Alle Räder stehen still, wenn ein kleiner Trupp es will

Putzig, was anderes fällt mir nicht ein. Es ist wirklich putzig. Da facht eine GDL ein mediales Feuerwerk an, indem sie den deutschen Eisenbahnverkehr bestreikt. Ihre Begründungen klingen sehr arbeitskämpferisch, sie wecken den Eindruck, als ginge es ausschließlich gegen einen einsichtslosen Arbeitgeber, und der Effekt, den diese an Mitgliedern unterbelichtete Arbeitnehmervertretung erzielt: Die Republik ärgert sich ins Schwarze. Über Lokführer im Allgemeinen, über GDL-Organisierte im Speziellen und am Ende über gewerkschaftliche Ambitionen ohne Ansicht der jeweiligen Gewerkschaft.

Und putzig ist daran? Dass sich lautstark und energisch diejenigen besonders ärgern, denen vor 30 Jahren eine Einheitsgewerkschaft für Branchen noch als Teufelswerk erschien. Sie beklagten aus jedem sich bietenden Expertenmund das Unselige an Einheitsgewerkschaften, weil sie ihnen zu groß und zu mächtig erschienen, weil sie die Allmachtsansprüche von Arbeitgeber-Organisationen in Frage stellten, weil sie für Entwicklungen stritten, die man heute als Arbeitnehmerrechte definiert, und die seinerzeit noch erkämpft werden mussten.

Was war das für eine schöne Zeit, als eine Bahn ihren zuverlässigen und den reinen Mitgliederinteressen verpflichtete GdED hatte, als einzigen und respektierten Gegner. Niemand wäre auf die Idee gekommen, für Lokführer, für Stellwerker oder für Heizer oder Bremser (die es schon lange nicht mehr gab) Gewerkschaften zu gründen.

Wirklich niemand? Doch, es schwadronierten diverse Experten von solchen kleinen Einheiten, wohl im Gedanken, sie könne man leichter manipulieren. Arbeitgeber nahe Mini-Einheiten wurden sogar wohlwollend unterstützt. Man sah das als „Brechen“ der Macht von Einheitsgewerkschaften an.

Was diese GDL treibt, ist nichts Gewerkschaftliches, nichts, was Arbeitnehmerinteressen zukunftsweisend eine ernst zu nehmende Vertretung sichert. Die Ergebnisse werden am Ende vielleicht Lokführern Freude bereiten. Dem Gewerkschaftsgedanken wird es nicht dienlich sein. Denn im öffentlichen Meinungsbild bleibt nur zurück, dass es Verspätungen gab, dass es Ärger am Arbeitsplatz gab, dass eben eine Gewerkschaft einfach den Mobilitätsstecker zog und den ganzen Stau im Verkehrsgefüge verursachte. Dass diese „Gewerkschaft“ nur ein Häuflein im Gesamtbild darstellte, wird vergessen.

Wirtschaftliberalistischer Blödsinn wird immer noch geschwatzt, das Fähnchen des globalen Kapitalismus wird munter geschwenkt, mit TTIP, dem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, sollen wohlgemut europäische und damit auch deutsche Errungenschaften für Verbraucher und Bürger angegriffen werden. Ich denke, es gibt ausreichend Gründe, sich starke und zuverlässige Gewerkschaften zu wünschen. Partikularinteressierte und zerkleinerte Einheiten, deren Handlungen den Respekt vor dem Begriff „Gewerkschaft“ beschädigen, braucht niemand.

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