Almost Daily Soap (VI): Christoph Tetzners Fallbeilnote für Kämmerer Mölle – „Vier minus, versetzungsgefährdet“

Unna. Es keimten ja schon Entzugserscheinungen. Tagelang kein politisches Lebenszeichen aus der Unnaer Karibik. Keine mehr oder minder erwarteten Neuigkeiten über die aufopferungsvolle Netzfahndung des Piraten Christoph Tetzner nach der Herkunft der 70.000 Euro Zuschuss für das Kulturzentrum Lindenbrauerei. Dann, ausgerechnet am Vatertag 2015, Aufatmen: Er ist wieder – oder immer noch – da und hat gleich zwei Nachrichten. Er hat seinen anwaltlich erwünschten Termin. Montag, 18. Mai 2015 um 10 Uhr darf er in Anwesenheit von Juristen (Woher reisen die an? Bringt er seinen Anwalt mit? Sind es städtische Rechtsgelehrte? Findet man die im Vorübergehen und lädt sie dann ein? Egal, sie werden da sein.), also, er wird juristisch wie auch immer flankiert die Akten studieren. Allerdings nur die, die im Zusammenhang mit seiner auf den einen finanziellen Vorgang rund um den Brauerei-Zuschuss stehen.

Alles andere wäre wohl auch zu arbeitsintensiv. Um Haushalte und Jahresrechnungen aufzustellen arbeiten ganze Mitarbeiter und -innenscharen in der Kämmerei ein komplettes Jahr und bisweilen länger. Da hätte der Aktenforscher als Einzelkämpfer sich lange durch fremde Gezeiten wühlen müssen und die Begleitjuristen bekämen am Ende zu viele Überstundenhonorare. Aber immerhin: Das gab endlich mal wieder Anlass, pirateske Bemühungen bei der mühsamen Kreuz gegen widrige Winde ins öffentlich Licht zu bringen.

Aber dann hätten wir ja noch einen Vorhang für den Auftritt Nr. zwo des seefesten Freibeuters – und zwar in einer gehörigen Presse-Schelte Richtung Kämmerei. „Vier minus, versetzungsgefährdet“, so lässt Christoph Tetzner sich dort zitieren, nachdem er wie andere Ratsmitglieder durchgelesen hat, was Kreis-Kämmerer Dr. Thomas Wilk in seine Begleittexte (fünf Seiten lang) zur Genehmigung des Doppel-Etats 2015/16 geschrieben hat. Der Zahlenkundige und Haushaltsfachmann der Piratenfraktion sieht in diesen anmerkenden Zeilen testiert, dass Karl-Gustav Mölle ein schlechtes Zeugnis bekommen habe. Kollege Klaus Göldner von der FLU entdeckt zwar nach eigenem Bekunden nicht, was nicht schon bekannt gewesen sei. CDU-Fraktionsvorsitzender Gerd Heckmann wertet Thomas Wilks Begleitschreiben als „Routine“, das die Richtigkeit der Haushaltssicherung unterstreiche.

Und der Kreiskämmerer seinerseits wird wiedergegeben als jemand, der die Genehmigung des Unnaer Haushaltes nie gefährdet sah. Gleichwohl weist er auf Risiken oder zu optimistische Zukunftseinschätzungen hin. Was ja auch seine Aufgabe ist, was sein Vorgänger ebenso tat und was Kämmerer Karl-Gustav Mölle eher weniger ähnlich sieht, denn er schätzt vorsichtshalber die Lage lieber konservativ ein, um schlechten Überraschungen vorzubeugen.

Wie auch immer, die Unnaer Antwort auf Michael Kohlhaas hat seine Note (das Schuljahrsende nähert sich) schon verteilt. Er zeigt sich als strenger Pädagoge. Und nun kommt Spannung auf: Was bringt der kommende Montag? Wird er pünktlich sein? Welche Juristen begleiten sein Aktenstudium? Wie lange wird es dauern? Ausreichend Fragen, die nach Beantwortung heischen.

2 comments for “Almost Daily Soap (VI): Christoph Tetzners Fallbeilnote für Kämmerer Mölle – „Vier minus, versetzungsgefährdet“

  1. Werner
    14. Mai 2015 at 21:03

    Abschreiben vom Hellweger….

    • 14. Mai 2015 at 23:42

      Ein munteres Hallo an Werner, wer immer das auch sein mag. „Abschreiben vom Hellweger …“, lese ich da. Na, denn bemühe ich mich mal um Antwort. Erstens erinnere ich mich aus meiner Schulzeit, dass es sich beim „Abschreiben“ um möglicherweise umformulierte, jedoch meist ähnlich geschriebene, aber inhaltlich identische Wiedergaben von Texten anderer Verfasser handelt. Weder gebe ich inhaltlich identische Feststellungen wieder noch ähnlich formulierte Texte, also kann es sich nicht um Abschreiben handeln, sondern vielmehr um eine Bewertung dessen, was ich zuvor gelesen hatte, und das stand in der Tat im Hellweger Anzeiger. Der ist bekanntlich informell auf der Höhe, wird sicher auch stets gut mit Hinweisen versorgt. Zweitens entnehme ich der einsilbigen Einlassung des Autors Werner, dass er mit meiner Inhaltlichkeit zu dem Thema nicht völlig einverstanden ist. Das macht aber nichts, daran bin ich seit Jahrzehnten gewöhnt, vor allem als ich noch journalistisch tätig war. Mit einem Gruß in den Abend des dahin scheidenden „Vatertages“ verbleibe ich in gewohnter Freundlichkeit unter voller Namensnennung, Rudi Bernhardt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.