Manche Parteien im Rat – ratlos: Aber sie verstehen was von „Bäumchen wechsel dich“

Unna. Auf eines können sich anscheinend die Wählerinnen und Wähler zukünftig verlassen: Dass die Räte, die sie mit ihren Stimmen erkoren bereits nach kürzester Zeit nicht mehr in der Zusammensetzung bestehen, wie sie durch ihre Stimmabgabe vorgegeben hatten. Parteien und Personen, deren Anzahl durch die fehlende Sperrklausel angeschwollen ist, schwirren umher und verändern ihr Erscheinungsbild in einer Eile, dass es schwer fällt, den dahinter liegenden Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Und das wird anscheinend von Wahlperiode zu Wahlperiode exzessiver gehandhabt.

Besonders volatil zeigen sich da gern solche Parteien, die einst antraten, den sogenannten Etablierten mal zeigen zu wollen, wie Transparenz, Bürgernähe und eine neue politische Kultur so gehen. Sie flattern umeinander – sowohl innerhalb ihrer selbst als auch im wohl abgestimmten Schwarm – als gelte es, das Wahlvolk durch die Überraschung eines täglich murmelden Tieres an lokale Politik zu binden. Allein die vier Urgesteine in der Stadt (SPD, CDU, GAL und FDP) stellen noch so etwas wie Konstanz dar.

Der FLU (Freie Liste Unna) kam kürzlich ihr Jörg Hißnauer abhanden. Dem Vernehmen nach hielt sich bei den zurück bleibenden Klaus Göldner und Franz Josef Klems die Tränenausschüttung während der Trauerphase zwar in überschaubaren Grenzen, aber schon damals keimte die Vermutung, dass Kandidaten vor einer Wahl nicht allzu lange darüber nachdenken, ob sie in der auserwählten Gruppierung inhaltlich wie chemisch zusammen passen.

Nicht lange danach enterte das Virus der Diversifizierung die „Black Pearl“ der Unnaer Piraten, wo sich Heike Palm und Christoph Tetzner nicht mehr einig über eine gemeinsames inhaltliches Vorgehen waren. Beide blieben zwar ihrer Freibeuter-Partei erhalten, aber auf einmal waren beide fraktionslos. Und ich hatte mal bei der Peilung der ersten Piraten denen gesagt, dass sie die Chance hätten, den Weg der Grünen von früher zu gehen. War wohl’n Irrtum von mir.

Die LINKE hielt sich bisher erstaunlich konstant. Sie war als rein weibliche Abordnung in den Unnaer Ratssaal eingezogen. Was dazu führte, dass von Anfang an ein gewisses Grundeinverständnis zwischen den kommunalpolitischen Feen des unaufhaltsamen sozialen Fortschritts existierte. Zur selben Zeit in der zurückliegenden Wahlperiode deutete sich bereits an, dass der vormaligen Gallionsfigur der Partei, Ralf Bürger, in der linken Ratsfraktion das Heimatgefühl verloren ging – und er war nicht allein.

Und nun ereilt Unna schon wieder eine Nachricht schier bahnbrechenden Inhalts. Die Besatzung der „Black Pearl“ (Schiff des unvergleichlichen Karibik-Piraten Jack Sparrow) ist wieder komplett. Hatte sich die Mikro-Fraktion der politisierenden Freibeuter gerade erst in ihre atomaren Grundbestandteile zerlegt, gab’s die neue Wendung. Heike Palm – so heißt es – wolle ihr Ratsmandat niederlegen, dem Nachrücker Christian Roß (der gehörte mal der CDU an und spaltete sich im Zuge der christdemokratischen Selbstbereinigungsphase zu den Erben Störtebeckers ab) Platz machen. So dass wieder eine Chance zur Neugründung einer Piraten-Fraktion besteht, weil sich Christian Roß und Christoph Tetzner wohl besser verstehen – vorerst!?

Ach, liebe Landesregierung, beschere den Kommunen doch ein Kommunalwahlgesetz, das mit einer wie auch immer gearteten Sperrklausel ausgerüstet ist. Aber, liebe Landesregierung, tu’s bald.

1 comment for “Manche Parteien im Rat – ratlos: Aber sie verstehen was von „Bäumchen wechsel dich“

  1. J.Müller
    2. Februar 2015 at 23:54

    Wo ist das Problem ? Der Stimmverlust/Machtverlust bei Volksparteien ? Oder das man auf einmal merkt, wie manche ihren Charakter ändern, mit dem man dann nicht mehr zusammenarbeiten kann ? Wo fangen wir an zu zählen und wo hören wir auf ? Prof. Lucke erst Cdu jetzt Afd, Oswald Metzger erst Grüner nun Cdu, Otto Schily erst Grüner, dann Spd, Günter Verheugen erst Fdp dann Spd, Oskar Lafontaine erst Spd dann Linker. Jörg Hißnauer erst Fdp dann FW, Ralph Bürger erst Linker dann Spd, Rolf Beyersdorf erst Fdp dann Cdu usw usf. Ganz zu schweigen von den vielen Parteimitgliedern, die lieber sofort austreten, bevor sie wechseln. Ich finde das menschlich und verständlich. Schließlich verändern auch Parteien ihr Gesicht und man fühlt sich nicht mehr vertreten oder die Volksparteien treffen Entscheidungen und verraten ihre Wähler. Spd: Hartz 4, Cdu: Atomkraft, Wehrdienst, Christentum…..Ihr erntet das, was ihr sät. Und wenn ihr mit eurer Politik die Wähler nicht überzeugt, wählen sie andere !

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