Sturmlauf der Wirtschaft: Sie ist überrascht, dass der Mindestlohn ihre Rendite drücken könnte

„Wirtschaft läuft Sturm gegen den Mindestlohn“, titelt die BILDende Zeitung besorgt. Und ich frage mich ebenso besorgt: Wer steht Andrea Nahles jetzt bei, wenn schon die Richtlinienkanzlerin vor sich hin menetekelte, dass ja die Halbwertzeit von Gesetzen ihrer Koalition mal eben in Wochen gemessen werden könne, sie allen Ernstes Änderungen alsbald für machbar hält?

Was lehrt uns das? 

Erstens, werden von dieser Koalition manche Gesetze anscheinend nur deshalb verabschiedet, damit der Koalitionspartner für eine Zeit ruhig gestellt wird.

Zweitens, muss nur die sogenannte Wirtschaft (wer auch immer das sein mag, verrät ja niemand) laut zu knurren, schon zappeln die Politikaster unruhig am Haken und beschwichtigen eilends, dass ja alles gar nicht so ernst gemeint gewesen sei.

Drittens, sind Christliche Parteimitglieder bis in die höchsten Regionen offenbar mit der sogenannten Wirtschaft einer Meinung, dass die toitsche Wettbewerbsfähigkeit nur dann erhalten werden kann, wenn breite Schichten der arbeitenden Bevölkerung nur so viel verdienen, dass sie davon die Miete zahlen können. Schließlich kommt die ja auch wieder der Wirtschaft zugute, der Wohnungswirtschaft.

Viertens, können die öffentlichen Hände ja in Form von SGB II-Zahlungen und via Arge ruhig das zahlen, was den sogenannten Aufstockern zum täglichen Leben fehlt, das spart der Wirtschaft schließlich Bares und die Wirtschaft muss bei Laune gehalten werden. Unter dem Strich: Die Kosten der Allgemeinheit sollen herhalten, damit die Wirtschaft das Lächeln nicht verliert.

Nun hege ich ja durchaus Verständnis dafür, dass – nehmen wir das gern angeführte Beispiel Frisiersalon – dass Inhaber von Frisiersalons die Haare zu Berge stehen, wenn sie an zukünftige Kosten denken und bereits das  Waschen, Fönen, Legen um x Prozent erhöhen und die Preistafeln entsprechend korrigieren. Aber haben diese Dienstleister Wirtschaftvereinigungen im Rücken, die harsch die Kanzlerin zur Ordnung rufen können?

Sicher nicht! Mein Vorschlag, dann werden Kanzlerin und die christliche SU ebenso ruhig gestellt wie die christliche DU: Verabschiedet demnächst ein Gesetz, dass jeden Arbeitnehmer dazu verpflichtet, einen Teil seines jeweiligen Arbeitsplatzes selbst zu bezahlen. Und zwar in ansteigender Kurve bis hin zu 50 Prozent (ich meine das Netto-Einkommen natürlich) bei sogenannten Top-Bankern und ebenfalls so toppen Managern.

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