So kriegt man auch Popularität: Nun geht der Freibeuter Christoph Tetzner anwaltlich auf das Rathaus los

Unna. Man muss es nur häufig genug in die Öffentlichkeit posaunen, dann ist man erstens selbst davon überzeugt und dann wird auch von vielen anderen angenommen, dass was Wahres dran sein muss. Das Vertrauensverhältnis zwischen Politik und Verwaltung sei gestört, will glauben gemacht werden. Pirat Christoph Tetzner leistet sich eine ordentliche Portion Bedeutung, kriegt wuchtige Aufmachung und sieht sich panmedial in allerlei Posen portraitiert weil er als Fraktionsvorsitzender der zwei kommunalpolitischen Störtebeckers beginnt, sich unter anwaltlichem Feuerschutz vierkant in die Linie der seiner Ansicht nach störrischer Rathauswidersacher zu stürzen.

Vorab: Es ist Christoph Tetzners gutes Recht, seine „politische Kernkompetenz“ (SPD-Stadtverbandsvorsitzender Volker König) in der Fahndung nach der Herkunft der 70.000 Euro Lindenbrauerei-Zuschuss aus dem vergangenen Jahr zu sehen. Es ist auch sein gutes Recht, so lange im Rathaus nach Informationen zu bohren, „bis er Öl findet“ (Volker König). Und letztlich ist es ebenfalls sein gutes Recht, den Rechtsweg zu beschreiten, wenn er seine Rechte als Ratsmitglied nicht ausreichend berücksichtigt sieht und sich dabei anwaltlicher Hilfe zu bedient.

Aber ist durch diesen Schritt nun das Vertrauensverhältnis der Politik zerrüttet? Weder Christoph Tetzner noch sein Stellvertreter noch die Piraten insgesamt stehen in ihrer zweiköpfigen Ratsgesamtheit für die Unnaer Kommunalpolitik. Das sind nun mal neben dem Bürgermeister 52 gewählte Ratsmitglieder aus insgesamt sieben unterschiedlichen Parteien, darunter ein freischwebendes, das als fraktionslos geführt wird. Und die repräsentieren derzeit die Unnaer Kommunalpolitik; es können bei jeder Wahl noch mehr werden. Die haben jetzt unvermittelt allesamt das Gefühl, ihr Vertrauensverhältnis zur Verwaltung sei gestört?

Kann ich mir nur schwer vorstellen.

Aber was ich mir vorstellen kann ist, dass einer Akteneinsicht ein formal festgelegter Vorgang voraus gehen muss, damit diese auch ebenso formal gewährt werden kann. Die mehrfache Forderung in der Öffentlichkeit, eine solche zu wünschen, reicht nicht aus.

Was ich mir vorstellen kann ist, dass Mitglieder des Verwaltungsvorstandes (Bürgermeister und seine Beigeordneten) gefragt werden wollen, ob ein Sachbearbeiter oder andere in ihrem Verantwortungsbereich Auskünfte an fragende Ratsmitglieder erteilen können. Ich stelle mir gerade vor wie Volker Weidner (CDU) damals als Bürgermeister reagiert hätte, wenn dergleichen Dienstwege nicht eingehalten worden wären. Da sind die aktuellen Zusammenarbeitsatmosphären doch ein laues Lüftchen für alle Beteiligten.

Und schließlich, was ich mir vorstellen kann, das ist die Wirkung einer alten Weisheit: Rufe ich in den Wald hinein, oder wird mein Ton zackiger.

Ich hatte es zu anderer Gelegenheit beim selben Thema (70.000 Euro-Zuschuss) schon einmal angemerkt: Ratsmitgliedern ist es ausdrücklich erlaubt, mit jeder Frage zu einem Mitglied des Verwaltungsvorstandes zu gehen, ja diesem sogar ordentlich auf die Nerven zu gehen. Es muss kollegial behandelt und mit Informationen versorgt werden, dazu sind die Herren auch verpflichtet. Und unter Kollegen, so das Kollegiale nicht als Einbahnstraße zum Fragesteller hin verstanden wird, ließe sich sicher alles ausräumen, was an Missverständnissen entstanden sein könnte.

Allerdings muss man dann akzeptieren, dass solche Wege kein mediales Klappern erzeugen und der eigenen Profilierung nicht so wirklich dienlich sind. Ist eben einfach nur Tagesarbeit eines jeden Ratsmitgliedes, ganz ohne piratesken Propagandaeffekt. Aber man kann möglicherweise ja auch wieder das Paket mit der „Spartenrechnung“ auspacken, oder so.

Beitragsbild: Christoph Tetzner hisst die Schwarze Flagge. – Foto: Rudi Bernhardt

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5 comments for “So kriegt man auch Popularität: Nun geht der Freibeuter Christoph Tetzner anwaltlich auf das Rathaus los

  1. 29. April 2015 at 18:42

    Wie bei allen Kampfhandlungen gibt es auch bei dieser Kollateralschäden. Hier ist es die Lindenbrauerei, die in Mitleidenschaft gezogen wird! Der von mehr als 95% aller Ratsmitglieder beschlossene Sonderzuschuss zur existentiellen Absicherung der Kulturarbeit im Zentrum, wird ins Zwielicht gesetzt. Ein schlechter Beigeschmack wird erzeugt und ist wohl auch gewollt. Konnten bisherige Anwürfe alle sachlich entkräftet werden, ist dies m.E. der neuerliche Versuch das berühmte Haar in der Suppe zu finden; einerseits um schlicht Recht zu behalten und andererseits persönliche Ressentiments zu pflegen. Anstatt es zu begrüßen, dass Gelder zur Rettung der Lindenbrauerei zur Verfügung gestellt werden konnten und in Ruhe abzuwarten, bis der Jahresabschluss 2014 fertig gestellt wird, um sich dann alles offenlegen zu lassen, nein, da wird ein Rechtsanwalt eingeschaltet und die Stadt verklagt…. Rückendeckung für eine gemeinsame, jahrzehntelange und erfolgreiche Kulturarbeit in und für unsere Stadt sieht für mich anders aus!

    • 29. April 2015 at 18:58

      Regina, nur ein Hinweis, oder eine Frage, oder auch gleich eine implizite Antwort dazu: Ich höre nicht die kraftvolle Stimme der Kulturpolitik, dass genau dem vorauseilend widersprochen wird, was du an kollateralen Schäden beschreibst. LG, Rudi.

      • 29. April 2015 at 19:04

        welche kulturpolitik meinst? die mit der spartenrechnung,die antragsteller fürs bb`chen oder die kritiker des kämmerers ,wegen der ggmbh….???

        • 29. April 2015 at 23:20

          Ich erleichtere dir mal die Auswahl. Der gGmbH stehe ich selbst kritisch gegenüber. Gut’s Nächtle, Regina.

          • 30. April 2015 at 11:55

            Und woher soll dann das geld für die auflösung des strukturellen defizits im kulturzentrum kommen?

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