Arbeitsmarkt im Kreis: Der Bund kann helfen, aber will der das auch?

Kreis Unna. Zu einem Fachgespräch über die Arbeitsmarktpolitik im Kreis Unna hatte am Mittwoch erneut der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek eingeladen. Kaczmarek pflegt diesen Dialog seit Beginn seiner Mitgliedschaft im Bundestag und führt dabei die Akteure in der Arbeitsmarktpolitik im Kreis Unna zusammen. Als Gesprächspartner hatte er dieses Mal den Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Thorben Albrecht, eingeladen. Gefolgt waren der Einladung in das Haus der Werkstatt im Kreis Unna etwa 30 Vertreter von Räten und Verwaltungen, Bildungsträgern, Gewerkschaften, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Berufskollegs, Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit und Wirtschaftsförderer.

Staatssekretär Albrecht stellte die Überlegungen des Bundesarbeitsministeriums zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit vor. Diese dürften nicht nur auf ihre Defizite reduziert werden. Man müsse auch die Stärken und Kompetenzen der Menschen in den Blick nehmen. Die Bundesregierung nehme daher verschiedene Instrumente in die Hand.

Mit der Durchleitung von europäischen Fördermitteln einerseits sollen Langzeitarbeitslose mit den entsprechenden Voraussetzungen nach einer sozialpädagogisch begleiteten Gewöhnung und Einarbeitung in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Darüber hinaus wolle man andererseits die Themenbereiche Gesundheitsförderung, Rehabilitation und Prävention in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunen sinnvoll für Langzeitarbeitslose verknüpfen.

Besonderes Interesse fand in der Runde ein Programm zur sozialen Teilhabe, mit dem bis zu 10.000 Langzeitarbeitslose, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt einmünden könnten, in sozialversicherungspflichtige, in der Regel öffentliche Beschäftigung vermittelt werden können. Die Runde war sich einig, dass man damit einen wichtigen und richtigen Schritt gehe, aber bei der Zielzahl von 10.000 bundesweit noch weit unter dem Bedarf läge.

Der stellvertretende Landrat und Vorsitzende der Trägerversammlung des Jobcenters, Martin Wiggermann, stellte die Situation im Kreis Unna vor und betonte die Ziele des Jobcenters. Übereinstimmung gab es bei der besonderen Initiative für Langzeitarbeitslose. Martin Wiggermann stellte heraus, dass der Kreis Unna in dieser Frage seit den 90er Jahren über Erfahrungen und Akteure verfüge. Man wisse, was notwendig und sinnvoll für die Menschen sei, aber man brauche gerade hier im Ruhrgebiet die Hilfe des Bundes, um die Probleme angehen zu können.

Darüber hinaus stellte Wiggermann die Überlegungen des Jobcenters vor, psychisch kranke Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen durch Mitarbeiter des Jobcenters zu betreuen und zu begleiten. Man wolle bis in die Begleitung der alltäglichen Lebensumstände gehen, um feste Strukturen und Regeln für den Eintritt in die Erwerbsarbeit zu schaffen. Damit wolle man im Kreis neben dem Ziel der Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit auch Jugendlichen in kritischen Lebenslagen helfen, ganz nach dem Motto „Keinen Jugendlichen zurücklassen“.

Oliver Kaczmarek zog ein zufriedenes Fazit der Veranstaltung: „Wir haben mit dem Staatssekretär über die Probleme in der Region gesprochen und ein Bewusstsein dafür wecken können, dass der Kreis Unna ähnliche Probleme wie die Großstädte im Ruhrgebiet hat und deshalb genauso intensive Förderung benötigt.“ Mit der Initiative des Jobcenters, die Zielgruppe der psychisch kranken Jugendarbeitslosen in ein gesondertes und betreuungsintensives Programm zu übernehmen, betrete man Neuland. Gemeinsam habe man beschlossen, die Initiative weiter auszuformulieren und dem Bundesarbeitsministerium dann vorzulegen. Albrecht sagte zu, darüber im Gespräch bleiben zu wollen.

Für das Frühjahr hat Oliver Kaczmarek dann die Arbeitsministerin Andrea Nahles selbst in seinen Wahlkreis eingeladen. Dann wolle man mit den vorgelegten Initiativen schon einen Schritt weiter sein und die Ministerin ebenfalls sensibilisieren für die Belange des Kreises Unna. „Mit dem Kümmern um Langzeitarbeitslose verfolgen wir zwei Ziele: wir wollen dem Fachkräftemangel weiter vorbeugen und wir wollen, dass niemand für immer am Rand stehen muss und die faire Chance auf einen Arbeitsplatz erhält. Vor uns liegt viel Arbeit“, so der SPD-Bundestagsabgeordnete.

 

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