Drei BVB-Tore, zwei Abschiede und ein trauriger Fan

Das sind die Worte der unvergleichlichen Südtribüne, des unvergleichlichen Westfalenstadions.

Das sind die Worte der unvergleichlichen Südtribüne, des unvergleichlichen Westfalenstadions.

Dortmund/Tempel. Jürgen Klopps letzter (vorerst) Auftritt im Westfalenstadion. 3:2 gegen Werder Bremen. Und doch noch in den internationalen Rängen. Das Saisonfinale überstrahlt jeden Tiefpunkt, die diese eigentümlich abgelaufene Spielzeit anzubieten hatte. Von Platz 18 bis 7 war alles dabei. Kloppo spricht noch einmal zu allen, die ihn lieben. Beherrscht, aber schnaufend. Fast gerät in den Hintergrund, dass da noch einer adé sagt, einer, der noch länger als der Trainer für den BVB stand, rannte, litt und jubelte: Sebastian Kehl. Er wird mir ebenso fehlen wie Kloppo. Er wird dem BVB-Spiel fehlen, die Nummer 5, er wird der Liga fehlen und dem Team, dessen Kapitän er lange Jahre war. Hoffentlich bleibt der Verein sich selbst und ihm treu, bindet einen, der 13 seiner 35 Lebensjahre bei ihm verbrachte, an sich und profitiert auch zukünftig von einem Spieler, der anscheinend nicht weggedacht werden kann aus diesem Stadion.

So versöhnlich die Saison endete, so melancholisch war mir, als ich diese 90 Minuten gegen Werder Bremen sah. Als wollten die da auf dem Platz ohne Bruch da anknüpfen, wo sie einst mit Jürgen Klopp begannen. Schnell, konzentriert wie selten in den vergangenen Wochen, passgenau, zielsicher verspielt, ohne Nervosität im Abschluss. Miki machte ein Tor, mir stockte der Atem und kam erst wieder in Gang als er es versenkte. Und das Sahnestück wäre geschehen, das Stadion hätte sich selbst zerlegt, wenn die Nummer 5 aus 25 Metern noch einen Abschiedstusch geschmettert hätte.

Verdient hätte Sebastian Kehl das. 13 Jahre BVB, 13 Jahre kompromissloser Einsatz für die Mannschaft, 13 Jahre lang sich die Knochen wund gespielt. Immer mal wieder lange verletzt und immer wieder nach vorn gekommen und die harte Nummer des erfolgreichen Staubsaugers im Mittelfeld wieder angenommen. Ich sehe noch heute Hasan Salihamidžić auf ihn zugrätschen. Rot war mein Eindruck (okay, ich bin schwarz-gelb blutend), aber nicht mal Gelb gab’s. War ja der „Brazzo“, der schon bei Bayern spielte und nicht mehr der von Hamburg. Die Bauern konnten sich im Westfalenstadion immer auf zwei zugedrückte Augen verlassen. Anderen als Sebastian Kehl hätte nach den Folgen der Verletzung das Karrierende gedroht. Aber der kam wieder, ging wieder hart, aber immer fair zur Sache. War vorbildlich.

Jürgen Klopp nach dem letzten Bundesligaspiel in seinem schwarz-gelben Wohnzimmer.

Jürgen Klopp nach dem letzten Bundesligaspiel in seinem schwarz-gelben Wohnzimmer.

Vorbildlich auch die wunderbare Abschiedsrede von Jürgen Klopp über den Großbildschirm des Stadions an die 80.000. Irgendwann gegen Ende seiner emotionalen Ansprache mahnte er: „Ich kann euch nur raten, nicht zu vergleichen. Weil der Vergleich schmälert die großartige Erinnerung und erschwert die großartige Zukunft.“ Das war nicht nur weise, sondern weit blickend, denn er attestierte im gleichen Atemzug der Borussia diese großartige Zukunft. „Wir sehen uns“, war der Wunsch – na, hoffentlich mit dem Pokal beim LKW-Corso über den Borsigplatz.

Mein ganz persönliches Auf Wiedersehen an Jürgen Klopp und den unverwüstlichen Sebastian Kehl. Macht’s gut!

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