen. Ihre Geschlossenheit und ihre Kampfkraft sie wieder nach oben bringen. Da wäre der Pokalsieg die Krönung gewesen. Schade, aber, was haben Verein, Mannschaft und Fans eigentlich zu beklagen?

Platz 7 in der Bundesliga-Tabelle, Einzug in europäische Wettbewerbe. Eine tolle Champions-League-Saison, erst gegen den Finalisten Turin ausgeschieden. Finale im DFB-Pokal. Eine Mannschaft, die zwar nicht den leichtspielenden Glanz der vergangenen Jahre um sich weben konnte, aber eine unvergleichliche Moral zeigte. Und einen Trainer, der mit der Ankündigung seines bevorstehenden Abschiedes den Ruck erzeugte, dass man sich gegenseitig wieder nach vorn motivieren wollte.

Ja, wer sind wir denn? Doch nicht die bayerischen Geldvermehrer, die von Trauer beinahe die Isar über die Fluten treten lassen, wenn sie mal nicht ans Triple klopfen, die ihren famosen Pep Guardiola innerlich vom Thron der Gottbegnadenheit stoßen, weil er „nur“ Deutscher Meister wurde? Die mit einem höchst überschaubaren Häuflein Fans einen Erfolg feiern, den Dortmund mit dem Teilabriss der Innenstadt beantwortet hätte?

Und da haben wir den tiefen Unterschied. Dortmund und diese ganze Region messen sich nicht an ihren Misserfolgen und beklagen sie. Die Menschen hier streben Erfolge in der Gemeinsamkeit an, und wenn das Angestrebte mal nicht erreicht wird, dann geht man unverdrossen noch mal ans Werk. Wie kein anderer bisher konnte Jürgen Klopp diese Mentalität authentisch verkörpern. Deshalb setzte unter uns so schnell ein Massenvermissen ein, als sein Adé über die Mattscheiben flimmerte. Aber, und den Rat gibt letztlich auch Kloppo – unisono mit Werner Kolter: Neuer Anlauf in der vor uns liegenden Saison … mit Thomas Tuchel.

Claudia Freitag hat die einzig wahre Analyse: "Das wahre Finale war das Halbfinale - weitersagen.

Claudia Freitag hat die einzig wahre Analyse: „Das wahre Finale war das Halbfinale – weitersagen.“ – Foto: Privat … übrigens, das ist der echte Pokal, keine Attrappe.

Beitragsbild (vom TV-Bildschirm belichtet): Schade! – Fotos: Rudi Bernhardt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.