So kriegt man auch Popularität (II): Verwaltungsgericht weist Christoph Tetzners Eilantrag zurück

Unna. Nun hat des Piraten Christoph Tetzners „Pearl“ (geliebter Dreimaster von Jack Sparrow aus „Pirates of the Carribean“)  beim ersten Angriff aufs Linienschiff der Verwaltung einen Treffer unter der Wasserlinie erhalten. Wegen einer unmittelbar bevorstehenden Fraktionssitzung, so lautete es in der Begründung des Eilantrages beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, wolle er als Vorsitzender der selben auf der Stelle seine kritischen Blicke in Akten werfen, die seiner Crew die notwendige Munition für Debatten um die Herkunft von 70.000 Euro Zuschuss an die Lindenbrauerei Ende vergangenen Jahres liefern – oder auch das pirateske Pulver nässen. Nicht ausreichend begründet, kam es lakonisch aus Gelsenkirchen zurück. Für eine Zwei-Mann-Fraktion sei es durchaus zumutbar, mal eine Sitzung zu verlegen.

Die einen nennen es einen „Formfehler“, die anderen sehen das als „nicht ausreichende Begründung“ für den Eilantrag, darunter auch die Verwaltungsrichter.

Das machte zwar den Eilantrag zunichte, keineswegs aber die Auskunftspflicht der Verwaltung dem Freibeuter mit dem platzenden Hemdkragen gegenüber. Diese ist ja auch im Rathaus unbestritten. Nur den formalen Weg sollte Christoph Tetzner doch einhalten. Oder – vielleicht kennt er ihn auch gar nicht. Dass die Verwaltungsrichter in ihre Ablehnung für den Eilantrag schrieben, nun erstmal auf eine „schriftliche Ablehnung seines Begehrens“ durch die Stadt Unna warten zu wollen, muss dem selbst ernannten Ein-Mann-Untersuchungsausschuss zu denken geben. Denn er sollte am besten wissen, dass die Stadt Unna ihm keine schriftliche Ablehnung senden kann. Weil ihr kein schriftlicher Antrag aus der Feder von Christoph Tetzner auf Akteneinsicht vorliegt. Bürgermeister Werner Kolter sagt es im Hellweger Anzeiger recht deutlich: Möge der Fragesteller zu ihm ins Büro kommen, seine Fragen stellen, diese würden sorgfältig aufgeschrieben, und dann bekäme er alles vorgelegt, was er wünsche.

An der selben Stelle ist die freibeuterische Sicht der Dinge zu lesen: Christoph Tetzner schildert, wie er erst im Vorzimmer des Kämmerers, danach bei einem Fachbereichsleiter Akteneinsicht gefordert habe. Sie zur eigenen Erregung nicht erhalten, und dann er sich entschlossen habe, die Karronade juristisch zu laden. Eine Terminabsprache mit dem Kämmerer wurde nicht abgewartet. Ja, wir gehen flugs mal in handverlesene Vorzimmer, lächeln charmant, und dann suchen die netten Damen im Vorzimmer heraus, was man wünscht und informieren hernach den Chef, dass da ein Ratsmitglied war, das ganz dringend Auskünfte brauchte. Macht man ja auch in der sogenannten „freien Wirtschaft“ stets auf diesem Weg.

Aber der wackere Pirat hat ein Zwischenziel erreicht: Zweimal in Folge zieren seine Inhalte und sein Name nun schon die panmediale Aufmachung. Das ist doch schon mal was. Und das lässt sich in den nächsten Wochen sicher noch wie Kaugummi dehnen. Und dann gibt’s ja noch die eigentliche Verhandlung des eigentlichen Kernbegehrens beim Verwaltungsgericht. Wird sicher noch mal eine dicke Story. Der Kollateralschaden: In der Zwischenzeit steht die völlig unbeteiligte Lindenbrauerei wieder mal im Fokus des öffentlichen Interesses und muss miterleben, dass der eine oder die andere sich fragen, ob denn in ihrer Zuschussangelegenheit alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Bin gespannt, wann sich die unüberhörbare Stimme der Unnaer Kulturpolitik erhebt und deutlich macht, dass dieses Kulturzentrum gänzlich schuldlos an der aktuellen Diskussion ist. Derweil wird Christoph Tetzner seine „Pearl“ schnell wieder repariert bekommen, helfende Hände werden ihm sicher gereicht.

 

1 comment for “So kriegt man auch Popularität (II): Verwaltungsgericht weist Christoph Tetzners Eilantrag zurück

  1. 30. April 2015 at 12:04

    Danke Rudi für deinen Aufruf an die Kulturpolitik, eine solche Klarstellung wäre sehr hilfreich!

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