Christdemokratischer Basisentscheid: Keine eigene Bürgermeister-Kandidatur – Überraschung!

Carsten Morgenthal: Seine CDU-Oberstadt wollte Herausforderung, sein Herkunftsortsteil Massen, stimmte ebenfalls für eine CDU-Kandidatur. - Foto: CDU

Carsten Morgenthal: Seine CDU-Oberstadt wollte Herausforderung, sein Herkunftsortsteil Massen, stimmte ebenfalls für eine CDU-Kandidatur. – Foto: CDU

Unna. Da hat es Gerd Meyer mit seiner CDU aber ordentlich im Wasserglas stürmen lassen. Und gedanklich wurde dann eine zwar allgemein erwartete, aber doch ziemlich graue Maus geboren. Nun will die Stadtpartei doch keinen Herausforderer für Werner Kolter bei der Bürgermeisterwahl am 13. September 2015. 59 von 82 Stimmberechtigten sprachen sich für die völlige Zurückhaltung der zweitgrößten Partei Unnas bei der Kandidatenaufstellung aus.

Kurz die Historie des Schauspiels für eine CDU-Basis, der man Entscheidungen überlassen wollte und eine Wählerschaft, die man glauben machte, hier wäre etwas parteipolitisch zu entscheiden. Nachdem einige Ratsparteien überdeutlich signalisiert hatten, einen Bürgermeister Werner Kolter auch nach September auf dieser Position sehen zu wollen, hatte sich auch CDU-Fraktionschef Gerd Heckmann geäußert. Und er machte dieselbe Tendenz öffentlich: Er und auch niemand anderer deutete an, dass er schweren Makel fände, auch er glaube, dass dieser Bürgermeister ein guter sei und es bleiben möge.

Da rief CDU-Stadtverbandsvorsitzender Gerd Meyer: Nö, solche Tendenzen seien von der Basis zu entscheiden, nicht durch öffentliche Äußerungen einer Fraktion. Hatte er recht, nur nicht bedacht, dass diese Basis ja möglicherweise wirklich einer eigenen Kandidatur näher treten könnte. Was dann? Dann wäre als letzte Möglichkeit ja nur geblieben, dass der Chef hätte in den Ring steigen müssen. Das war bei der vergangenen Wahl die Rolle von Werner Porzybot, gleichsam als parteisoldatisches Opfer zu dienen.

Aber okay, die Basis machte sich ans Entscheiden. Und Gerd Meyer hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: lieber keinen Herausforderer für Bürgermeister Kolter. Durch mehrere Sträuße roter Nelken deutete er den Mitgliedern ihr bevorstehendes Abstimmungsverhalten an. Die Ortsunion Königsborn (politische Heimmannschaft von Gerd Meyer) meinte denn auch, nee, lieber nicht. Die Ortsunion Ost schloss sich an. Gerd Meyer machte dann von der Ortsunion Oberstadt abhängig, ob ein Stadtverbandsparteitag zum Thema nötig wird. Da sagte Carsten Morgenthals Truppe choreografisch korrekt, jau, wir wollen aber einen eigenen Kandidaten. Und Massens Christdemokraten (Carsten Morgenthals politische Heimat) schloss sich an, weil da argumentiert wurde, dass die zweitgrößte Partei der Stadt sich Zurückhaltung  an dieser Stelle nicht erlauben könne.

Nun musste der letztinstanzliche Parteitag her. Aber auch eingestimmt werden, auf das gewünschte Abstimmungsverhalten. Also machte Gerd Meyer klar, dass kein Christdemokrat eine Chance habe, gegen Werner Kolter, dessen SPD-Delegierte diesen zuvor mit 100 Prozent wieder auf den Schild gehoben hatten. Diesmal sparte sich der CDU-Vorsitzende aber den Strauß roter Nelken, sondern tönte es via WDR-Lokalzeit, dass der Unnaer Bürgermeister keine CDU-Konkurrenz habe, weil er laut Meyer ja ohnehin keine hat. Gerd Heckmann schwieg höflich. Schließlich hätte er ja jetzt zu Recht sagen dürfen, dass da doch noch ein Basisentscheid abgewartet werden sollte.

Nun, den gab’s, überraschend war er nicht. Das Eingeständnis, niemanden aus den eigenen Reihen verbrennen zu wollen, ging ihm voran. Ebenso die Feststellung, dass die Unnaer CDU nach der Kommunalwahl 2014 finanziell etwas zu dünnflüssig sei. Gerd Meyer wurde bei der Gelegenheit mit 91 Prozent wiedergewählt. Alles gut! Die Basis wollte es ja.

Nun kennen die schlauen Sozialdemokraten endgültig, welche Zielrichtung ein bevorstehender Bürgermeister-Wahlkampf haben muss. Wahlkampf wird für demokratische Wahlen geführt. Der Hellweger Anzeiger hatte exakt den Kern getroffen, als er feststellte, dass die Stadt Wahlen verdient habe und keine Proklamationen. Werner Kolter hätte nur zu gern eine wie auch immer geartete Herausforderung gehabt. Die hat ihm die CDU mehrheitlich verweigert. Und nur dann wird eine parteikluge Strategie aus dem Gesamtschauspiel der vergangenen Wochen: Gerd Meyer und seine CDU wollen keinen wachen Wahlkampf sondern die demokratische Antwort auf Valium 10. Schlechte Wahlbeteilung macht zukünftig doch spaßige Rechenmodelle möglich, und die enden in der Feststellung, dass ein Bürgermeister ja ein schwaches Mandat habe.

Parteien sollen auf kommunaler Ebene richtigerweise ein Selbstverständnis haben, das nur das Gesamtwohl der jeweiligen Stadt im Auge hat. Aber so weit zu gehen, dass die die eigene Selbstaufgabe dargestellt wird, ist in der Gemeindeordnung nicht verfasst. Aber immerhin: Die Christdemokraten in der Oberstadt und in Massen können ja als widerspenstige Feigenblätter vorgezeigt werden.

Beitragsbild: CDU-Vorsitzender Gerd Meyer. – Foto: CDU

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