Das Armageddon, die demokratische Eiszeit: Thüringen hat ’nen linken Präsiden

Nun sitze ich hier und warte darauf, dass sich was verändert. Die ultimative Katastrophe der deutschen Demokratie ist doch heute Morgen über unser Land hereingebrochen, das Unglaubliche, nein Unglaublichste seit Kriegsende. Etwas nie Dagewesenes, nie für möglich Gehaltenes: In Thüringen wurde ein Ministerpräsident gewählt, der der LINKEN angehört. Das Armageddon ist angebrochen.

Liest mensch manche Kommentare im Netz, glaubt mensch alles, was derzeit die demokratisch BILDungsbeauftragten Medien headlinen, dann war’s das mit dem seit fast 70 Jahren  zaghaft keimenden Hälmchen Demokratie in diesem unserem Lande. Dann ist sie da, die Sintflut der roten Bedrohung, dann ist es schlingend da, das schwarze Loch der Freiheits-Feinde im inneren Deutschlands. Nix mehr mit der sommerlichen Balearen-Tour im nächsten Jahr, nix mehr mit Balaton-Party, vorbei der längst vollendete Mauerabriss, die wird jetzt wieder aufgebaut – vielleicht in Grenznähe zu Sachsen?

Anstatt sich mal zu fragen, warum nach 25 lauthals gepriesener Regierungsjahre der christlichen Demokratie das Bundesland einen Wechsel wollte, warum ausgerechnet dort, wo ein schnöder Wessie die Wege der LINKEN weist und die noch wählbarer erschienen lässt als in den übrigen FNB (na ja, neu ist was anderes) dieser Erfolg erzielt wurde, anstatt sich zu fragen, ob man selbst als CDU mit Tricksern wie Mike Mohring die richtigen Personalangebote macht, anstatt sich so was mal zu fragen bejammert die Blockflöten freie CDU ein erbärmliches Schicksal: „Nach 25 Jahren sind die SED-Nachfolger wieder dran!“

Die CDU war damals fixer. Sie erklärte alle Blockflötisten hurtig zu reinstblütigen Demokraten und schuf im bestfunktionierenden Parteisystem Ost Mehrheiten, die für unumstößlich gehalten wurden. Die Blockparteigänger waren in fast allen Bereichen schon in der „Stunde Null“ wieder an den Hebeln und wirkten demokratisch weiter, als hätte niemand unter ihnen jemals dem Aufbau des Frieden stiftenden Sozialismus zugejubelt. Und ich sehe noch die traurigen Augen der Mitglieder der frisch wieder gegründeten SPD: Während sie noch emsig bastelten, um an Organisationsstrukturen zu gelangen, saßen die CDUler schon längst in fertig eingerichteten Parteibüros. Meist in denen, die sie schon zu vorwendischen Zeiten bevölkerten.

Und ich sitze hier, es ist Abend geworden. Bodo Ramelow ist immer noch linker Ministerpräsident in Thüringen, und nichts hat sich verändert. Merkwürdig.

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