Wenig Neues bei der Daily Soap oder so kriegt man auch Popularität (III): Der Piraten-Kapitän setzt Frist fürs Aktenstudium

Unna. Nachdem das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen den Eilantrag vom Piraten-Kapitän Christoph Tetzner wegen unzureichender Begründung zurückgewiesen hat, aber grundsätzlich die Auskunftspflicht des Bürgermeisters bestätigte, lässt die Unnaer Antwort auf Michael Kohlhaas (Novelle von Heinrich von Kleist über einen, der wacker die Willkür der Obrigkeit bekämpft) nun eine Frist setzen: Bis zum 15. Mai möge man ihm drei Termine anbieten, dass er mit dem Aktenstudium beginnen könne und dergestalt seidengespinstgenau erfahre, woher die 70.000 Euro Zuschuss für die Lindenbrauerei im vergangenen Jahr aus dem Haushalt stammten. An Christoph Tetzners Recht zur Akteneinsicht hatte zwar niemand gezweifelt, allen voran nicht der Bürgermeister. Werner Kolter hatte nur angemerkt, das informationsbedürftige Ratsmitglied hätte sich ein wenig an den Dienstweg halten sollen.

Den indes sieht Christoph Tetzner eingehalten. Habe er sich doch  artig beim Vorzimmer des Beigeordneten und Kämmerers Karl-Gustav Mölle gemeldet, der an diesem Tag sogar wenn man so will Chef vom Dienst war, weil der Bürgermeister dienstlich unterwegs gewesen sei. Darüber, ob sein Begehren nach Akteneinsicht bei Karl-Gustav Mölle an diesem Tage zu Gehör kam oder nicht, erläutert der Pirat allerdings nichts Näheres.

Aber, nun haben die Verwalter im Rathaus ja schriftlich beantragte Fristen, was ihnen sicherlich hilfreich sein dürfte, weil sie nun etwas Konkretes in Händen halten. Obwohl dem Rathaus damit Fristen abverlangt werden, die längst erfüllt worden wären, hätte der Pirat den Dienstweg gefunden und beim Hauptgemeindebeamten (das ist der Bürgermeister) um einen Gesprächstermin nachgefragt. Dessen Türen stehen stets offen, wenn man nur will – und Geduld hat, wenn er mal nicht an seinem Schreibtisch sitzt. Soll ja bei Bürgermeistern gelegentlich vorkommen.

Ebenso wie bei Kämmerern. Aber da meint Christoph Tetzner ja, es sei hinreichend mit den Damen im Kämmerer-Vorzimmer zu kommunizieren, um im Anschluss daran Auskünfte von Fachbereichsleitern erfragen zu können.

Reduzieren wir mal den Vorgang auf das Wesentliche: Es gibt immer wieder und immer häufiger Mitglieder eines Rates, die der felsenfesten Überzeugung sind, ein solches Rathaus gehöre sozusagen ihnen und habe in seiner Gesamtbelegschaft nur ihnen zuzuarbeiten. Ob sie nun Taubendreck thematisieren (auch ein Reibungspunkt von Christoph Tetzner mit der Verwaltung) oder Informationen über den Geldmittelfluss erhaschen wollen. Der jeweils zuständige Sachbearbeiter wird schon Rede und Antwort stehen, wenn da jemand an die Türe klopft. Schließlich haben alle Eingänge dieser Art dem Ratsmitglied im Allgemeinen offen zu stehen.

Aber man lernt ja offenbar dazu: Die Fristsetzung gab’s nun in schriftlicher Form und an der richtigen Stelle.

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