Kitastreik und die verstaubte Entlohnungs-Hierarchie im deutschen Bildungswesen

Unna. „Der Streik der Beschäftigten aus dem Sozial- und Erziehungsdienst geht unbefristet weiter. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung nahmen daran teil. Einige Außenstellen des Kreises bleiben geschlossen. Darauf weist die Kreisverwaltung hin.“ So heißt es auch heute (Montag, 26. Mai 2015)vom Kreis Unna. „Die Kinder- und Jugendzentren des Kreises in Bönen (,Go IN‘), Holzwickede (,Treffpunkt Villa‘) und Fröndenberg/Ruhr (,Treffpunkt Windmühle‘) sind bis auf Weiteres ebenso geschlossen wie die Außenstellen des Allgemeinen Sozialdienstes in Bönen und Fröndenberg/Ruhr. Der Allgemeine Sozialdienst in Holzwickede arbeitet mit einer Notbesetzung.“ Und was ist mit Kitastreik von ver.di in Unna?

Damit es auch der oder dem Letzten ins Gedächtnis gerufen sei: Seit jeher gibt es in der Stadt Unna keine städtischen Kitas, Kindergärten oder ähnliches. Namentlich der damalige Sozialdezernent Werner Kern machte seinerzeit der lokalen Politik klar, dass Einrichtungen dieser Art klassisch unters Subsidiaritätsprinzip (Begriff der katholischen Soziallehre: Steht für ein gesellschaftliches Prinzip, das auf Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Entfaltung individueller Fähigkeiten abstellt) fallen. Kräftig flankiert von Wilfried Bartmann (früher Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und langjähriger Vize-Bürgermeister) förderte die Stadt Unna also Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft oder (Beispiel Mühlhausen) solche, die von Elterninitiativen betrieben werden.

Um Irrtümern vorzubeugen: Werner Kern war Protestant. Aber weitsichtigen Ideen der anderen Konfession hatte er sich niemals verschlossen.

So werden heute kommunale Kindereinrichtungen in der Stadt nicht bestreikt, weil es keine kommunal geführten gibt.

Was den Streik als solchen allerdings nicht weniger notwendig und richtig wichtig macht. Meine ganz persönliche Meinung: Kitas, Kindergärten – der gesamte Elementarbereich – ist integraler Teil des deutschen Bildungssystems. Schon 1970 wurde die Elementarstufe vom Deutschen Bildungsrat explizit als unverzichtbarer Bestandteil des gesamten Bildungssystems definiert. 2004 verpasste die Kultusministerkonferenz der Elementarstufe ein Rahmenkonzept für die Bildungsprozesse.

Der gemeinsame Rahmen den die Länder sich für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen gaben, umfasst (gültig für Kinder ab zwei bis drei Jahren):

  • Sprache, Schrift, Kommunikation;
  • Personale und soziale Entwicklung, Werteerziehung/religiöse Bildung;
  • Mathematik, Naturwissenschaft, (Informations-)Technik;
  • Musische Bildung/Umgang mit Medien;
  • Körper, Bewegung, Gesundheit;
  • Natur und kulturelle Umwelten.
  • Ziemlich anspruchsvoll, oder? Nun, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (ja, die gibt’s trotz miserabler Bezahlung auch) in diesem Teil der Bildungskarriere haben einiges zu leisten. Sie sind wie man sieht seit langem anerkannter Teil eines stets als ambitioniert geltenden deutschen Bildungssystems. Nur werden sie nach wie vor wie der lästige Appendix eines solchen entlohnt.

    Meine sicher ziemlich kecke Frage: Warum gibt es so traditionell-staubig bis heute das ulkige Staffelungsmodell nach dem Motto „je jünger die Eleven, desto geringer werden die Lehrenden bezahlt“? Oder umgekehrt „je höher die Stufe desto höher auch die Besoldung“. Nein, ich werde nicht danach schreien, dass Lehrer an höheren Lehranstalten (so nennen sich gern mal die Lehrenden an Gymnasien – nicht alle, wohlgemerkt) herabgestuft werden sollen. Auch nicht danach, dass alle in allen Stufen gleich besoldet werden mögen. Aber es ist schon merkwürdig, dass Pädagogen an Berufskollegs heute wie selbstverständlich genauso studienratend eingestuft sind wie ihre Kollegen im Gymnasialbereich. Die Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen hingegen rein finanziell geringer bewertet werden. Ganz zu schweigen von denen im Elementarbereich. Obwohl sie alle doch Teile des einen Bildungssystems sind.

    Vielleicht ist da auch einer der Gründe dafür zu suchen, dass die Republik so verwundert davor steht, wenn sie manche Absurditäten vorgehalten bekommt, die am Ende dem System entfleuchen.

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