Deutsch können, das heißt erstmal etwas über die Sprache Deutsch zu wissen

von Franco Rest

Überall. Wer von „Neubürgern“ verlangt, dass sie die „Deutsche Sprache“ beherrschen, sollte diese Sprache zunächst einmal selbst besser kennenlernen. Da ist z.B. der Einfluss arabischer Sprachen (Arabismen) vor allem auf  die deutsche Hochsprache. Das ist einigen Menschen durchaus bekannt, aber vielleicht nicht allen. Die Namen vieler Fixsterne stammen aus dem Arabischen und außerdem mindestens folgende Begriffe: Admiral, Algebra, Algorithmus, Alkohol, Almanach, Arsenal, Artischoke, Azur, Beduine, Borretsch, Chemie, Chiffre, Elixier, Giraffe, Haschisch, Havarie, Kadi, Karaffe, Kismet, Laute, Makaber, Makramee, Magazin, Matratze, Mokka, Monsun, Razzia, Safari, Safran, Sahara, Schachmatt, Sofa, Tamarinde, Tarif, Theodolit, Wega, Zenit, Ziffer, Zucker.

Weniger bekannt sind allerdings die Einflüsse von Hebraismen / Judaismen und des Yiddischen auf die deutsche Alltagssprache, insbesondere auf viele Dialekte (wie auf „Masematte“ oder „Rotwelsch“) und auf die sogenannte „Ganovensprache“[1]. Dieser Thematik möchte ich in der folgenden Liste nachgehen. Vielleicht kennen einige Leserinnen und Leser weitere Beispiele; dann wäre ich für eine entsprechende Mitteilung dankbar.

Gebräuchliches Deutsches Wort Yiddisch-jüdische Herkunft
abnibbeln nawoll = welken
Abrakadabra awra kad(het) awra = Vorüber ist das Fieber, vorüber
achilen (essen) / acheln (arbeiten) achlen, auchlen = essen
Adamsapfel tapuach adam = Apfelstück im Hals von Adam
Affen (Klammeraffe) afo = backen
Amen Wahrhaftig, so sei es
aufmotzen mutz = Spreu (vom Weizen)
ausbaldowern baal = Gott der Kanaaniter + dawar = Sache, Wort
Baldover, baldovern (Mann mit vielen Worten) baal = Mann mit besonderen Eigenschaften + dover = Worte
Bammel baal = grausamer Gott  (oder einfach „Mann“) + ejma = Angst
Bartel barsel = Eisen, Brechstange
belämmert be’li emor = sprachlos
beschickert schikur = Trunk, Trank
beschucken  / beschummeln schuck = Geldstück
beseibeln (betrügen) sewel = Kot, Scheiße
betucht batuach, batuah = sicher, vertrauenswürdig
blau (blauer Montag) b’lo / b’law = mit nichts, ohne ihn
Bohai (machen) paihe = Lärm
Bowel / Powel (Kaufrausch) bawel = Durcheinander
Burg, Bürger bajis = Haus
Cholera chole = krank + ra = schlimm, schlecht
Chuzpe chuzpe = Unverschämtheit
Daffke dawka = so und nicht anders
Dalles haben dallut = Armut
dibbern / bedibbert dibba = sprechen
Dolmetscher /Tolmendscher  talmud = einer, der in jeder Situation ein Zitat aus dem Talmud hat
doof (doof bleibt doof) dow = Bär (Tollpatsch)
Dufte / tofte tow, toff = gut
Eden, Garten eden = Wonne
einseifen sewel = Dreck
flöten gehen (vgl. pleite) plejta = entrinnen, entkommen
Fratze parzuf = Gesicht
Ganove / Gauner ganaf = Dieb / stehlen
Gaul (kranker) chaule (chole) = krank
Gauner jawan = Griechenland / Jonien (denen wurde vor allem Falschspielerei nachgesagt)
gekocht (ausgekocht) chacham, chochem = klug
geschlaucht  / geschafft schlacha = zu Boden werfen
Goi (Nichtjude) goi kadosch tihju li = ein heiliges Volk sollt ihr sein (also: gläubiger Jude)
großkotzig kozin = vornehm, reich / qazin = Anführer
haarig harog = getötet, tot
Halleluja Lobet Gott mit Lobgesängen
Hals- und Beinbruch hazlacha we beracha (hazlache uwracha) = Glück und Segen
Hechtsuppe (es zieht) hech supha = starker Wind (umstritten)
Ische ischa = Frau
Jehowa JHWH = Jahwe (Gott)
jovel, jofel (gut) jophe = schön
Jubel jobel = Schall des Widerhorns
Jubeljahre , Jubiläum joval = schreien, jubeln
kabbeln kabal = sich gegenüber stehen, zanken
Kaff (Kuhkaff) kefar = Dorf
Kapores (gehen) = kaputt Kaparot / schuggen kapores = Brauch zu Jom Kippur (Hühner opfern)
Kasper (kaspern) kassow = lügen
Kassiber ketiva / kessivo = Geschriebenes
kess chet / chess = weise, kundig
Keilof / kleffen kelew = Hund / kelowim = Hunde
Kies (Geld) kiss = Tasche (Geldbeutel)
Klafte (keifige Frau), siehe auch: kläffen kelef = Hund
Kluft (Kleidung) qelippä = Schale, Rinde
Knacks, Knast knass = Strafe
Kohl reden qool = Gerücht
Kombüse kübbo = Kammer, Zelt
koscher kascher = rein
kotzen kuz / qoz = sich ekeln / Ekel
Koten (kleines Kind) koton = klein
lau, Laumachen, Laumann lo, lau = nichts, ohne, nein
Lukas (hau den Lukas) luchoss = Tafel (die getroffen werden muss)
Macke, meckern maka = Schlag
Maloche malacha / malat = Arbeit
Masel masal =Lohn / Glück
mauscheln, Mauschelei, Gemauschel moschal = (schlechtes) Beispiel / vgl. auch „meschugge“ = verrückt
Menetekel mene + tekel + ufarim = gezählt + gewogen + geteilt
meschugge Meschuga = verrückt, wahnsinnig
Messias maschiach = Gesalbter
miese, Miesepeter miuss = Ekel
Minna (grüne Minna) meanne = bedrängend
Mischpoke mischpacha = Familie
mogeln ma’ol = betrügen
Moloch = Großstadt Ein Gott, der menschliche Feueropfer verlangt
Moos moes = Kleingeld
Mumpitz mum = Fehler
Nassauer (ohne Geld etwas bekommen) nasson = geben
nebbich (Pech gehabt) Jiddisch = Nachsicht
Newes (Bauch) nephesch = Seele, Leben
Ölgötze eiljon = Gott, der nicht antwortet
Paradies pardess = eingezäunt (Garten)
Pech (Pech gehabt) pachot = schadhaft
Penner pina = Ecke, Winkel
Penunze parnosse = Einkommen
Pinke (feiner Pinkel) pinkas = Konto
pisacken pisseach = lahmen
PleitePleitegeier pelita / pleta = bankrott / Fluchtplajte gajen = auf die Flucht gehen (aus dem „Geher“ wird ein „Geier)
Ramsch ramo / ramaut = betrügen / Betrug
rau (in rauer Menge) raw = viel
Reibach rebbach (rewah) = Profit
Rutsch (Guten Rutsch) rosch = erster Tag des Jahres, Neubeginn
Satan satan = Verhinderer, Verführer
Sauregurkenzeit zorot jerakot = Sorgen um die Teuerung
schachern sachor = unlauter handeln
schäkern cheik = der Schoß (auf den Schoß nehmen)
schicker (sein) / Schickermann schikkor = betrunken
Schickse schikse = Gaul, unreines (verwendet für ein „Christenmädchen“)
Schlamassel masel = Glück + sch’lo = schlecht
schleimen / einschleimen schelem = Dank / schalmon = bestechen
Schlemihl she-lu-nu-el = Taugenichts, Pechvogel
schmieren, Schmiere (stehen), geschmiert schomer / schomre / schmira = Hüter, Wächter / Wache
Schmieren(theater) zimrah = Gesang
Schmus / Schmoo schamuess = Gehörte Tacheles
schmusen schmuo = Gehörtes, Gerücht
schnorren Von einem Instrument, der Schnarre, mit dem Bettelmusikanten durchs Land zogen
schofel schafel / schophol = schäbig, niedrig, schlecht
Schote (eine Schote erzählen) schote = Narr
Stuss (reden) sch’tus = Torheit, Unsinn
Seeger / Segerling se goi = Nichtjude
Tacheles tachliss = Zweck, Ziel
Techtelmechtel tachti  / tachtl = heimlich (wird zur Verstärkung wiederholt = tachtltachtl
Tinnef tinuf = schlechte Qualität, Dreck
tippeln, Tippelbruder tipol = fallen / tafof = sich schnell bewegen
Tohuwabohu tohuwabohu = Wirrwarr, Durcheinander
verkohlen (betrügen) kol = Stimme (ein Wortstreich)
versimsen siman = ein gesetztes Zeichen
Vogel (du hast einen Vogel) we’ukal = verdreht (verrückt)
zocken sachek = spielen, lachen
zocken (Glücksspiel) sachok = Spiel / lizchok = Spielen
Zoff zoff / sa’af = Schluss, Ende
Zoff (Machen) ssof = Ende, Schluss
Zores (machen) zorres / zarot = Sorgen, Kummer
Zossen (Pferd) ssus = Pferd

[1] Vgl.  Andreas Nachama, Jiddisch im Berliner Jargon – oder Hebräische Sprachelemente im deutschen Wortschatz. Stapp-Verlag: Berlin 2000 (Transskriptionen nach dem Jüdischen Lexikon, Berlin)

Prof. Dr. Franco Rest (geboren 20. August 1942 in Ferrara, Italien); Erziehungswissenschaftler, Philosoph, Theologe; Sterbebeistands- und Ethikforscher; Pflegewissenschaftler; seit 1972 Hochschullehrer mit über 300 Publikationen. Für die Verdienste um seine ehrenamtliche Arbeit (u. a. als Mitbegründer der Hospizbewegung in Deutschland, als Vorstandsmitglied der "Aktion Mehr Menschlichkeit in Krankenhaus und Praxis", Düsseldorf, und als Direktor der Dietrich Oppenberg Akademie für hospizliche Bildung und Kultur, Wuppertal) 2006 Landesverdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen; 2006 Forschungspreis der Fachhochschule (University of applied sciences) Dortmund für die Hospizforschung. Seit 2003 auch als Schriftsteller, Dichter und Poesietherapeut tätig.

Prof. Dr. Franco Rest (geboren 20. August 1942 in Ferrara, Italien); Erziehungswissenschaftler, Philosoph, Theologe; Sterbebeistands- und Ethikforscher; Pflegewissenschaftler; seit 1972 Hochschullehrer mit über 300 Publikationen. Für die Verdienste um seine ehrenamtliche Arbeit (u. a. als Mitbegründer der Hospizbewegung in Deutschland, als Vorstandsmitglied der „Aktion Mehr Menschlichkeit in Krankenhaus und Praxis“, Düsseldorf, und als Direktor der Dietrich Oppenberg Akademie für hospizliche Bildung und Kultur, Wuppertal) 2006 Landesverdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen; 2006 Forschungspreis der Fachhochschule (University of applied sciences) Dortmund für die Hospizforschung. Seit 2003 auch als Schriftsteller, Dichter und Poesietherapeut tätig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.