Ich will endlich den Welt-Nichtalkoholikertag und eine EU-Richtlinie, die den Alkohol-Genuss bremst

Unna/Weltweit. Der 31. Mai ist ein besonderes Datum. An diesem Tage wird weltweit der famose „Weltnichtrauchertag“ alljährlich begangen. Nun rauche ich seit vier Jahren (?) – habe es ehrlich vergessen, wie lange nicht mehr. Aber ich bin nach ca. 40 Lebensjahren des kettenrauchenden Dasein natürlich ein irreparabler Süchtling, und ich werde das auch immer bleiben. Zu gern stelle ich mich in den Wind, wenn sich jemand an der Bushaltestelle einen Glimmstengel ansteckt, atme lüstern die mit Tabakrauch gewürzte Umluft ein und merke, dass mir das alles doch sehr gefallen hat. Ich bekenne mich freimütig zum genießenden Passivrauchen.

Und nun pfaut sich die derzeit so heldenhaft den Grexit bekämpfende EU auf: mit einer neuen Tabak-Richtlinie. Mögliche Folge: Die bekämpferischen Vorschriften können dafür sorgen, dass Nischen-Marken nicht mehr produziert werden, weil die vorschriftsgemäßen Umstellungen nicht mehr lohnen. Bedroht sind beispielsweise Route 66, Fairwind, Eckstein, Juno ohne Filter. Und alles, was mit Menthol gewürzte ist, darf eh nicht mehr sein. Armer Helmut Schmidt.

Ist vielleicht auch eine neue Vorschrift gegen die eine oder andere Alkohol-Marke in Arbeit? Hat die EU heimlich etwas im Köcher, das die fabulösen Umsätze der flüssigen Uralt-Gesellschaftsdroge hemmt und hackenklappend vom bundesdeutschen GroKo-Gehorsam bis Mai 2016 in deutsches Recht umgewandelt wird? Bisher nix bekannt.

Ja, ist korrekt, das Rauchen ist nachweislich gesundheitsschädlich. Ja, ist korrekt, auch passiv wird’s nicht nachhaltig gesundheitsfördernd. Und ja, ich rieche sofort an meinen Kleidungsklüngeln, wenn ich mal in qualmender Umgebung den aufregenden Spielen meines Lieblingsvereins beiwohnte. Nichtrauchen ist eigentlich cool, und mensch darf sich mit Recht auch krass stark vorkommen, wenn es so von Stund‘ an auf Tabak verzichtet, ohne schlechte Laune zu bekommen.

Aber, ich verspreche es an dieser Stelle hoch und heilig:

Ich werde nie militanter Nichtraucher!

Für die  gesetzlich sanktionierte Volksdroge Alkohol darf weiterhin hemmungslos geworben werden. - Foto: Rudi Bernhardt

Für die gesetzlich sanktionierte Volksdroge Alkohol darf weiterhin hemmungslos geworben werden. – Foto: Rudi Bernhardt

Aber es macht mich geradezu zum Suchtguerilla, wenn ich daran denke, dass es keinen Welt-Nichtalkoholikertag gibt. Dass es nach wie vor Bier- und Schnapswerbung gibt. Für Tabakwaren aber seit Jahren vielerorts auf solche gesetzlich bestimmt verzichtet wird. Dass hingegen Alkoholismus als Krankheit gilt, deren Folgen und Entwöhnungskuren von den Versicherungsanstalten bezahlt werden, den Rauchern hingegen vorgehalten wird, sie bedienten sich eines Genussmittels.

Was darf daraus gelernt werden?

  • Erstens: Die Tabakindustrie hat die eindeutig schlechtere Lobby.
  • Zweitens: Eine Sucht muss man den Menschen ja lassen, sonst werden sie knurrig.
  • Drittens: Wer exzessiv säuft, macht sich zwar ebenso freiwillig krank wie die Raucher, aber da er die gesellschaftlich genehmigte Droge dazu benutzt, muss die versicherte Gesamtgesellschaft ihm auch beim Entzug helfen.
  • Viertens: Die Lust am Suff gibt es schon seit Jahrtausenden, der Tabak reiste erst ein paar Jahre nach Columbus nach Europa. Denkste: Griechen, Römer oder Germanen haben Kräuter geschnupft quasi der biologisch-dynamische Vorgänger des Koks. Aber: Der lateinische Begriff für Tabak nicotiana tabacum bezeugt heute noch Jean Nicots Verdienst um die Verbreitung des Tabaks in Frankreich, das er als Botschafter in Portugal vertrat.
  • Fünftens: Es gibt niemals ein bundeseinheitliches Bann-Gesetz gegen Alkohol, weil sonst Bayern sich abspaltete, denn Bier gilt da als Grundnahrungsmittel, was man der Politik, namentlich seitens der CSU, gelegentlich stark anmerkt.
  • Und ich frage mich ernsthaft, was am Alkohol weniger gefährlich ist als am Rauchen, oder gar dem Passiv-Rauchen. Der Suffkopp macht seine Gesundheit kaputt. Seine Familie leidet schlimme Schmerzen an den charakterlichen Veränderungen des oder der Betroffenen. Die Kollegenschaft im Beruf leidet. Kinder erkennen den jeweils beschädigten Elternteil nicht wieder. Die gesamte Umgebung des Kranken nimmt schweren Schaden.

    Aber welcher volkswirtschaftliche Schaden würde angerichtet, nähme man den Menschen den Alkohol? Schlimm genug, dass dem Staat Steuereinnahmen entgehen, weil weniger Zigaretten verkauft werden.

    Und ich werde zu jeder sich bietenden Gelegenheit nach dem Welt-Nichtalkoholikertag rufen oder jeden sich bietenden Politiker damit nerven, sich dafür einzusetzen. Vermutlich völlig vergebens, denn wie sang schon Bruce Low: „Tabak und Rum braucht ein Cowboy, Tabak und Rum die liebt er sehr.“ Oder wie sang auch Martin Lauer (Fabelweltrekordler, der am 7. Juli 1959 im Letzigrund in Zürich innerhalb von nur einer Stunde gleich drei Hürden-Weltrekorde lief): „Tabak und Rum braucht ein Cowboy, Tabak und Rum die liebt er sehr.“

    So, nun muss ich aber zur Bushaltestelle. Hoffentlich raucht da jemand. 😉

    Beitragsbild: Die guck‘ ich mir bisweilen sehnsüchtig an. Eine Dunhill (Vordergrund), zwei Savinelli und eine hübsche No-Name aus Dänemark. Seit Jahren unbenutzt. – Foto: Rudi Bernhardt

    1 comment for “Ich will endlich den Welt-Nichtalkoholikertag und eine EU-Richtlinie, die den Alkohol-Genuss bremst

    1. 29. Mai 2015 at 16:36

      Hallo Rudi,

      oh tut das gut, Deine Zeilen zu lesen, zwischen all der Scheinheiligkeiten in dieser Woche.
      Interessant, wie Du den Umgang mit den Themen Tabak und Alkohol entlarvst.

      Einen lieben Gruß
      Kurbelursel

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.