Haben wir endlich das mit der „Spartenrechnung“ hinter uns?

Unna. Uff! Haben wir es jetzt hinter uns? Ein halbes Jahr lang bahnten sich Brauerei nebst angeschlossenem Trägerverein den Weg in ihren Arbeitsalltag durch ein Gestrüpp heilloser Diskussionen. Ein halbes Jahr lang waren Scharen der Unnaer Verwalter beschäftigt Ab-, An-, Nach und Verständnisfragen einzelner Rädchen im kommunalpolitischen Geschäft zu beantworten, damit diese auch medienbegleitet und öffentlichkeitswirksam Antwort darauf erhielten, was ihnen im persönlichen Gespräch hätte serviert werden können. Ein halbes Jahr lang schwangen vielssagend Wissende verbal mit der „Keule“ der „Spartenrechnung“ um sich, als wären sie alleinverantwortlich für das heere Heil der Einhaltung paneuropäischer Zuschussvergabe-Vorschriften. Ein halbes Jahr lang popanzten Skeptiker und – innen hinter jedes winterentlaubte Gebüsch eine neue Skandal-Mutmaßung. Nun hat der Kulturausschuss mit überwältigender Mehrheit entschieden: Der Brauerei werden über den üblichen Jahreszuschuss hinaus 70.000 Euro gewährt.

Ob sie das nun so wollten oder nicht: Erreicht haben die medienwirksam durchgestalteten Auftritte der einzig Wissenden vor allem eines. Sie  hinterließen bei den Menschen das latente Gefühl, weder Brauereiverein noch Geschäftsführung verstünden was von ihrem Geschäft. Sie impften das latente Gefühl, die öffentliche Hand sei beliebig, wenn es darum ginge, Mittel auszukehren. Bei bestimmten Bereichen werde das schon klappen. Eben der Brauerei.Sie befeuerten den latenten Eifer, den Wert einzelner Sparten in der kommunalen Politik, gegeneinander aufzurechnen. Nach dem Motto: Für die ist immer was an Hilfe parat, für Unnas Kinder tun sie nichts. Ziemlicher Blödsinn, aber gern verbreitet. Und nicht zuletzt: Die öffentliche Hand kriegt eh nichts vernünftig geregelt, vor allem in Unna nicht. Aber es gibt sie ja, uns nämlich, die Vernünftigen, die wissen was „Spartenrechnung“ bedeutet. Haben wir so was nun hinter uns?

Nee, haben wir offenbar nicht. Unverdrossen lenkt Pirat Christoph Tetzner, einsam das Krähennest seiner „Black Pearl“ bevölkernd, die Freibeuter vierkant gegen die Riffe der Vernunft und lässt sich feiern als letzter Aufrechter, der tapfer den vertikalen Gang im Rathaus gegen die „Verwaltungsallmacht“ verteidigt. Kaum ist gegen seine und die Stimme eines Liberalen verabschiedet, was er und andere einer irrlichternden Kompassnadel folgend bekämpft hatten, kramt er schon neue Argumente ans Licht, deren Aktualität zwar aus den vergangenen Jahr stammt, was ihnen aber keineswegs die pirateske Schlagkraft zu nehmen scheint. Aufzüge standen im Rathaus still. War ja kein Geld flüssig. Die Bücherei konnte keine neuen Medien beschaffen. War ja kein Geld flüssig. Und ein Sitzungsprotokoll fehlt ihm, spurlos wech. Sachdienliche Hinweise erbittet er. Darf Heiterkeit offen gezeigt werden? Aber, wenn’s um die Brauerei ginge, dann sei fix Kohle flüssig.

Fehlt nur noch, dass da aus einem nebulösen Hintergrund ein Handpuppen-Kasper mit der Patsche wedelt: „Und die ‚Spartenrechnung‘ nicht zu vergessen!“

Wie wäre es zum besten Schluss damit, wieder wegweisend und konstruktiv in der Kulturpolitik zu diskutieren? Wie wäre es damit, gemeinsam mit Brauerei und allen anderen am System Beteiligten ernsthaft an Optimierungsüberlegungen zu arbeiten, anstatt die nächsten Wochen und Monate damit zu verbringen, die eigene Unschuld an was auch immer nachzuweisen. Wie wäre es damit, an einem kommunalen Juwel (der Kultur) neue Facetten zu schleifen und nicht zu versuchen, ihm vollends den Glanz zu nehmen. Wie wäre es damit, sich selbst ein wenig weniger ernst zu reden als man sein kann und dafür in gedeihlicher Zusammenarbeit zu inhaltlichem Neuland zu gelangen. Nur mal so gefragt.

5 comments for “Haben wir endlich das mit der „Spartenrechnung“ hinter uns?

  1. Christian Hömecke
    19. Februar 2015 at 12:19

    Nöö. Das Thema kommt immer wieder.
    Warum hat Frau Ranft nicht schon früher losgelegt, wo sie immer wieder Sonderzuschüsse bekommen hat ? Warum kann man erst jetzt „loslegen“ ?
    Übrigens ist der Artikel nicht flüssig zu lesen, solche Satzkonstrukte kann man in keiner Zeitung lesen. Mehr verwirrend als aufklärend.

    • 19. Februar 2015 at 12:30

      Besten Dank, dass Sie dennoch lasen, auch wenn die Satzkonstrukte Ihnen nicht vollends zusagten. Nur zur Erläuterung: Nicht einmal zu Zeiten als ich noch für Zeitungen schrieb, habe ich meine Sprache dem angepasst, was allgemeiner Publikumsgeschmack war. Das werde ich, da ich derzeit für keine Zeitung Beiträge verfasse, nun auch nicht anders halten. LG, Rudi Bernhardt.

    • Regina Ranft
      25. Februar 2015 at 15:04

      „Immer wieder Sonderzuschüsse“ gibt es doch nur,weil sich bislang die Politik nicht dazu durchringen konnte,dass vom Gutachter festgestellte Finanzloch dauerhaft zu schließen!
      Und sorry,unser Team arbeitet seit 25 Jahren mit vollem Einsatz! Da braucht man sich nur das umfangreiche Programm anzuschauen.
      Und mit “ dann legen wir los“ meinte ich in Bezug auf Rudis Artikel, nämlich die kulturverantwortlichen Leute,für die Neugestaltung der Kultur in Unna! Das fordert unser Vorstand schon seit Axel Sedlacks Weggang und fragen uns natürlich auch warum da noch nicht passiert ist!

  2. 18. Februar 2015 at 17:07

    Ein wunderbarer Text zum Aschermittwoch,hoffentlich wird daraus der ersehnte politische Kehraus! Dann eine Zeit der Besinnung und nach Ostern legen wir mit frischen Kräften los……..

    Übrigens Rudi, habe herzhaft gelacht,danke!

  3. 18. Februar 2015 at 11:45

    …poah?! „…wegweisend und konstruktiv diskutieren; gemeinsam optimieren…“, das sind immer mehr ausgestorbene Begriffe. Sowas wünsche, fordere und versuche ich jeden Tag wieder! Ich wünsche dem Autor trotzdem viel Vergnügen dabei!

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