Abschied von Michael Hoffmann

Es treibt mich ja kein Zwang zur Aktualität. Niemand stellt mir die Frage, wo ich denn bloß war. Ich war gestern, am 4. November 2014, auf dem Südfriedhof, mit vielen anderen aus Unna und seiner Umgebung zu meinem letzten Termin mit Michael Hoffmann. Und nein, ich habe nicht fotografiert dort, um zu dokumentieren, wie stadtumfassend die Anteilnahme war.

Der zur Vollständigkeit neigende Querschnitt der Menschen aus seiner Heimatstadt, die beim Abschied von Michael anwesend sein wollten, war Beleg dafür, dass er zu Lebzeiten keinen Kontakt vermied, keinem Gespräch auswich, kein „Hallo“ ausließ und und Nähe suchte, wo immer sie sie fand. Ich schüttelte nie so vielen Begegnungen, Bekannten, gemeinsamen Freunden und Weggefährten die Hand wie zu Anlass des Abschieds.

„Schnuffi“ Hartmann, der vor 40 Jahren nachts den „Bajazzo“ unter dem Fenster von Anton Moenikes (damals CDU-Ratsmitglied) sang und damit gegen dessen Widerstand gegen das Jugendzentrum an der Massener Straße protestierte, er trollte unverwechselbar über den Vorplatz der Trauerhalle. Erika Merz und Ernst Thomas, in deren Landhaus Ententeich in Kessebüren zahllose informative und gesellige Termine stattfanden, die Michael und ich gemeinsam besuchten. Charlie Weisgerber, ehemaliger Ortsbürgermeister in Enkirch knurrte fast ärgerlich über das Luder Leben und dessen Ungerechtigkeit. Zum Stadtfest hatten sie noch auf dem Kirchplatz einen Moselwein getrunken. Hermann Mehner (SPD-Vorsitzender in Döbeln) und Axel Buschmann (dort ehemaliger Bürgermeister während der großen Flut) waren aus Sachsen angereist. „Er sagte immer, dass wir das schon regeln“, zitierte Hermann ihn skizzierend.

Willi Grewe, erster Leiter des Ratsbüros, Stadthallen- und später Bäder- und Eishallenchef, Falkenfreunde wie Andy Koch, Heinz Fischmann und Hans Jürgen Plag, den sie nur „Plaggi“ nennen, Bürgermeister Hermann Hupe (Kamen) oder Fritz Rebbe (Fröndenberg), SPD-Legenden wie Uwe Bastert – sie alle standen mit zahllosen anderen draußen, weil die Trauerhalle selbst schon längst ihr Fassungsvermögen überschritten hatte.

Der Niesel des trüben Novembertages nahm noch einmal Anlauf, als Jens Hebebrand und Rolf Stöckel ihre Worte des Gedenkens formulierten, die über den Vorplatz klangen. Und zur liebenswert-heiteren Melodie des Unna-Liedes fuhr Michael Hoffmann zur Ruhe.

Fayyaz Sahi, der von der Brasserie, erzählte mir mit traurigen Augen: „Das ist für mich ein großer, großer Verlust. Er war mein erster Kontakt, als ich vor 19 Jahren nach Unna kam. Und den Kontakt hielten wir auch in meiner Kamener Zeit aufrecht!“

Beitragsbild: Michael Hoffmanns gewohnter Platz im Ratssaal. Während der letzten Sitzung der SPD-Fraktion stand dort ihm zu Gedenken ein Gebinde.

 

 

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