Gallisch-Grünes Neujahr mit einer bürgermeisterlichen Rede über Jäger-Zäune hinweg

Unna. Die GALlier (nach wie vor ist mir dieses Kürzel für Unnas Grüne das sympathischere), sie begrüßten mit zahlreichen Unnaerinnen und Unnaern bei veganem Büffet, bester Kollektivlaune und am Sachkern ortientierter Kommunikation im Schalander der Lindenbrauerei das neue Jahr. Und ganz nebenbei stilisierten manche den Einladungsauftritt von Bürgermeister Werner Kolter quasi zum „Bewerbungsgespräch“ als akzeptabler Bürgermeisterkandidat auch bei der Partei, die sich gern alternativ beschreibt.

Charlotte Kunert legte die Position der grünen Fraktionsvorsitzenden klar.

Charlotte Kunert legte die Position der grünen Fraktionssprecherin klar.

Nun ist die gute alte GAL, die jetzt grün genannt werden möchte, dafür bekannt, dass sie ein paar relativ kluge Köpfe in ihren Reihen hat. Dieser Umstand macht es auch erklärbar, dass die bunte Schar Politisierter erstmals einen Vertreter einer – wenn man so will – konkurrierenden Partei ein öffentliches Referat während ihrer Neujahrsbegrüßung gönnte. Klug eben, denn damit gab sie Werner Kolter die Gelegenheit, deutliche Worte zum ein paar kratzigen Themenbereichen zu verlieren.

Nun ist der gute amtierende Bürgermeister dafür bekannt, ein kluger Kopf zu sein. Also kann niemand ernsthaft annehmen, dass er ausgerechnet die Auftrittspremiere bei den Grünen, die ich lieber immer noch GALlier nenne, zu nutzen, um diesen vorlaut nach deren Munde zu reden. Wer das so darstellt, hat weder eine gute Meinung von den GALliern noch vom Bürgermeister. Denn, was würden Worte bedeuten, die man sie sozusagen zähneknirschenderweise von sich gibt? Schall und Rauch, sie wären so bindend wie artige Höflichkeiten.

Dorothee Kuckhoff während ihrer Rede. Foto: Grüne Unna

Dorothee Kuckhoff während ihrer Rede. Foto: Grüne Unna

Werner Kolter hätte das, was er sagte, auch an anderer Stelle gesagt. Dass ihm ein mannshoher Jäger-Zaun durch die Landesstelle Massen zutiefst missbehagt, liegt in seiner inhaltlichen Befestigung begründet – er ist eben Sozialdemokrat. Dass er jede erdenkliche und realistische Maßnahme ergreifen will, dem Kulturzentrum Lindenbrauerei wieder ein standsicheres finanzielles Fundament zu geben, liegt an seinem seit langem bekannten Credo zum Wert dieser Einrichtung für die Stadt Unna. Er gehörte zu jenen, die mit Klaus Dunker, Axel Sedlack und Wilhelm Dördelmann gegen manche Widerstände, auch aus den eigenen Reihen, die Pläne, an gleicher Stelle ein REWE-Einkaufszentrum zu errichten, torpedierten und auf dem alten Industriegelände ein unschätzbares Kulturjuwel entstehen ließen. Über diesem ragt heute noch, leuchtend einige Zahlen der Fibonacci-Reihe verkündend (das letzte Meisterwerk von Mario Merz), der Schornstein, der damals abgerissen werden sollte.

Und um das abzurunden: Im Keller gäbe es heute nicht das weltweit einzige Museum, das sich ausschließlich mit Lichtkunst beschäftigt, hätten nicht Karl Ganser und Werner Kolter diesen Gedankenwurf einst während der Internationalen Bauausstellung Emscher Park ausgetüftelt.

Wer also meint meinen zu müssen, der Bürgermeister habe sich „darum beworben“ und deshalb die Themen der GALlier, die sich grün betüncht sehen wollen, behutsam behandelt, der kennt weder die einen noch den anderen.

Im Hellwegeranzeiger wird die Reihenfolge angemessener beschrieben: Mit ihrer Einladung, als „erster Polit-Fremdling“ beim Neujahrsempfang zu sprechen, zeigten die Grünen, zu denen GALlier immer noch besser passt, dass sie in Werner Kolter einen zu Unna passenden Bürgermeister sehen und mit ihm auch zukünftig gut zusammenarbeiten werden. Wie ich es oben schrieb: Unter ihnen sind viele kluge Köpfe, und die sind dazu in der Lage, einen klugen Bürgermeisterkandidaten zu erkennen.

Nun sollte ein wesentlicher Beitrag der gallischen Grünen nicht unter den Schreibtisch fallen. Helmut Scherer, als tapferer Diaspora-Karnevalist nebst Frauke und Dietmar Nowodworski, die in der Massener Straße ein zaubergleiches Wohn-Atelier voller kreativer Augen-Herausforderungen beitreiben, sie wurden heuer ausgezeichnet für ihre bürgerschaftliche Initiative in der Stadt. Laudator Hermann Strahl übertraf sich mal wieder selbst..

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