Es ist unwirklich: Michael Hoffmann lebt nicht mehr

Unna. Michael Hoffmann lebt nicht mehr. Glauben kann ich nicht, was ich unüberhörbar erfahre. Wahrhaben muss ich die Nachricht aber, weil ich sie wie so viele, viele andere in unserer Umgebung eben nicht als Gerücht beiseite schieben kann. Inzwischen ist der plötzliche Tod von Michael Hoffmann zur schrecklichen Tatsache gereift. Und meine Gedanken sind bei Petra, seiner Frau, bei Tochter Sandra und den Söhnen Tim und Henrik und seiner Mutter, Lore Hoffmann. Ihren Schmerz zu teilen, maße ich mir nicht an. Das kann niemand. Mein Beileid kommt aber von Herzen.

1971 traf ich ihn zum ersten Mal. Er begann damals vom grandiosen Unnaer Schwimmfreunde-Sportler zum Weltklasseschwimmer zu reifen, dessen Aussichten, bei den Olympischen Spielen in München teilnehmen zu können, recht gut waren. Daraus wurde dann zwar doch nichts. Aber wenn wir später mal über so Namen wie Hans Fassnacht sprachen (Silbermedaille mit  Klaus Steinbach, Werner Lampe, Hans-Günther Vosseler über 200 Meter Freistil) konterte er stolz selbstbewusst: „Ich war schneller!“

1974 trat er der SPD bei. Ich auch. Aber wie beim Sport liefen unsere Rollen parallel zueinander. Er kraulte mit Blick aufs Ziel parteipolitisch vorwärts. Ich war der Chronist am Beckenrand und gab da und dort meinen Senf als Zeitungsredakteur dazu, was Michael inhaltlich nicht immer wirklich zusagte.

1984 wurde er zum ersten Mal in den Rat gewählt. Drei Jahre später war er stellvertretender Bürgermeister Unnas. Und er blieb das bis 1994. Dann fragte ihn der legendäre SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Steffen, ob Michael sich vorstellen könne, sein Nachfolger werden zu können, weil er gern im Kreistag dieses Amt übernehmen wolle. Michael konnte sich das vorstellen und wurde es – und blieb es bis zu seinem Tode.

Als er Fraktionsvorsitzender wurde, da ahnte er nicht, dass er dieses Amt 20 Jahre ziemlich unangefochten ausfüllen würde. Dass er seinen Vorgänger in der Dauer der Amtszeit bei weitem übertreffen würde. Und er ahnte auch nicht, dass er 14 Jahre dieser zwei Jahrzehnte mit mir als Geschäftsführer der Fraktion verbringen werde. Ich im Übrigen auch nicht.

Wir hatten aufregende gemeinsame Zeiten nach der Katastrophenwahl von 1999. Wir hatten Zeiten, in denen wir uns gemeinsam wehren mussten und wir hatten Zeiten, in denen wir andere lehren konnten, dass es lohnt, den dauerhaften Wahlkampf nicht nur zu beteuern, sondern ihn real stattfinden zu lassen. Nein, wir waren nicht immer einer Meinung. Nein, wir hatten beide nicht in jedem Falle Recht. Aber ja, wir hatten vielfach und gemeinsam fruchtbare und gute Ideen.

Auf der Website des SPD-Stadtverbandes heißt es: „Er war anscheinend allgegenwärtig, benötigte für die paar 100 Meter zwischen Rathaus und dem Alten Markt manchmal endlos viel Zeit, weil er ständig angesprochen wurde und keinem Gespräch auswich. Und stets lachend winkte er zum Gruß jedem Bürger zu, wenn er mit seinem Fahrrad durch die Stadt fuhr. Michael kannte unerhört viele Menschen in seiner Stadt. Zahllosen hat er geholfen, bei persönlichen Problemen, bei Schwierigkeiten mit Behörden oder allein dadurch, dass er zuhören konnte. Auch dann, wenn jemand nicht seiner Meinung war.“

Michael Hoffmann, der Sportler, der Liebhaber griechischen Essens und der Griechen, der unverwüstlich erscheinende Kraftmensch und Familienvater, der Kommunalpolitiker mit zahllosen Spuren in Unna, er starb unerwartet in seinem 61. Lebensjahr.

Jassu, file mu.

Beitragsbild: Michael Hoffmann und Andy Koch in einem der häufigen Nachmittagsgespräche über Politik von heute und Erinnerungen an gemeinsame Unternehmungen von gestern. Wie die gemeinsame Reise mit den Falken nach Gotland. War ich auch dabei. Im Hintergrund Dr. Christian Jänig, ehemals Chef der Stadtwerke. – Foto: Rudi Bernhardt

Schriftsteller Heinrich Peuckmann aus Kamen schreibt:

„Ich kannte Michael Hoffmann auch aus wenigen Gesprächen und habe dabei festgestellt, dass ihm Kulturpolitik wirklich wichtig war. Er tat das für die Kultur selber, aber auch für „sein“ Unna, stellte ich dabei fest. Mit Hoffmann habe ich trotz der wenigen Gespräche mehr geredet als mit jedem Kamener Kulturpolitiker, wo ein solches Engagement, vor allem auch Verständnis für Kulturschaffende, völlig undenkbar wäre. Insofern tat auch mir sein Tod Leid. Für Unna ist das ein Verlust.“

1 comment for “Es ist unwirklich: Michael Hoffmann lebt nicht mehr

  1. 30. Oktober 2014 at 08:47

    …και καλό ταξίδι, Μιχάηλ απο την Καρυούπολη!

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