Brauerei, CDU und verbale Sensibilität: Mal wieder runter kommen und auf Wesentliches konzentrieren

Unna. Denkste, da scheint es, als sei rund um die Brauerei Ruhe eingekehrt, und dann wird von „Beinaheklagen, Entschuldigungaufforderungen, und Erklärungen statt Entschuldigungen“ berichtet. Uwe Weitkamp, Trägervereinsvorsitzender der Brauerei und im Zivilberuf Rechtsanwalt, wedelte unlängst offenbar mit juristischen Spätfolgen, weil CDU-Chef Gerd Meyer mit seiner Floskel „Soziokultur ist kein Freibier“ ihn und anscheinend manch‘ andere erzürnte. Flugs brach kurzzeitig wieder Magma aus der frisch erkalteten Vulkanglut, wurde aber offenbar schnell und unter „Gentlemen“ mit Wasserkühlung besprüht. Das kulturgewebte Nervenkostüm ist anscheinend zerschlissen, denn dass dieser Meier-Merksatz nicht wörtlich zu nehmen war, fiel eigentlich jedermensch auf.

Geht’s denn noch. Das hätte ja mal getrost unter den Beteiligten bleiben können. Da muss doch nun wirklich keiner Ängste ums Wasserhalten bekommen, es reicht, wenn da mal der Mund gehalten wird. Dass die CDU in ihrer Fraktionsgesamtheit keineswegs an vorderster Front Widersacherin der Brauerei war, konnte monatelang öffentlich erfahren werden. Dass man mit ihren Vertretern vernünftig reden kann, war auch nicht im Bereich der Schwersterfahrbarkeit. Also, warum nicht gleich ein Gespräch und erwachsenen und Kultur affinen Menschen? Warum mit justiziabler Vollmacht (oder voller Macht) auf eine Gegnerin losgehen, die gar keine ist? Nun kommt mal alle bitte wieder runter.

Es gibt Wesentlicheres, was die Zukunft der Unnaer Kultur bewegen sollte. Aber auch nicht in öffentlichen Kontroversen, sondern lieber in konstruktiven Diskussionen auf den Weg kommen sollte. Es wird viel gearbeitet an der Bildung einer „Dachgesellschaft Kultur“ für Unna. Es wird viel dafür getan, dass zukünftig alle kulturtragenden städtischen Einrichtungen mit ausreichend Bargeld für ihre Arbeit ausgestattet sein werden und die Ausgabenseite auch gut im Blick gehalten wird. Stadthalle, städtischer Kulturbereich und das Kulturzentrum Lindenbrauerei unter einem Controlling-Dach zu aller Gunsten zusammen gebracht.

Okay, das ist das Organisatorische, ungemein wichtig, wenn man alljährliche Debatten um die finanzielle Ausstattung einzelner Zweige der Kultur in der Stadt vermeiden will. Aber niemand verliert ein Wort über die inhaltliche Zukunft der Kulturstadt Unna. Die multifunktionale und für jede Ebene des Troubleshootings brauchbare Verwaltungskraft mit Namen Uwe Kornatz ist absehbar in Pension. Er war – wenn man so will – die letzte personelle Bastion für die Kultur (und für Schule, und für innere Organisation, und für kommunale IT, und …). Axel Sedlack, ehemals Dezernent und inhaltlich der langjährige Motor der Unnaer Kulturarbeit, ging schon lange zuvor ins Pensionärsdasein. Hierarchische Kraft bliebe nach Uwe Kornatz‘ altersbedingtem Ausscheiden keine mehr. Woher sollen nun die durchsetzungsfähigen Ideen kommen, wo sähe der Optimist Wegweisendes für Pflege und Bewahrung von Unnas modellhafter kultureller Einstellung zum Wohle des Gemeinwesens?

Die schwierige Finanzlage, die seit 20 Jahren die Stadt in ihrem Griff hält und – meist fremdbestimmt – auch nicht loslässt, erklärt vieles. Naturgemäß auch eine gewisse Sorge, dass „man die Zahl der Häuptlinge in Ruhe lässt und die Indianer schackern müssen“. Aber genau das trifft auf Unna nicht zu. Die Zahl der Häuptling wurde immer geringer, die Zahl der Beigeordneten nie ausgeschöpft. Nach Werner Kern gab es keinen Sozialdezernenten mehr, lag alles beim Beigeordneten Uwe Kutter. Nach Axel Sedlack keinen Kulturdezernenten, landete alles bei seinem Kollegen Uwe Kornatz, dessen Dezernatsgröße manchen Beigeordneten ins Schwitzen bringen würde. Und nach Uwe Kornatz gibt es als Dezernenten im Rathaus nur noch Matthias Immick (Recht) und Michael Ott (Planen). Da erkläre mir jemand, dass es zu viele Häuptlinge im Rathaus gebe.

Ist also die gesamte Ebene der Dezernenten als „Auslaufmodell“ zu betrachten? Sieht die Personalentwicklung nach einer Abwärtsspirale aus? Bei allem Respekt: Junge Leute in einem Unternehmen (in nenne die Verwaltung eines) können keine Perspektive wittern, wenn immer weniger Luft nach oben frei gelassen wird. Die nachhaltige Qualität der Arbeit kann nur bewahrt werden, wenn sie in Hände übergeben wird, die von Personal ausgestreckt werden, das sich so bewertet sieht, wie es seiner Qualität nach gehört. Also, es ist unabdingbar, sich – namentlich im kulturellen Bereich – nach der Neuorganisation der Strukturen, inhaltlich und personell neu aufzustellen. Und das mit Hierarchien, die eine besondere Begabung haben: Mittel ín einer Menge zu heben, mit denen sie sich selbst bezahlt machen. Und dazu bedarf es der alleinigen Konzentration auf das jeweilige Thema und auf die eigenen Ideen.

Beitragsbild: Unnas Kultur besteht nicht nur aus Festen, obwohl die eine der schönsten Facetten im Angebot der Stadt darstellen. – Foto: Wolfgang Barrenbrügge

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