Coole Feststellung im HA: „Unna braucht eine Wahl, keine Proklamation“

Unna. Da hat der Hellweger Anzeiger völlig recht. Kommentierend veröffentlichte er: „Unna braucht eine Wahl, keine Proklamation“. Gemeint ist die Wahl fürs Bürgermeisteramt am 13. September 2015, für die es bisher nur einen Kandidaten gibt. Amtsinhaber Werner Kolter, dem unlängst die Vertreterversammlung seiner Partei ein ihn anrührendes 100-Prozent-Ergebnis mit auf den Weg in den Wahlkampf gab. 

Nur, welcher politische Modellathlet geht schon gern in einen Kampf um Wählerstimmen, ohne einen gescheiten Widersacher neben sich zu wissen. Ist ja irgendwie so, als prügele Vitali Klitschko 12 Runden lang auf einen Sandsack ein, um sich dann den Weltmeister-Gürtel wieder umschnallen zu lassen. Wer Werner Kolter kennt, weiß, dass diesem der Gedanke, sich demnächst in einer von Gegnern freien Umluft um Stimmen streiten zu müssen, alles andere als behaglich erscheint. Allerdings wird er sich wie alle Wahlberechtigten in der Stadt noch gedulden müssen, was der CDU-Parteitag entscheiden wird. Denn ob es einen Kandidaten der Christdemokraten geben wird, wird von der Basis-Letztinstanz entschieden, nachdem sich die Ortsunion Oberstadt als größte Vereinigung klar für einen solchen ausgesprochen hat.

Bleibt nur die Frage, wer denn schlussendlich den Kopf aus der Deckung recken will. Da könnte man nun auf und ab spekulieren. Es hilft nichts. Denn, wenn einer wollen würde, wird er sich hüten vorlaut zu werden, alle anderen wiederum werden Abwehrhaltungen einnehmen und vom angejahrten Lebensalter bis zur Aussage, dass dieser politische Weg für den einen oder anderen nie zur Debatte stand, alles als Begründung für die eigene Zurückhaltung heranziehen, was hilfreich erscheint.

Kluge Christdemokraten sind es, die von der Kandidatur welchen Geschlechtes auch immer abraten oder sich dagegen aussprechen. Taktisch klug zumindest. Kluge Christdemokraten sind es auch, die auf Partei eigene Kandidaturen pochen. Denn auch sie gehen taktisch und strategisch ans Werk. Sie führen argumentativ ins Feld, dass eine große Partei nur ernst genommen werden kann, wenn sie herausfordert, was sich gegen sie aufstellt.

Unnas Kommunalpolitiker gelten gemeinhin nicht als streitsüchtig, wenn es um das Wohl ihrer Stadt geht – und das ist auch sehr gut so. Gleichwohl sind sie inhaltlich durchaus streitlustig, wenn sie gegeneinander halt mal inhaltlich divergierende Standpunkte aufbauen. Daher finden sich allerlei Gründe dafür, wenn niemand dem beliebten Werner Kolter entgegentreten will.

CDU-Stadtverbandschef Gerd Meyer tendierte mit seinem Königsborner Ortsverein zur Nicht-Kandidatur. Auch er darf getrost zu den klugen Christdemokraten gezählt werden. Schau’n mer mal, ob er mit seiner Taktik auf Stadtverbandsebene eine Mehrheit findet. Oder die Oberstädter CDU dem Parteitag mit ihrem Ja zur Aufstellung wessen auch immer einen anderen Weg weist. Oder ob auch sie rein taktisch mal so fürs Kandidieren votierte, damit in Unnas CDU wenigstens eine Ortsunion herausfordernd wirkte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.