Die liebste Rolle einer selbstempfundenen Opposition: So rede ich meine Stadt schlecht

Seine souveräne Kunst bestaunen alle, die an die Hansastraße kommen.

Seine souveräne Kunst bestaunen alle, die an die Hansastraße kommen.

Unna.Bisweilen beschleicht mich das unbestimmte Gefühl, dass Mitglieder, die Parteien angehören, deren Programme lokal wenig aussagekräftig sind, ihr oppositionell wirkendes Getöse dort ausleben, wo sie die eigene Stadt möglichst schlecht reden können. Das wirkt auf den ersten Eindruck mutig-kritisch, schaut man indes genauer auf einschlägige Einlassungen, kommt es mehr dem hilflosen Flügelschlag eines Ikarus gleich, der meinte, er könne der Sonne mal eben zu nahe kommen.

Petra Weber, Chefin der linken Zwei-Frauen-Fraktion, glaubt den absoluten Gefrierpunkt in Unnas Politikfeldern ausgemacht zu haben: die Jugend. Für die werde aber auch nun so was von wenig getan. Na ja, doch etwas schon. Der Skatepark, das war schon mal ein Highlight. Aber abgeschoben, nahe der krachenden Autobahn und benachbart zum Verkehrsgetümmel an der Hansastraße wurde da ihrer Ansicht nach die Stelle gefunden, wo solche Einrichtungen ihrer Ansicht nach entscheidend fehl am Platze seien.

Zwar reisen via Nahverkehrszug Skater selbst aus Wuppertal an, um ihre Balancefähigkeiten auf den Bahnen des Unnaer Parks zu testen. Zwar rühmen gerade diese jungen Gäste der Stadt die außergewöhnliche Qualität der Anlage. Zwar stören sie sich nicht an der lästigen Anfahrt hin zur flutbelichteten Strecke an der Hansastraße. Aber, die Grenzlage hin zur Wüstenei entlang zweier Verkehrsadern zeige ja nach Ansicht von Petra Weber, wohin die Stadt ihre Jugend abgeschoben sehen will. Welche jahrelangen Mühen es gekostet hat, endlich mal einen Platz für die Skateanlage zu finden, gegen die sich ausschließlich nur die jeweils potenziellen Nachbarn zur Wehr gesetzt hatten (das waren erwachsene Bürgerinnen und Bürger), darüber wird kein Wort verloren.

Viel Schwung hilft, dass der Slider schnell slidet. (Fotos: Sebastian Laaser)

Wheel Sliding in Königsborn: Auch ein prima Spaß für die Jugend. – Foto: Sebastian Laaser

Dann kramt sie in Erinnerungen: als damals (das ist nun 30 Jahre her) das Bornekampbad geschlossen werden sollte. Wurde es aber nicht. Initiative Bürger sorgten dafür, dass der Betriieb weiter lief, die Stadt Unna und bürgerschaftliche Spenden- und Arbeitsbereitschaft banden sich zusammen, viel kommunales Geld wurde im Laufe dieser 30 Jahre ins 130 Jahre Gesamtalter zählende Bad gesteckt. Und immer wieder gab es ausreichend Initiative, dem Bornekampbad die nahe Zukunft zu sichern. Und aktuell braucht’s dort ein Planschbecken, das wird auch noch realisiert werden.

Dann brennen sich nach Petra Webers Ansicht weitere Sorgen in ihr Gemüt, angesichts der Zukunft von Unnas Eissporthalle und der ihrer Ansicht nach immer mehr Raum greifenden jugendpolitische Karstlandschaft Unnas. Klar, auch die Eishalle ist betagt, sie war eine Gabe noch zu Zeiten eines Sportministers Jürgen Girgensohn (1970 bis 1983 in den Kabinetten Heinz Kühns und Johannes Raus). Und sie steht immer noch, wenn auch in den vergangenen Jahren hinfällig geworden.

Solche Angebote, wie auch die der Lindenbrauerei seien aber dringend nötig. Dem täglichen „Leistungsterror“ (wow, erschreckender Begriff) zu entfliehen, müssten ja Möglichkeiten geboten werden.

Wie gesagt, bisweilen kann ich gar nicht so schnell ins verständnislose Headbanging übergehen wie es meiner Ansicht nach angesichts bei fallbeilartiger Pauschalkritik wie dieser nötig wäre. In Unnas Jugendamt arbeiten tagein, tagaus die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Grenzbereich zur Überspannung ihrer Kräfte, damit jungen Menschen überall dort Hilfen angedeihen, wo sie durch diverse gesamtgesellschaftliche Totalausfälle notwendig werden. Kein Wort darüber. Aus den Reihen des Jugendamtes wurden jede Menge Bausteine herangeschafft, um allerlei modellhafte Aktionen möglich zu machen. Kein Wort darüber. Und auch im Zusammenhang mit der vorbildlichen Skateanlage wäre es höchst fragwürdig, den Frauen und Männern der Unnaer Jugendbehörde zu unterstellen, ihr Beitrag zum Gelingen des Gesamtwerkes sei gering zu schätzen. Aber, kein Wort darüber.

Konstruktive Kritik ist zwar gewünscht, völlig angemessen und ausdrücklich erlaubt. Aber der eigenen Stadt rundheraus zu unterstellen, dass Untätigkeit ihre Antriebsfeder im jugendpolitischen Feld sei, wirkt ein wenig wie: Ich sag‘ einfach mal was.

Beitragsbild: Der Skatepark an der Hansastraße: Beliebter Treffpunkt für junge Sportler – auch von weit her anreisend.

 

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