Stinkefinger darf man hierzulande nur zeigen, wenn man dem bürgerlich-deutschen Lager entstammt

Der Möchtegern-Macho Rainer Brüderle (brachte es bis zum liberalen Kanzlerkandidaten, war auch mal Wirtschaftsminister, na ja) zeigte den Stinkefinger, und niemand regte sich auf. Richtig, auch Peer Steinbrück tat es (er war damals SPD-Kanzlerkandidat und zuvor ein Finanzminister, der was konnte), und jeder meinte sich aufregen zu müssen. Yannis Varoufakis (ist ein Linker und finanzministert derzeit in Griechenland) tat es ihm nach. War nicht sehr fein, aber wahrlich kein Anlass, den unmittelbar bevorstehenden Untergang des Abendlandes herbei zu menetekeln.

Aber, es regte sich jeder und jede, die diese Geste insgeheim auch schon mal zeigte, darüber auf. Jedes halbwegs abonnierbare Medium drechselte das eine oder andere merkenswerte Wort wurde zum Thema. Alle Nachrichten, und nicht nur bei der BILDhaften Griechenhetzer-Gazette, waren überfüllt mit der alles entscheidenden Frage: Hat er oder nicht? Klar, er hatte, war schlecht beraten darüber rum zu drucksen. Auch Günter Jauch ließ es an Souveränität mangeln. Aber es war ja nur ein griechischer Minister, der hat anscheinend keine kleine Hilfestellung verdient, die man anderen gewährt hätte.

Merke: Liberale Stinkefinger darf man übersehen und unkommentiert lassen, sozialdemokratische Stinkefinger auf gar keinen Fall, und linke Stinkefinger, zu allem Überfluss von einem Griechen in den Äther gereckt, sind dergestalt degoutant, dass man medial eine Aufmerksamkeit erhält, die bisher ungesühnte NS-Verbrechen, namentlich in Griechenland, nie erfuhren. Es wirkt alles, als sehne man für alle Wellen und Schlagzeilen bereits die nächste Untat eines griechischen Politikers herbei. Ich habe in dieser Hinsicht keine Sorge. Die germanischen Medien werden sich schon was fingern.

Stefan Niggemeier erläutert genauer, was Günter Jauchs Redaktion versaubeutelte:

Und das fand Spiegel-online nach genauerem Hinhören und -schauen heraus:

1 comment for “Stinkefinger darf man hierzulande nur zeigen, wenn man dem bürgerlich-deutschen Lager entstammt

  1. 18. März 2015 at 16:44

    Tja Rudi. So ist es. Ich habe auf Spiegel online eine Dokumentation zur Stinkefinger-Rede gelesen. Die haben sich die Mühe gemacht, nicht nur zu gucken, sondern auch zu hören und etwas Interessantes kam heraus. Varoufakis sagte 2013 (mahnend an seine Parteigänger) sinngemäß: „Wir haben aktuell keinen Anlass, Deutschland den Stinkefinger zu zeigen“ – und zeigte dabei den Finger.
    Ich finde: JAUCH RAUS AUS DEM EURO! Und seine Scheißredaktion gleich mit.

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