Kloppo will gehen: Das war eine Pressekonferenz mit Inhalt, Stil und Perspektive

Kann es eine Nachricht geben, die mehr bewegt? Sicher kann es. Aber denken wir mal nicht an kriegerische Auseinandersetzungen, kranke Kreaturen, pegidös parolierende Plattköppe oder wahrhaftig beklagenswerte Verluste. All‘ das und ähnliches beiseite gelassen: Kloppo will gehen. Unser Trainer (es gibt nur ein uns, und das färbt sich schwatzgelb) Jürgen Klopp, der Mann, der seit 2008 die wunderbarste Mannschaft von allen trainiert, der dem wunderbarsten Verein von allen großartige Erfolge bescherte, er entschied sich den BVB zu verlassen – im Sommer. Mist, aber ich wusste ja, nichts kann ewig dauern. Es war die Nachricht, die mich bewegte, wie keine andere heute.

2004 war’s, Mainz spielte im Westfalenstadion, und ich staunte Bauklötze auf Platz 53, Reihe 13, Block O. Die Nobodies hielten einen verduzten BVB eine Halbzeit lang so in Atem, dass ich alle Nase lange meine Nachbarn mit dem Ausruf amüsierte: „Den Trainer will ich!“ Ich weiß, auf mich kam es damals am allerwenigsten an, und meine Nachbarn lachten sich ob meiner Begeisterung kaputt. Aber irgendwie war es Genugtuung pur, als mein Wunschkandidat mit dem modernsten Fußball dieser Zeit dann 2008 beim BVB landete. Und als ich nach einigen Monaten vor dem TV-Gerät saß (nicht mehr auf Platz 53, Reihe 13, Block O des Westfalenstadions) staunte ich wieder Bauklötze, wie der BVB damals den HSV an die Wand spielte und mit welchen Namen in der Mannschaft das geschah. Jürgen Klopp begeisterte Stadion, mich und die Spieler, was zum Sprint von Erfolg zu Erfolg führte.

Gestern nun übertrug die von mir gar nicht geschätzte Zeitung sehr BILDhaft die Pressekonferenz, in deren Verlauf Kloppo seine Entscheidung spürbar bewegt bekannt gab. Ja, es füllten sich meine Augen feucht, nein, er hatte nichts von der absoluten Sympathie verloren, ja, da war ich richtig traurig, nein, mir mangelt es derzeit an einem Wunschkandidaten wie er einer war.

Niemand wird für immer Trainer bleiben – bei keiner Mannschaft. Aber Jürgen Klopp wird immer mit dem BVB verbunden bleiben. Das brachte er gestern mit leicht zitternder Stimme zum Ausdruck, dort, wo er zahllose Pressekonferenzen nach ebenso zahllosen Zauberspielen seiner Mannschaft gegeben hatte. Er habe in sich gefragt, ob er sich die klare Antwort geben könne, noch der richtige Trainer für den BVB zu sein. Und weil er sich diese Antwort nicht mehr im Augenblick der Fragestellung habe geben können, sei sein Entschluss gereift.

Und dann sagte er noch etwas – nach meiner Überzeugung – ganz wichtiges: Mit dem BVB, der lange vor ihm war und nach ihm sein werde, mit diesem Verein und seiner Liga-Elf sei eine großartige Entwicklung in Gang gesetzt worden. Eine Entwicklung, die auch in dieser Saison weiter gegangen ist. Zwar nicht mit Tabellenständen, Ligaerfolgen und Triumphen in der Champions-League wie manche es sich gewünscht hätten. Aber die Mannschaft habe erneut an Wert gewonnen und es würden bald Spielernamen auftauchen, bei denen er heute schon betrauere, dass er diese Jungs nicht mehr trainieren werde.

Meine Freundin Anja Kolar schrieb mir am Vormittag: „Mannooooo… Wenn Kloppo schon geht, dann will ich Weinzierl und nicht Tuchel! Rudi… Mach was…“ Tuchel, das war der Nach-Klopp-Trainer bei Mainz. Weinzierl, das ist der von Augsburg. Keiner, der als Spieler so sehr erfolgreich war, aber der Aktive Jürgen Klopp war ja eher auch ein Grobmotoriker. Also, Anja traut mir ja einiges an Einfluss zu, versuchen kann ich’s ja. Herhören, Acki Watzke: Markus Weinzierl heißt der Mann!

Beitragsbild: Ein spürbar bewegter Jürgen Klopp begründete seinen Wunsch nach dem Vertragsende. – Foto: Screenshot Web-Übertragung BILD

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