Ein eindringliches Gedenken zur Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren

Eine der hochkreativen und mit erkennbarer Durchdringung des Themas geschaffenen Auseinandersetzungsformen, die von den jungen Menschen beim Auschwitz-Gedenken gezeigt wurden. - Fotos: Rudi Bernhardt

Eine der hochkreativen und mit erkennbarer Durchdringung des Themas geschaffenen Auseinandersetzungsformen, die von den jungen Menschen beim Auschwitz-Gedenken gezeigt wurden. – Fotos: Rudi Bernhardt

Unna. Es war eine ungemein bewegende Gedenkstunde an diesem 27. Januar 2015 im Ratssaal des Rathauses. So tief, so intensiv, so stark am Thema arbeitend hatte man selten die jungen Menschen erlebt. Die Peter-Weiss-Gesamtschüler und ihre Mitstreiterinnen lieferten ein multikreatives Pensum ab, an dessen Ende nicht nur Bürgermeister Werner Kolter nahezu die Worte fehlten, um diese Arbeit zu würdigen. Die jungen Frauen und Männer der ersten Unnaer Gesamtschule zeigten in beeindruckender Weise, dass sie keinesfalls gewillt sind, zu denen gehören zu wollen, die nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung den bürokratisch organisierten Massenmord des nazistischen Deutschlands „vergessen“ wollen.

Seitdem der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ausrief, stellen alljährlich Schülerinnen und Schüler einer der weiterführenden Schulen der Stadt jeweils ein individuelles Programm zusammen. Bürgermeister Werner Kolter war es von Beginn an daran gelegen, dass junge Menschen es sein sollten, die diesem Gedenken Inhalt geben mögen.

 

Seither – und ich habe alle Feierstunden miterlebt – reihte sich alljährlich ein Höhepunkt an den anderen. Die Peter-Weiss-Schule war gern eine, die sich selbst und den anderen Mitstreitern Maßstäbe setzte. Dies gelang ihr erneut an diesem Nachmittag.

Ob sie auf dem Wege der Malerei die individuelle Verarbeitung des millionenfachen Grauens angingen. Ob sie musikalisch nahezu meditativ das wunderbare „Wish You Were Here“ von Pink Floyd einsetzten. Ob sie darstellerisch Ausschnitte aus Peter Weiss‘ theatralischer Auseinandersetzung mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess darboten. Oder eindringlich Rio Reiser „Der Traum ist aus“ sangen. Ob sie Irina Bondas rezitierten oder Ausschnitte aus Mo Asumangs filmischer Suche nach den Ariern im Iran abspielten. Alles blieb außerordentlich nah an dem, was sich vor 70 Jahren in Auschwitz ereignete, in Auschwitz, das symbolhaft für das Grauen in ganz Deutschland auf einem ganzen Archipel von Konzentrationslagern steht.

Minutenlanger Applaus dankte es den Akteuren und ihren an der Vorbereitung beteiligten Pädagogen. Die großartigen Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller bedankten sich artig und konnten sich darüber freuen, dass das WDR-Fernsehen festhielt, was sie in den letzten Minuten ihrer Darbietungen zeigten. Es hätte gelohnt, jede Minute dieses Nachmittages festzuhalten.

Beitragsbild: Die Jahrgangsstufe 13 mit Amina Achour, Ursel Antpusat, Ina Auferkamp, Joshua Cabeza, Yasemin Demir, Franziska Drees, Marion Jütte, Julia Kullnat, Sophia Lachauer, Amelie Mehlan, Juri Nowodworski, Hannah Schneider, Sandrine Staender und Levin Weißenberg bei der Kranzniederlegung mit Bürgermeister Werner Kolter und seinem Vertreter Holger Wiese.

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