Ein Wort zu Ostern: Nachsicht hilft immer dann, wenn irgendwo die Einsicht entgleitet

Es gibt Durchblicke, Ausblicke, Einblicke und mehr. Es gibt Nachsichtige, Nahsichtige, Schwachsichtige und mehr. Es gibt aber wohl auch so was wie den Spartenblick, oder populärer genannt, den Röhrenblick. Er stellt sich gern mal ein, wenn der kritisierende Scharfblick aufgesetzt und hin zu Handlungen geworfen wird, die bisweilen aus Rathäusern an die geneigte Öffentlichkeit gelangen.

Dem Röhrenblick sind gleich mehrere Qualitäten zu eigen. Er beherrscht das Vermögen, sich weder mit dem rechts noch links vorüber ziehenden Geschehen näher beschäftigen zu müssen. Er sieht vielmehr – nennen wir es mal günstigstenfalls – unbeirrt nach vorn. Störeinflüsse, die zum Nachdenken über die multikausalen Zusammenhänge mancher Entwicklungen führen könnten, werden erfolgreich ausgeschlossen.

Eine andere hervorstechende Eigenschaft ist jene, die es dem Röhrenblick ermöglicht, durch noch so lang gedehnte Rohre zu schauen und dennoch nahezu furchtlos voran zu schreiten, obwohl es in Marschrichtung stockduster wird, weil nicht mal mehr das Licht am Ende des Tunnels sichtbar ist. Und nicht zuletzt versteht sich der Röhrenblick auf – wie der Name schon andeutet – gern auch mal „in die Röhre zu schauen“, im übertragenen Sinne, versteht sich.

Aber kehren wir zur Lieblingsbeschäftigung des vom Röhrenblicks Befallenen zurück: dem täglichen Bemühen um eine Globalschelte, die ihr Ziel – röhrensichtig – im nördlichen Innenstadtbereich kurz vor der Bahnlinie sucht. Von dort wurde in dieser Woche eine Initiative des Rathauses erkennbar, die dazu dienen sollte, auf der Massener Straße einige Ausbesserungen zu unternehmen. Und? Ist doch okay, mag man denken. Nöö! Übrig bleibt vom ganzen Geschehen, dass flickgeschustert werde und eigentlich ein jeder oder eine jede entweder sich nur mehr stolpernd durch Unnas Fußgängerzonen bewege oder über sie mit höchster Vorsicht stöckelt.

Oder die ordnungsbehördliche Abdichtung des Aldi-Parkplatzes am Ring gegen mutmaßliche Carfriday-Jüngerinnen und -Jünger, dass diesen ein Sammelpunkt genommen werde, um von dort allzu fast and furious über den Verkehrsring zu kutschieren. Ist doch gar nicht so falsch, könnte man meinen. Klar, ist es! Flugs beginnt es im social net shit zu stormen, wie bürokratisch und sinnfrei das denn sei. Natürlich ist es sinnhaltiger, den Ring entlang zu düsen. Und natürlich erkennt der leidenschaftlich Röhrenblickende, dass der Öffentlichkeit keineswegs vorenthalten werden könne, wie das Netz sich über zugegebenermaßen am schlechten Ende hilflose Versuche, den Wünschen anrainender Bewohner nachzukommen, amüsiert.

Ja, es gibt den Fernblick und den Tunnelblick – ein naher Verwandter des gemeinen Röhrenblicks. Aber, es gibt auch andere Sichtweisen: Es gibt Umsicht, Vorsicht, Weitsicht, Einsicht – und mehr.

Beitragsbild: Ob hier auf der Bahnhofstraße, oder dort auf der Massener oder auch auf der Hertinger Straße, zufrieden ist anscheinend niemand mit Unnas Einkaufsstraße. Empfehlenswert ist da immer mal wieder ein Bummel in den Nachbarstädten. – Foto: Rudi Bernhardt

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