SPD-Hagen: Manche treten aus, andere werden raus getreten

Hagen. Lieber Himmel: Als habe eine ehrwürdige und durchaus aufgrund ihrer Leistungen in der Vergangenheit hochverdiente SPD in einer Stadt wie Hagen zu wenig zu tun, zu wenig Sorgen um die finanzielle Zukunft ihrer Stadt, sich zu wenig Gedanken machen zu müssen, wie es weiter geht – für die Menschen in Hagen. Selbstbeschäftigung ist anscheinend immer dann angesagt, wenn gerade mal Ruhe ins Parteigefüge gekommen zu sein scheint. Dann machen die Sozialdemokraten gern Schlagzeilen. Aber nicht mit damit, dass sie keck den Berliner Großkoalitionären in Erinnerung riefen, wie man sein Hilfsversprechen gegenüber den schwächelnden Kommunen zeitnah einlöst. Nö, sie sorgen für Headlines damit, dass sie Ordnungsverfahren gegen zwei ihrer Mitglieder eingeleitet haben. Heldenhaft! Oder? Haben ja genug davon, wie sie unlängst zukunftsgemut kundtaten, größte Partei dieser Stadt, die sie sind.

Ja, es ist keineswegs den Statuten konform, wenn ein SPD-Mitglied unmissverständlich jemanden unterstützt, der nie oder nicht mehr dieser Partei angehört und für ein öffentliches Amt kandidiert. Ja, das darf ein jeder und eine jede, die das stört, kritisch anmerken. Ja, das darf ein kluger Parteivorsitzender auch mit energischem Ordnungsruf innerparteilich beantworten. 

Aber nein, niemand, auch kein Statut und auch keine übergeordnete Kontrollbehörde, also so was wie eine sozialdemokratische Kommunalaufsicht, niemand zwingt eine Parteigliederung zum offiziellen Verfahren. Nein, niemand würde einem Vorstand sein Mandat entziehen, wenn er gütlich versuchte meinungsverschiedenen Mitgliedern den Weg auf den steinigen Trampelpfad der Solidarität zu wen. Und nein, es ist kein Zeichen führender Kraft, wenn man  muskelbepackt mit dem Statut um sich haut, als wolle man Meisterehren im Hammerwurf erringen.

Sigmar Gabriel zuckte seinerzeit mit den Schultern, als er befragt wurde, ob denn nicht gegen Wolfgang Clement ein Ordnungsverfahren mit dem Ziel des Ausschlusses eingeleitet werden müsse. Seine lakonische Antwort: „Würden wir jeden ausschließen, der dummes Zeug erzählt, wären wir bald sehr einsam.“ Thilo Sarrazin erzählt bis heute dummes Zeug, zeigt auch nicht zwingend, dass es ihm bald mental besser ginge. Aber er ist nach wie vor in der Partei.

Und das mit gutem Grund. Nur damit keine Irrtümer keimen: Ich kann weder Thilo Sarrazin gut leiden, noch teile ich seine Ansichten. Aber ich zitiere auch hier den Bundesvorsitzenden.

Manche, das wird auch an einer Stelle angemerkt, seien ja schon vorsorglich ausgetreten, weil sie wie im Falle der nun parteiordnungsbedrohten Sozen des heutigen Oberbürgermeisters Kandidatur unterstützt hätten. Andere traten schon vor geraumer Zeit aus.

Warum höre und lese ich so oft von Austritten? Warum lese ich jetzt von Rauswurfversuchen? Klar, solche Ereignisse gibt es überall mal. Traurig genug. Und vielleicht fällt mir die Häufung hier nur aus einer Überempfindlichkeit heraus auf. Ich bezweifle aber ernsthaft, dass nach solchen Meldungen eine unüberschaubare Welle neuer Eintritte folgen wird.

Die SPD bleibt immer da stark, wo sie geschlossen auftritt. Und Hagen braucht auch in Zukunft eine starke SPD.

Beitragsbild: Sigmar Gabriel – er sagte mal, anlässlicher der Diskussion um Wolfgang Clement: „Würden wir jeden ausschließen, der dummes Zeug erzählt, wären wir bald sehr einsam.“ – Foto: Rudi Bernhardt

1 comment for “SPD-Hagen: Manche treten aus, andere werden raus getreten

  1. 27. November 2014 at 20:39

    Sehr schön, Rudi.

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