Das wird keine Option sein: Eine Kampagne arm an sozialdemokratischer Präsenz

Immer ein fleißiger Wahlkämpfer für seine Partei: Werner Kolter. - Foto: Rudi Bernhardt

Immer ein fleißiger Wahlkämpfer für seine Partei: Werner Kolter. – Foto: Rudi Bernhardt

Unna. Das christdemokratische Königsborn hatte keinen Bock, nun hat sich auch der CDU-anhängende Osten der Stadt gegen die Aufstellung eines Kandidaten zur Herausforderung von Unnas amtierenden und erneut kandidierenden Bürgermeister Werner Kolter ausgesprochen. Mein unbestimmtes Gefühl sagt mir, dass die „überwältigende Mehrheit“, die in beiden Ortsunionen jeweils mit einem Nein zum eigenen Herausforderer abgestimmt hatten, sich stadtweit in der Christdemokratie verbreiten wird.

Nun bin ich ja – wenig überraschend – der Ansicht, dass die Unnaer CDU gut daran tut, sich zurückhaltend und sozusagen stadttragend zu positionieren. Weder kann sie inhaltlich noch an der Person Werner Kolters Anstoß nehmen. Er macht zwar niemals einen Hehl aus seiner sozialdemokratischen Muttermilch-Herkunft, ist aber in seiner Tagesarbeit stets der Bürgermeister aller Menschen in der Stadt, gleich, welcher Partei sie angehören oder mit welcher sie sympathisieren. Niemand konnte sich in der Vergangenheit darüber beklagen, dass er in seiner Ratsarbeit vom Bürgermeister nicht mit der gebotenen Fairness behandelt wurde.

Also, unter dem Strich, Unnas zweitgrößte Ratspartei weiß sehr wohl, dass sie wenig Packenden findet, Werner Kolter entscheidend in die Parade fahren zu können. Zudem scheint sich niemand in ihren Reihen so parteisoldatesk zeigen zu wollen, wie das bei der vergangenen Bürgermeisterwahl Werner Porzybot geradezu bewundernswert selbstlos tat. Aus ihn sprach der spitzbübische Humor der Aussichtslosigkeit als er eingangs der Wahlkampfes versprach: „Es wird ein Werner gewinnen!“

Gern fiel in den Vorfeldspekulationen der Name meines alten Freundes aus Massen, Carsten Morgenthal, rechte Hand des Schwerter Bürgermeisters Heinrich Böckelühr und juristischer Lenker in der Nachbarstadt. Dem trauen viele viel zu. Aber mal ehrlich: Für Carsten würde eine spätere Bürgermeisterwahl auch nicht zu spät kommen, er könnte wesentlich gelassener in eine Auseinandersetzung um den Posten gehen, müsse er nicht gegen einen ebenso beachtlichen wie verdienten Amtsbonus kandidieren. Was also sollte ihn zur Eile treiben?

Da ich aber den Vertreterinnen und Vertretern der Unnaer CDU einiges zutraue, wittere ich auch gewissen Unrat hinter dieser bisherigen Zurückhaltung, was Schritte zur Personalfindung angeht. Es sind ganz andere Voraussetzungen, als beispielsweise im häufig herangezogenen Bönen, wo Stephan Rotering, Kämmerer der Gemeinde Welver, ins Rennen um die Nachfolge von Rainer Eßkuchen gehen will. Die SPD hat einen Geburts- und Überzeugungs-Bönener aufs Podest gestellt, Robert Eisler, ebenfalls Verwaltungsfachmann, Fachbereichsleiter für Planen, Bauen und Umwelt im Rathaus seiner Gemeinde. Dort hat sich ein Parteiensammelsumrium um den ortsfremden Kandidaten geschart, und das wittert die Chance, erstmalig der jahrzehntelang anscheinend unangreifbaren SPD ein Bein zu stellen, nachdem dieser die gewohnte absolute Mehrheit abhanden gekommen war.

In Unna sehen Strategen (ja, die gibt es) bei den Christdemokraten eine andere Chance: Sie setzen auf eine einschläfernde Wirkung ihrer Taktik; sie fänden eine miese Wahlbeteiligung durchaus charmant. Dann ließen sich später lustige Rechenmodelle aufstellen und daraus resultierende Exegesen um ein mehr oder weniger kräftig ausgeprägtes Mandat, das die Bürgerinnen und Bürger verliehen haben. Böse Zungen plaudern heute schon gerne mal darüber, dass vorausahnende Kommentare zur Situation nach den Bürgermeisterwahlen bereits vorformuliert werden.

Also werden die Mobilisierungsmechnismen der SPD in Unna greifen, wird jede und jeder in der Partei jeden und jede immer wieder daran erinnern, dass es in der kommunalen Politik nichts gibt, was als Selbstläufer betrachtet werden darf. Werden die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer so streitbar und effizient sein, als ginge es um eigene Mandate. Wer einen Wahlkampf der Langeweile vor sich sieht, der irrt. Die Unnaer Sozialdemokratie wird sich hüten, eingelullt in den Ring zu steigen. Und ihre politischen Gegner werden eines ganz sicher nicht haben: eine Kampagne arm an roter Präsenz.

Beitragsbild: Kein Wahlkampf für den Kandidaten Werner Kolter ohne Einsatz zum Beispiel der Jungen Teams. Damit aus dem Kandidaten wieder der Bürgermeister wird. –  Foto: Rudi Bernhardt

3 comments for “Das wird keine Option sein: Eine Kampagne arm an sozialdemokratischer Präsenz

  1. 14. März 2015 at 20:33

    Hallo Rudi, mich interessiert sehr, was in meinem ehemaligen Wirkungskreis so passiert. Trotzdem lese ich Dich nur ungerne. Du solltest hinter Deinem Autorennamen vermerken, dass Du einst der Parteivorsitzende der SPD im Unna warst. Gib der Wahrheit die Ehre. Ansonsten sind Deine politische Kommentare mit ihrer reichlich eingeschränkten Sichtweise – sorry – unerträglich. Das ist alles nicht journalistisch, sondern Hofberichterstattung für den einen oder anderen (SPD-)Menschen, der es nötig hat.

    • Rolf Stöckel
      17. März 2015 at 13:35

      Wie wahr, Konrad Harmelink.

      • 17. März 2015 at 20:41

        Tja Rolf, der Konrad Harmelink darf so was. Aber, was stellte bereits Publius Terentius Afer fest. Quod licet iovi, non licet bovi.

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