2014: Von wunderbaren Freundschaften über gut vergorenen Blödsinn und „gidas“, die keine Vorsilbe verdienen

Tja, was bleibt von diesem Jahr 2014 wohl übrig? Wird man sich einmal an seinen 12 Monate währenden Verlauf erinnern, wird man sich daran erinnern wollen? Lohnt es überhaupt, dies zu tun? Oder gehört ins dämmernde Vergessen, was uns die zurückliegenden 12 Monate brachten?

Ich beginne mal mit dem Besseren, mit dem eher Privaten. Und da kann ich nur sagen, dass 2014 wieder ein Jahr war, das mir das Glück bescherte, es mit meiner wunderbaren Familie zu verbringen. Es war ein Jahr der Freundschaften, deren enge Befestigung hielt, auch wenn Vieles sich veränderte und ein paar Kilometer zwischen den Freundschaften und mir lagen. Es war auch ein Jahr wiedergefundener Freundschaften, die zwar über Jahrzehnte verschüttet schienen, aber urplötzlich so frisch wie damals waren, aus dem Stand Erinnerungen aus dem Boden hoben, die ähnlich wache Aufmerksamkeit weckten, wie sie es damals vermochten.

Es war auch ein Jahr, in dessen Verlauf sozusagen Bestandsfreundschaften, die schon lange währten, einen ganz anderen und neuen Anlauf nahmen und sich fester fügten als zuvor erahnt werden konnte. Und es war ein Jahr, in dessen Verlauf Freundschaften endeten.

Aber das wäre nun die Überleitung zu den weniger guten Begleiterscheinungen der 12 Monate 2014. Will ich da schon hin? Okay, ich will und grinse mir eins: „Dann hab‘ ich es hinter mir.“

Diesem Jahr war ernsthaft nicht anzumerken, dass es die Menschheit in Nah‘ und Fern‘ mit einem Wolkenbruch der Erkenntnis beglücken wollte. Es wurde eigentlich eher der konsequente Versuch unternommen, noch intensiver als im Jahr zuvor, gut formulierten, aber noch besser vergorenen Blödsinn von sich geben. Und dabei versuchten sich national wie international die prominenten Vertreter und Vertreterinnen der Kaste Machthabender zu übertreffen, als müssten sie die 10 Kilometer Hindernis bei den Olympischen Spielen gewinnen.

Beispiele gefällig? Ehrlich, wollt ihr die lesen? Na gut:

„Mit mir keine Maut“, tönte Kanzlerin Angela Merkel, als sie vor der Wahl zur bayerischen Schnapsidee von Autobahngebühren eigens für „nicht deutsche“ Nutzer der Fernstraßen befragt wurde. Längst puzzlen die wenig inspirierten Ministeriellen im Mobilitätsministerium daran, wie man wohl umsetzen könne, was das ums EU-Recht herum bugsiert werden könnte und insgeheim hat der emsig schäufelnde Hüter der Barschaft die Zusatzeinnahmen berechnet und führt schon die Verteidigunglinien an, um den Soli für die Zukunft zu retten. Zwar weiß keiner mehr, wem der in den Ostländern noch nutzen soll, aber wann hätte es je eine Art der Steuer gegeben, die wirklich total und unwiderruflich abgeschafft worden wäre.

Bankern ist was Neues eingefallen. Ernsthaft fordern manche, dass „Strafzinsen“ erhoben werden müssen, weil der allgemeine Zinssatz so niedrig ist, dass die Ärmsten nix mehr verdienen können. Aha, nun wissen wir es ja. Die Banker können nur dann was, solange das Wetter gut ist. Danach können sie nix mehr und müssen die Kundschaft dafür bestrafen, dass die ihr lästiges Geld auf irgendein Konto legen. Immerhin, es gibt Jahr noch Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die blieben bei Verstand und retten meine Meinung von einem kläglichen Berufsstand.

Wat eine Null, urteilt mensch gerne mal, wenn jemandem schier jeder Tritt nach vorn den Tritt mitten in eine Pfütze bringt. Die Null, zugegebenermaßen die wichtigste aller Ziffern in der arabischen Reihenfolge, die ein gewissen Herr Fibonacci einst aus Nordafrika mitbrachte, eben diese Null ist – natürlich nur, wenn sie in Schwarz gefärbt – das moderne Kalb in Gold, angebetet von bundesregierenden Röhrenblickern. Alles drehte sich um eine schwarze Null in diesem Jahr, Herr Schäuble ließ keinen Zweifel daran, dass er sie so oder so herbei rechnen werde, ob sie will oder nicht. Die Null sei gelobt, ob schwarz, rot, oder grün, Null, du Null aller Nullen. Dir sei alle Vernunft untergeordnet. Hauptsache, Du stehst. Inzwischen weiß zwar keiner mehr so recht, warum das so wichtig ist, aber man betet halt gern im abendländischen Kulturkreis – vor allem an!

Ach ja, und dann hatten wir ja auch noch die „gidas“, bleiben wir der Einfachheit halber mal bei der mit der „Pe“ als Vorsilbe, weil sich ja in nahezu jeder Stadt von Bedeutung oder Unbedeutung so ein Häuflein gründet. Sie sind angetreten, dem bedrohten Abendland Rettung zu bringen. Sie haben zwar keinen Schimmer, was dieses Abendland ist, noch weniger wissen sie um die Bedeutung des Morgenlandes fürs Abendland (die könnten ja ohne letzteres nicht einmal zählen, wie viele von ihnen sich im Dunkel vor der Dresdner Semperoper versammelt haben). Und am allerwenigsten wissen sie, worüber sie eigentlich reden wollen, weil sie das mehrheitlich auch nicht wirklich können. Aber der (oder genauer das) „gida“-Virus grassiert. Letztes Opfer war Matthias Matussek, dem plötzlich vor „gida“-Verständnis die Zügel der deutschen Sprache vollends entglitten. Ich schrieb es ja oben: Bis in den Dezember hinein gab es keine Anzeichen für den milden Regen der erwachenden Erkenntnis.

Wie jedes andere Jahr zuvor war auch 2014 ein Jahr der Abschiede. Einige wenige gingen mir besonders nahe: Siegfried Lanz, er wurde 88. Er half mir während Jugendzeit und der des Heranwachsens wie nur wenige andere dabei, aus dem Blick auf die Vergangenheit in ein Verhältnis zum konstruktiven Aufbau einer Zukunft, die Vergangenes nicht mehr zulässt, zu gelangen. Pete Seeger (94), seine Musik machte mich zuversichtlich, dass die Menschen in den Vereinigten Staaten mehr sein müssen als dummdreiste Imperialisten, die sich durch Vietnam, Grenada oder den Nahen Osten wüten. Dietmar Schönherr (88), der mich lehrte, dass man ein Promi seiner Qualität sein kann und doch gegenströmig unterwegs ist. Und bei Joe Cocker (70) kamen mir einfach die Tränen, als ich mir in memoriam noch mal seine unvergleichliche Version von „With A Little Help From My Friends“ anhörte.

2015, den festen Vorsatz habe ich, will ich wieder mal von Beginn an besser sehen als es vermutlich aussehen wird.

Guten Rutsch allen!

Beitragsbild: Und auch 2015 geht die Suche weiter: Es muss doch noch mehr helle Köpfe geben. – Foto: Rudi Bernhardt

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