Von vielfältigen Wünschen, Sorgen faltenden Forderungen und dem Grauen der offensichtlichen Unbezahlbarkeit

Unna. Nun liegt das Etatpaket für zwei Jahre vor, als Entwurf. Nun gehen alle Fraktionen im Rat in Klausur, nun nehmen alle Ratsmitglieder aller Fraktionen nacheinander ihre je individuellen Wünsche mit in die internen Debatten.

Sie nahmen diese zum Teil mit, weil Wünschende daheim in Unna die Dringlichkeit noch einmal nachdrücklich formulierten. Sie ihre Anforderungen an die Glaubwürdigkeit des politischen Handelns über das Gewicht der je individuellen Wünsche gegenüber den Vertretern des Vertrauens definierten.

Hier ist es das Anliegen, der Eishalle ewiges Leben zu verleihen und auf keinen Fall den Gedanken eines irgendwann einmal bevorstehenden Zerfalls dieser Einrichtung näher zu treten. An anderer Stelle legt das Theater Narrenschiff Wert auf die Feststellung unverzichtbare Rollen im innerstädtischen Kulturbetrieb zu spielen, und weil das so ist, mehr Geld völlig berechtigterweise erhalten zu wollen, damit seine Existenz professionell gesichert bleibt. Und so fort.

Es knarzt und zwickt allerorten, richtig. Die Vorstellung, dass manches endlich sein wird, manches zukünftig der Einsicht einer offensichtlichen Unbezahlbarkeit geopfert werden muss, diese Vorstellung gerät zum ultimativen Grauen, daher wird sie gern verdrängt.

  • Wer mag schon über den Boden unmittelbar bevorstehender Tatsachen krauchen, wenn er sich erinnert, dass Ende vergangenen Jahres noch eine mustergültige ja allseits beneidete Skateanlage an der Hansastraße eröffnet wurde. Dass man diese im Laufe dieses Jahres gar noch beleuchten konnte.
  • Wer will vom Gedanken an das nicht mehr Leistbare geplagt werden, wenn der Kirchplatz in einem nach Jahrzehnten endlich würdigen Ambiente erstrahlt.
  • Wem verdirbt ein ängstlicher Würgereiz den grauen Herbstmorgen, wenn alsbald die Eröffnung des Sportzentrums Süd bevorsteht und damit Unna in nahezu jede Windrichtung mit großartigen Kunstrasenplätzen versorgt sein wird.

Das ließe sich noch lange so fortsetzen. Aber: Ganz andere Zeichen menetekeln vom eigentlichen Ernst der finanziellen Lage. Im kommenden Jahr wird Uwe Kornatz, Schuldezernent und multifunktionale Einsatzleitung für fast alles, was sich an Brandherden im Rathaus zeigt aus Altersgründen die Verwaltung verlassen. Seine Dezernentenstelle wird einer Verschlankung der hierarchischen Ebenen geopfert. So, wie das zuvor schon im Falle des Kulturdezernenten Axel Sedlack geschah, dessen ehemaliges Dezernat ebenfalls nicht mehr so existiert wie einst und die dazugehörige Stelle gestrichen blieb.

Unna kann es sich nicht mehr leisten, einem Schlüsselfeld seiner wirklich vorbildlichen Politik (Wer über den Zustand der Schulen meckert, der soll mal Nachbarstädte besuchen.) ein Dezernat zu gönnen. Und Unna leistet es sich, einem politischen Feld, das ihm einst bundesweite Berühmtheit sicherte, das Personal zu versagen, dessen Rang dem Gewicht des Politikfeldes entspricht. Auch hier ließe ich eine Liste von großen und kleinen Duftmarken aufstellen, die der Finanzverlust schon hinterlassen hat.

Das macht niemand ohne Zwang. Das sind alles keine freiwilligen Leistungen. Das sind Werte einer Stadt, in der zu siedeln es lohnt, ob als Privatmensch oder Unternehmen. Niemand in der Verantwortung für diese Stadt unternimmt dort Einschnitte, weil ihm sie da am leichtesten fallen. Aber zähneknirschend tun die Verantwortlichen es, weil die Menge und Größenordnungen der Anforderungen stets weiter wächst, hingegen die Menge und Größenordnungen der dafür nötigen Finanzmittel sinkt.

Wirklich helfen kann nur die spürbare Entlastung von kommunal nicht mehr verantwortbarer Kosten. Aber weil in Berlin Regierende ihre politische Blässe in der Sonne sparsamer Haushaltswirtschaft bräunen wollen, dürfen sie ziemlich widerstandslos (in der GroKo) die einst zugesicherten Soforthilfen (Bundesleistungsgesetz) verschieben. Und weil die Landesregierung anscheinend andere Favorit-Regionen hat als das östliche Ruhrgebiet, dankt sie ihren heimischen Hochburgen deren Zuverlässigkeit (siehe Nutzung der ehemaligen Landesstelle) und die allgegenwärtige Hilfsbereitschaft mit Wegschauen. Kommunalpolitiker demonstrieren vor dem Landtag, wann hätte es das schon einmal gegeben?

Und da jodeln dann immer noch Gutwetter-Optimisten vieler Parteien vom umsatzträchtigen Pflaster auf den Fußängerzonen. Wissend, dass die neuen Beläge alsbald durch Lkw-Reifen riefig gewalzt würden, da sowohl auf der Massener Straße als auch der unteren Bahnhofstraße zwei Baustellen anstehen, von denen eine getrost als groß erachtet werden kann. Und da stellen manche sich rudelweise auf und spuren für den Erhalt des Eissports. Wobei viele ahnen, dass in einigen Jahren allenfalls ein Neubau der Halle an der Hammer Straße dies sichern könnte.

Und Kämmerer Karl-Gustav Mölle schraubt am Umbau des Konzerns Stadt Unna, fahndet nach Einsparungen, wo er kann. Findet da und dort noch eine. Versucht mit Origami-Faltkunst neue Kulturgebinde zu schöpfen, deren zukünftige Geländegängigkeit kaum die gewohnten Wirkungen zeigen werden. An der Stadt und ihrer Leistungsfähigkeit zerren zu Viele herum. Das Spektrum reicht von den eigenen Einwohnern bis hin zu einem hartleibigen Schwaben in der Bundesregierung der vermutlich Unna mit ital.: eins verwechselt.

Ihm Einsicht in die Nöte der kommunalen Familie zu impfen, verspricht wenig Erfolg. Die Unnaerinnen und Unnaer aber sollten – angefangen beim „Normalbürger“ und endend bei Parteien und Ratspolitikern – ihr Rathaus anerkennend pfleglich behandeln. Das kann auch mal der Verzicht auf einen wunderlichen Antrag nach dem Motto „untersucht doch mal ob …“ sein, der zwar nach außen schön Presse bringt, im Innenverhältnis aber nur Arbeit macht.

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