Bei Kloppo gilt wie bei wenigen Anderen: Niemals gehst Du so ganz

Er vermisst sie jetzt schon: die unvergleichliche Südtribüne. Fotos von der Sky-Übertragung: Rudi Bernhardt

Er vermisst sie jetzt schon: die unvergleichliche Südtribüne. Fotos von der Sky-Übertragung: Rudi Bernhardt

Spieltag 1 nach einer für mich schwer verdaulichen Pressekonferenz. Heimspieltag 1 mit der kollektiven Aussicht, dass Jürgen Klopps Engagement bei meinem Lieblingsverein alsbald endlich sein wird. Missgelaunt fixiert mein Blick die stets erhellende Südtribüne und ihre Choreografien. Doch langsam weicht die nahezu lähmende Was-kommt-nach-Klopp-Stimmung der immer wieder neuen Spannung hin zum Anstoß und der Hoffnung, dass dem sympathischsten BVB-Trainer neuer Zeitrechnung zumindest ein würdiger Abschluss gewährt wird. Würdig der Erfolge, die mit Jürgen Klopp uns alle begeisterten.

Fast fühlte ich mich zurückversetzt. Der SC Paderborn, gespickt mit Dortmunder Talenten über deren Rückkehr unser Fritz (von Thurn und Taxis) spekulierte, machte es dem BVB so schwer, wie damals der FC Mainz unter Klopp als Neuling in der Liga 1. Einer kompletten Halbzeit bedurfte es, bis sich die tapferen Ostler müde gelaufen hatten. Und dann machte der BVB ein lockeres 3:0, aus dem noch locker ein 4:0 hätte werden können. Hach, doch mal wieder ein richtig schönes Wochenende.

Wenn nicht die Sache mit dem unmittelbar bevorstehenden Vertragsende wäre. Mir mag es nachgesehen werden, es ist vielleicht auch ein deutliches Signal der Notwendigkeit, dass ich nun endlich mal erwachsen werden sollte: Aber nie seit der Zeit, in der Karl-Heinz Schnellinger mich zum ersten BVB-Heimspiel in die Rote Erde lockte (er war Verteidiger beim FC Köln, woher ich stamme), habe ich den Weggang eines Fußballlehrers aus Dortmund derart bedauert wie diesmal bei Kloppo. Keiner war mir so rückhaltlos sympathisch wie er. Und niemandem galt mein (sicher unerfüllbarer) Wunsch so entschlossen, er möge lebenslang bleiben, wie ihm.

Und das hatte nur mit der einnehmenden Art dieses Mannes zu tun, der authentisch zeigen konnte, dass er einer war, der zwar hörbar nicht aus dem Pott stammte, aber spürbar zu ihm passen wollte. Der im ersten Moment seiner Arbeit ertastet hatte, was Fußball in unserer Region den Menschen bedeutet. Und wie man ihn für uns spielen muss: ackernd und aufopferungsvoll. Und Jürgen Klopp brachte es fertig, diesem werktätigen Pöhlen auch noch eine spielerische Schnelligkeit zu verpassen, als hätten die elf auf dem Feld Flügel – ganz ohne Red Bull.

Tag 5 nach einer für mich schwer verdaulichen Pressekonferenz. Tag 5 mit der Aussicht, Jürgen Klopp mal nicht mehr als BVB-Trainer sehen zu können. Missgelaunt nehme ich die wenig überraschende Nachricht wahr, dass Thomas Tuchel in der neuen Saison seinen Platz entlang der Seitenlinie einnehmen wird. Kloppo sagte an diesem unseligen Mittwoch bereits, dass er wisse, „wie sehr und wie schnell er Verein, Stadion und Stimmung der unvergleichlichen Südtribüne vermissen werde“. Wenn’s ein Trost sein kann: Ich und ein paar mehr vermissen den BVB-Trainer Jürgen Klopp schon jetzt.

1 comment for “Bei Kloppo gilt wie bei wenigen Anderen: Niemals gehst Du so ganz

  1. Heike Gutzmerow
    19. April 2015 at 20:06

    Ach, Rudi Du hast mir von der Seele geschrieben – und nun kommt Tuchel. . Naja schauen wir mal was passiert. 🙂

Schreibe einen Kommentar zu Heike Gutzmerow Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.