Oh Weh‘, aus siechen Sesseln setzte es das Ende einer Satzung

Das kann nur gefallen: 100000 Euro für neues Mobiliar im Ratssaal werden eingefroren; zwar nicht aus dem Haushalt gestrichen, aber erstmal auch nicht ausgegeben.

Das wird die strukturell unterfinanzierte Stadt Unna auch nicht in dauerhaft schwarze Zahlen bringen, die von unserem famosen Finanzminister so unerschütterlich volkswirtschaftlich unsinnig angebetet werden. Aber ein sympathisches Zeichen stellt die mehrheitliche Unterstützung eines Antrags der Grünen dar: Ratsherren und -frauen sind der Ansicht, dass sie auf über zwei Jahrzehnte alten Sesseln ausreichend bequem Platz nehmen können, wenn sie aufmerksam Sitzungen des Rates und seiner Ausschüsse verfolgen.

Unnas dickster Baum, eine Platane, wird auch weiter stehen bleiben. Bis er denn zu alt werden wird. - Foto: Stadt Unna

Unnas dickster Baum, eine Platane, wird auch weiter stehen bleiben. Bis er denn zu alt werden wird. – Foto: Stadt Unna

Ebenso wenig bringt es Unnas Finanzen in gipfelstürmende Wallung, dass sie nun endlich in der rund 30 Jahre währenden Form vom Tisch ist: die bürgerbevormundende, die freiheitbehindernde, die bestandsvernichtende Baumschutzsatzung. Alle Jahre wieder, bisweilen zweimal innerhalb der 12 Monate, meinten die bekannten parteilichen Sammelbecken der Mündigbürger, der Baumbestandsschützer, der Bürgerfreiheitsbewahrer ihre stets gleichlautenden Anträge stellen zu müssen: Weg mit der Satzung!

Das war zwar weder besonders abwechslungsreich noch war es aufregend, der sich jeweils anschließenden Debatte stellen zu müssen, ob wohl die eine oder andere Seite ideologisch im Recht sei. Um es deutlich zu sagen: Keine hatte ideologisch recht, denn ideologisch kann niemand recht haben. Wäre mir zumindest neu. 

Die Baumschutzsatzung war in ihrer Form in den 1980er Jahren befestigt. Sie war damals ein wertvolles Instrument, den Grünbestand in der Stadt zu bewahren. Genau betrachtet schützte sie am Ende aber nur noch Bäume, die sich ohnehin in städtischem Besitz befanden; und sie musste oft genug mit ihrem Regelwerk sich den Argumenten beugen, die begründet dafür gefunden wurden, dass der eine oder andere Baum fallen musste. Dafür musste dann aber auch Ersatz gepflanzt werden. Und so wird es auch bleiben, denn dazu ist die Stadt verpflichtet, und vorher werden Fällaktionen in den Ratsgremien weiter besprochen.

Nun wird aber den wenigen Privatleuten, die in ihren Gärten ein Gehölz beseitigen wollen, theoretisch nicht mehr drein geredet. Nun wird nicht mehr jedes Jahr das selbe Spiel angepfiffen, zwischen den üblen Abholzern und den gutartigen Stammhaltern. Nun gibt es nicht mehr den alljährlichen Ringkampf mit der Wiederholung ermüdender Argumente um das Für und Wider.

Um nicht missverstanden zu werden: Mir ist es gleichgültig, ob es diese Satzung weiter gibt oder sie dahinscheidet. Ich argwöhne auch nicht, dass nun alle Grundbesitzer durch ihre Gärten trüffeln und nach fällbaren Stämmen fahnden. Und sollten die Einsparungen aus dem „ultimativen Abschied von schützenswerten Laubgewächsen“ tatsächlich ein paar Euro bringen, die besser ausgegeben werden könnten, dann sei’s mir auch recht. SPD-Fraktionsvorsitzender Volker König hat es so ziemlich getroffen: Unna hat ausreichend Belege dafür gesammelt, auch von außen bestätigt, dass es ernst meine mit lokalem Klimaschutz, es braucht dazu kein Festhalten an paläolithischen Symbolsatzungen zum Baumschutz.

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