Kreisel: Er kreiste und es war nur noch eine Spur

Unna. Nun bleibt der Kreisel am Kreishaus einspurig! Unumstößlich wirkende Aussage nach einem Jahr Testphase mit einer verbliebenen Fahrspur rund ums neu gestaltete Rondell. Okay, wird mit nachweislich erhöhter Sicherheit und geringerer Zahl von Unfällen erklärt. Und wer bin ich, dass ich mich Sicherheitsargumenten verschlösse.

Verwirrt bin ich dennoch. Denn:

  • Ersten halte ich solche Entscheidungen für eine Folge der ganze Generationen übergreifenden Entwöhnung heimischer Autofahrer vom richtigen Durchfahren solcher Kreisel im Allgemeinen. Es gab einfach keine mehr, dass man als Fahrschüler drin hätte üben können. Ampelindustrien hatten die Verkehrsplaner von ihren Produkten zu erfolgreich überzeugt.
  • Zweitens irritiert es mich, dass autofahrende Verkehrsteilnehmer rudelweise beklagen, ihren zweispurigen Kreisel verloren zu haben, weil sie ja jetzt im Stau stünden und Zeit verlören und – weil’s ja immer ökologisch so schön passt – die Umwelt mit Abgasen belasteten.
  • Drittens mangelt es mir am zweifellos nötigen Verständnis (liegt eindeutig an mir). Lange Jahre haben unterschiedliche Sachkenner und -innen nach der offiziellen Einspurigkeit für den Kreisel gerufen. Nun haben wir sie und damit zwangsläufig auch die Staubildung. Postwendend holen manche Kritiker und -innen von einst die übellaunig den Stau beklagenden Autofahrer als Zeugen fürs planerische Debakel in die Öffentlichkeit. Obwohl sie’s selbst einst herbei geschrieben hatten.
  • Viertens hatte ursprünglich das Land NRW die Stadt zum Einspurigkeitsversuch aufgefordert. Nicht die Stadt Unna entzog also dem Kreisverkehr eine Spur, letztlich war es das Land. Die Stau-Klagemauern stünden also allenfalls in Düsseldorf.
  • „[…] bis die Planer ein Einsehen haben und sich zu einer seit vier Jahren überfälligen Entscheidung durchringen: den Kreis endlich offiziell einspurig zu machen. Das ist er in der Praxis jetzt schon. […] Denn abgesehen von waghalsigsten oder eben abgebrühtesten Naturen fährt kein Mensch mit gesundem Verstand in diesem Kreisverkehr mehr als einmal auf der zweiten unsichtbaren Innenspur. […]“, kommentierte Silvia Rinke seinerzeit im Hellweger Anzeiger. Legen wir die aktuellen Erkenntnisse zu Grunde, hatte sie doch recht. Oder?

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