Pegida-Kritiker, HJ-Pöbel und Matusseks Blähungen

Matthias Matussek, einst (eine Zeit lang) tapfere und im aufrechten Mainstreamwiderstand befindliche Edelfeder des abendländischen Katholizismus beim SPIEGEL, hat der Wechsel zu Springers WELT nicht wirklich gut getan. Seit er den Sprung in die WELTumspannende Tagespresse wagte, verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass ihm nach diesem Hüpfer zunehmend jede Menge seiner früher gut verknüpften Synapsen abhanden gekommen sind.

Eigentümliche Ansichten schraubt er sich heraus, beispielsweise zum Thema Homosexualität, wird gar von mancher Seite in die direkte Nachbarschaft der Homophobie gerückt, was ich nicht glaube. Er ist zwar katholisch, aber nachgewiesenermaßen alles andere als blöd. Allerdings sucht und findet er an der einen oder anderen Stelle Begründungen für eigentümliche Ansichten zum Thema in der Exegese der Schrift der Schriften und sakramentösen Dogmen.

Sei’s drum, vielleicht habe ich ja auch manches missverstanden. Dass er seit Jüngstem – wie im Medienportal Meedia berichtet, und nicht nur dort – zum Pegida-Versteher mutiert zu sein scheint, macht mich endgültig argwöhnisch. Was hat er wohl eingeworfen? Hat er wieder ein paar Auftritte in den einschlägig einladungswilligen Talkrunden nötig? Muss sein Ego gekost werden, weil er ja immer so angestrengt intellektualisierend als Gegenstromschwimmer besonders exponierte Meinungsblähungen von sich gibt? Fragen über Fragen.

Wirklich zu Pegida nachgedacht hat er wohl doch nicht, wenn denn alle Zitate, die Meedia bringt, stimmen (was ich annehmen muss). Nahezu alle sein Argumente kreisen zum und um den Islam, kurven orientierungsarm und leicht verkrampft auf ein Ziel zu, das da heißt: Wer sich mit dem Islam gemein macht, ist kein Antifaschist, sondern Antisemit. Zitat Matussek: „Allerdings ist der Griff in die antifaschistische Requisitenkammer nur bedingt logisch, denn die Ironie besteht ja darin, dass der kriegerische Islam antisemitisch ist. Er will Israel auslöschen und die Juden gleich mit. So dass diejenigen, die für eine islamische Willkommenskultur streiten, möglicherweise auch eingefleischte Judenhasser gleich mit umarmen. Und mögliche Bombenleger.“

Wie tief Pegida in einer ganz allgemeinen Phobie gegenüber jeder „fremden Erwanderung“ abendländischen Bodens steckt, versäumt der Letztinstanzler unter den deutschen Denkern zu erwähnen. Klar, dafür lädt auch niemand eine notorisch querdenkende Person in den Talk ein. Ich sehe sie schon: Thilo Sarazzin und Matthias Matussek bei „Hart, aber fair“ in gegenseitiger Zustimmung plaudernd darüber, wer sich wohl als erster abgeschafft haben wird.

Okay, bin ich also auch einer von den „HJ-Pöbel“ (Meedia-Zitat, Matthias Matussek).

Ach, und was Pegida mit diesem Punkt 17 des offiziellen, auf facebook veröffentlichtem Positionspapieres zur Rettung des christlich-jüdischen Abendlandes beitragen will, erschließt sich mir auch nicht ganz. “17. PEGIDA ist GEGEN dieses wahnwitzige ‘Gender Mainstreaming’, auch oft ‚Genderisierung‘ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!”

2 comments for “Pegida-Kritiker, HJ-Pöbel und Matusseks Blähungen

  1. Gassenreh
    2. Januar 2015 at 13:59

    Ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder scheint Gender Mainstreaming schon zu sein. Zum Beispiel das Negieren bedeutsamer und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig wird. Vergessen der für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung infolge des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten im Mutterleib (Muttersprache nicht Vatersprache!). Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4]

    • 2. Januar 2015 at 16:58

      Liebes Gassenreh, ich sehe sehr wohl die von Ihnen geschilderten negativen Folgen eines verwirrten und bisweilen kontraproduktiv übertriebenen Gender Mainstreamings. Allerdings bezweifle ich ernsthaft, dass auch nur ein Pegidist sich durch derlei Erkienntnisse leiten ließ, als er die Verundeutschung der toitschen Sprache durch Genderismen beklagte und zur Abhilfe den Punkt 17 in die Positionsbeschreibungen einfügte. Lieben Dank für den konstruktiven Beitrag und die aufmerksame Lektüre. Gruß, Rudi Bernhardt.

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