Drei Buchstaben, zwei Firmennamen und die Vernachlässigung der „RWE“

Im Westen. War doch erst gestern. Ich stand mit Mutter und Vater am Rande des Hengsteysees. Vater wies auf das „Koepchenwerk“ am gegenüber liegenden Ufer. Geduldig erläuterte er mir, wie dieses funktioniere. Und wie grottenlang es dieses schon vollzog. In meiner damaligen Vorstellung war es eben eine halbe Ewigkeit, wenn etwas schon seit 1930 an der Arbeit war.

Damals prangten hoch oben drei riesige weiße Buchstaben: „VEW“. Sie verkündeten, dass seine (heute) 153 Megawatt Spitzenlastleistung vom kommunal beherrschten Energieversorger in die Überlandleitungen gespeist wurden. Von 1927 bis 1930 war am Werk des Arthur Koepchen gebaut worden. Den Krieg hatte es ganz gut überstanden. Und nach diversen Reparaturen tat es auch damals, als wir da vor dem Hang standen, den das Wasser aus dem Hengsteysee nachts hochgepumpt wurde, damit es tags drauf zur Mittagszeit, wenn alle kochten, wieder talwärts laufend die Turbinen antrieb, tat es artig, wofür es von Arthur Koepchen konzipiert worden war. Es machte Strom.

Wenn ich dieser Tage – meist als Insasse eines Nahverkehrszuges – am „Koepchenwerk“ vorbei komme, dann prangen oben am Hang, nahe dem 1,6 Millionen Kubikmeter fassenden Wasserbeckens immer noch drei Buchstaben. Nicht mehr weiß, mehr schmuddelig, ziemlich zerschlissen, weil nur mit viel Fantasie auf ihre Bedeutung zu vervollständigen und nicht mehr „VEW“ darstellend. „RWE“ soll das da oben heißen. Weil dieser Versorger schon vor Jahren die alte VEW übernommen hatte.

Dem Koepchenwerk bescherte das zwar 25 Millionen Investitionssumme aus der Tasche des Essener Energieriesen. So viel ließ RWE sich die Runderneuerung der Anlage kosten. Aber die drei Buchstaben, denen das zu verdanken war, wurden anscheinend bei ihrer Installation mit einer zu geringen Halbwertzeit ausgestattet. Sie wirken schlicht ungepflegt, vernachlässigt, vergessen. Was richtig schade ist. Denn das Werk selbst steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Und die Buchstaben, sie wurden noch bis 1990 nachts angestrahlt, was ihrer Funktion als Landmarke gut tat. Na ja, heute wäre zuviel Licht eher peinlich, weil dann noch besser sichtbar würde, wie schäbig sie inzwischen wirken.

Beitragsbild: Hier könnten die RWE aber auch mal nachbessern. Oder ist die Energiewende gerade zu kostspielig. – Foto: Rudi Bernhardt

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