Es bleiben sichtbare Stempel in der Stadt, eine traumhafte Modelleisenbahn und ungezählte Freunde: Nun ist Uwe Kornatz Pensionär

Unna. Ich war ein bisschen spät dran. Aber das kennt Uwe ja von mir. Der Anblick bei dieser Sitzung des Hauptausschusses war reichlich gewöhnungsbedürftig. Da saß Uwe Kornatz mit seiner Dagmar in der ersten Besucherreihe des Ratssaales. Als übe er schon mal die veränderte Rolle. Bürgermeister Werner Kolter hatte die ganz offizielle Zeremonie bereits hinter sich gebracht. Lenkte mit gewohnter Souveränität die Versammlung und versuchte sich, unmerklich für andere, schon mal daran zu gewöhnen, dass nun seine multifunktionale Verwaltungs-Geheimwaffe auf zwei Beinen ins Pensionärsdasein wechselt.

Nein, jedermensch darf das Recht haben, es anzunehmen, aber dem ist nicht so. Uwe Kornatz, der mit der Personalverwaltung, der IT-Ausstattung, der Schulverwaltung, dem Sport, der inneren Rathausorganisation, der Kultur tanzte, er war nicht schon immer in Unna und karajanischer Dirigent eines schwer zu überschauenden Dezernates, das so mancher Beigeordneten-Kandidat als gesundheitsbedrohend mit einem Bannkreuz von sich gewiesen hätte. Uns Uwe – guter Basketballer im Übrigen – begann vor 45 Jahren die Verwaltungslaufbahn in Lünen. Damals war das noch eine Großstadt, mit einem Oberbürgermeister. Der war dann auch noch Lünens Bürgermeister, als die Stadt, was sie Unna ja nie verzieh, 1975 kreisangehörig wurde und nicht einmal den Titel Kreisstadt abstaubte: Hans-Werner Harzer. Unvergleichlich, wenn Uwe Kornatz Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit erzählt, die er mit der nordrhein-westfälischen Kommunallegende verbrachte.

1987 zog es ihn fort, warben Stadtdirektor Klaus Dunker und sein Beigeordneter Werner „Ömmes“ Jürgens ihn in unsere Stadt. Es dauerte gefühlte 30 Tage, da war dieser Mann ein Teil der neuen Umgebung; wirkte es, als sei er nie anderenorts tätig gewesen. Ordnung sollte er amtlich in Unna halten. Und das machte er vorzüglich. Wie heute noch die Kirmes-Schausteller von ihm schwärmen, dass einer seiner engsten Freunde Karl Remmert, Unnas damaliger Marktmeister wurde. Alles kennzeichnend für Uwes nahezu chamäleoneske Fähigkeit zu einem integrierten Teil seiner Umgebung zu werden.

Aber, er hatte das natürliche Bedürfnis „voran zu kommen“. So wurde er von 1993 bis 1999 Erster Beigeordneter und Kämmerer in Bönen. Nahe bei Unna und der dort ständig wachsenden Zahl guter Freunde. Und da machte er seinen Job so gut, dass im fernen Wolfsburg zuständige Stellen ein ernstes Auge auf ihn warfen. Dort möge er doch seinen Lebensweg fortsetzen, Perspektive, er könne bald auch Oberbürgermeister werden. Das war verlockend. Aber nach langem Nachdenken und Abwägen, machte der Begehrte plötzlich einen anderen Fortgang. Weg von Bönen zwar, aber nicht wie fast fest verabredet nach Wolfsburg, sondern heim nach Unna. VfL Wolfsburg mag ja ganz nett sein, aber was ist dieser Verein schon gegen den BVB. Trümmerstücke des heiligen Rasens erster Neuzeitmeisterschaften grünten schließlich im Kornatz’schen Garten im Königsborn.

Ausgerechnet frisch heimgekehrt kam für Uwe Kornatz dann eine Zäsur, mit der weder er noch irgendwer in Unna je gerechnet hätte. 1999, das sozialdemokratische Katastrophen-Wahljahr, hievte unversehens Volker W. Weidner als ersten hauptamtlichen Bürgermeister in christdemokratische Erfahrungshöhen, auf die er selbst kaum gehofft hätte. Und in der Bürgerhalle wehten in der Wahlnacht CDU-Flaggen, standen versammelte Sieger und zeigten auf die Fenster zum Innenhof: „Da, da und da sitzen bald andere!“

Fünf Jahre lang konnte Uwe Kornatz mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der durchaus um sein Können wusste, diese Phase durchleben, hielt aus, was immer ihm entgegen schlug. Um dann mit der Wahl von Werner Kolter dem Unnaer Rathaus die Stempel aufdrücken zu können, die er schon lange im Sinne hatte.

Okay, es haben im Laufe der vielen Jahre manche in seine Richtung geknurrt, niemandem kann es gelingen, es jedem und jeder recht zu machen in diesen, seinen Jobs. Okay, er hat auch bestimmt nicht alles richtig gemacht, aber sehr vieles. Und auch okay, seine Art der Innovation war nicht zwingend für jeden Beteiligten zustimmungspflichtig, aber sie war ein Versatzstück dessen, was Unna über die Landesgrenzen hinaus bemerkenswert machte.

Nun schaut er ab 1. April zu, was andere im Hause so machen, wird sicher manchmal denken: „Was machen die denn nur?“ Aber wenn ihm zu viel quer kommen sollte, wird der Rückzug hin zur akkurat aufgebauten Modelleisenbahn bleiben. Oder ein gutes Glas mit seiner Dagmar. Oder Schocken mit den jungen Leuten bei dem einen oder anderen Glas Bier. Oder Heimspiele des BVB. Oder fröhliche Runden im Freundeskreis. Oder…?

Wir sehen uns, Uwe.

Ach: Wenn wer den allabendlich best aufgeräumten Schreibtisch des Rathauses bewundern wollte, musste er bei Uwe Kornatz ins Zimmer gehen. Ein paar Türen weiter konnte er dann den übelst anmutenden des gesamten Rathauses bestaunen, das war meiner.

Beitragsbild: Wehmut kann noch warten: Uwe Kornatz (rechts) und Bürgermeister Werner Kolter gesten nach der Verabschiedung im Hauptausschuss beim kleinen Empfang. – Foto: Rudi Bernhardt

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