Werner Kern ist tot: Er war der unangefochtene Dirigent seines Dezernates

Unna/Fröndenberg. Werner Kern, ehemals Sozialdezernent der Stadt Unna, starb im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit. Nur wenige vermochten so unangefochten ihren Fachbereich dirigieren, einen, der von Jahr zu Jahr immer schwieriger und immer wichtiger wurde. Er war vorausschauend, er blieb felsenfest, wenn er überzeugt war, er war ein zuverlässiger Freund, der schier allgegenwärtige, sachverständige Vorgesetzte und Kollege  und stets hilfsbereite Ratgeber, wenn er um seine Meinung zu den komplexen Themen der kommunalen Sozialpolitik gefragt wurde.

„Stand es in der Zeitung oder war da was dran?“ „Regt Euch nicht auf, morgen wird darin der Fisch eingewickelt!“ „Räte können kommen und gehen, die Verwaltung bleibt!“ Zitate von Werner Kern, die er gern in die Dezernentenrunde streute, wenn sich die Kollegenschaft über Kommentare oder Berichte in den damaligen Unnaer Leitmedien echauffierte, oder über die Hilflosigkeit mancher Politiker maulte. Sein freundliches Lächeln und der gutherzige Bass seiner Stimme rahmten Feststellungen dieser Art ein. Sie verliehen der grantelnd wirkenden Kritik dann aber auch den Herzenshumor, der sie für die Adressaten wieder verletzungsfrei aufnahmefähig machte.

In Unna begann er 1975 bei der Stadtverwaltung – als Jugendpfleger. Bereits 1979 übernahm er die Leitung des Jugendamtes. Schließlich wurde er bis zum Ausscheiden aus dem Dienst bei der Stadt Unna im Jahr 2002 Sozialdezernent.

Allerdings war er immer auch Politiker. Den ehrenamtlichen Job erledigte er im benachbarten Fröndenberg, wo Willi Demmer Bürgermeister war – auch einer aus dem Unnaer Sozialamt. Willi Demmer (SPD), Christa Büscher (CDU) und als erster hauptamtlicher Bürgermeister Egon Krause (SPD), sie sah er kommen und auch gehen. Werner Kern blieb, bis 2004. Dann beschloss er, dass es mit 20 Jahren Ratsarbeit gut sei. 17 Jahre dieser zwei Dekaden war er Fraktionsvorsitzender der SPD.

Das behagliche Frömern war seine Heimat. Reisen, vorzugsweise an Orte mit Geschichte, seine Leidenschaft. Denn die Geschichte riss sein ungeteiltes Interesse stets zu sich. Ein schier enzyklopädisches Wissen zeichnete ihn aus.

Und wer ganz genau hinhört, der fängt noch heute das Echo von Werner Kerns Stimme in der Bürgerhalle des Rathauses in Unna ein, wenn der mit gehöriger Strenge einen Besucher zur Ordnung rief, der sich anschickte, sich völlig daneben zu benehmen.

Noch im  Mai dieses Jahres 2014 klönten wir von „den besseren alten Zeiten“. Da bekam sein Enkel Kiron, der allerdings den historischen Moment verschlief, das Parteibuch als jüngstes Mitglied der Unnaer SPD. Wie immer funkelten seine Augen listig, leicht amüsiert. Wie immer dröhnte seine beruhigende Stimme, wie immer fiel der eine oder andere kluge Spruch zum aktuellen Geschehen. Werner war ein Phänomen im besten Sinne, der zwei Kommunen mit Leidenschaft zu Diensten war. Und alle, die ihn kannten, trauern um einen großen (im wahren Wortsinne) Menschen.

Beitragsbild: Das war noch im Mai 2014: Der kleine Kiron schläft friedlich. Mutter Marina-Maria, Opa Werner Kern und Papa Jan begrüßen ihn mit dem ehemaligen Europabgeordneten Bernhard Rapkay (hinten) als jüngstes Mitglied der Unnaer SPD. – Foto: Rudi Bernhardt

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