Von der Lindenbrauerei, der Rohrmeisterei und Zwängen der Geldverwendung im Allgemeinen

von Michael Sacher

Die digitale Welt macht durchaus manches etwas leichter. Wer zum Beispiel die Rohrmeisterei in Schwerte mit dem Kulturzentrum Lindenbrauerei in Unna vergleichen möchte, kann einfach auf die Startseite der Rohrmeisterei im Internet gehen, wird dort mit Events und Whiskey-Verkostung konfrontiert und stellt auf den ersten Blick fest: Das ist kein sozio-kulturelles Zentrum und kann so auch nicht als Modell für ein solches fungieren. Man kann natürlich auch nach Schwerte fahren und feststellen, dass man in Unna auch gar kein sozio-kulturelles Zentrum mehr haben möchte, sondern ein sich selbst finanzierendes Eventzentrum. Das würde natürlich einer Partei, die denkt, dass das Soziale sowieso überbewertet wird, alle Ehre machen. (Anm. d. Red.: Welche Partei und denkt überhaupt eine Partei exakt so?) Erst kommt das Finanzielle und dann erst die Moral.

Lindenbrauerei

Es würde andererseits auch zum Bild einer Partei passen, die sich unter einem Protest bei der Landesregierung in Düsseldorf nur ein Vor-der-Türstehen beim Landtag vorstellen kann – was die Protestierenden tatsächlich mit einer Besuchergruppe zum Verwechseln ähnlich werden ließe. (Anm. d. Red.: Welche Partei und stellt sich überhaupt eine Partei Proteste exakt so vor?) Wenn diese Partei ursprünglich einmal aus dem Kampf für die Rechte der Arbeiter und Arbeiterinnen entstanden wäre (Anm. d. Red.: Da gibt es in der Tat nur eine, und diese Partei hängt ganz gut im Rahmen!), würde dieses Bild allerdings etwas schief im Rahmen hängen.

Aber zur Sache der Soziokultur. Ein weites Feld, allerdings eines, das wie alle nicht nur kommerziell gedachte Kultur immer ein Zuschussgeschäft bleibt. Wir werden auch in Unna nicht die Quadratur des Kreises vollbringen und anspruchsvolle, individuelle und so auch innovative Kultur zum Nulltarif bekommen. Wer das als rausgeschmissenes Geld betrachtet, … gut, der ist nicht gerade auf der Straße des erweiterten Kulturbegriffes und möchte auch dort den neoliberalen Markt herrschen lassen.

Solch eine Kultur kann nicht im Sinne der GRÜNEN in Unna oder sonstwo sein; wir wollen eine auskömmliche Förderung einer breiten und bunten Kultur – und dies besonders unter dem Dach eines sozio-kulturellen Zentrums. Wir wären die Letzten, die sich neuen Konzepten, die sich veränderten Umständen anpassen verschließen, denn  auch Kultur ist wie das Leben von Grund auf veränderlich, aber wer dem Team der Lindenbrauerei vorwirft untätig zu sein und nichts als Geld zu verbrennen, der greift mehr als nur zu kurz.

Ach ja, nicht nur der Kämmerer wird darauf hinweisen: „Woher nehmen und nicht stehlen?“ wenn wir für solcherlei Eskpaden wie Kultur einfach kein Geld mehr in der Stadtkasse haben … und da stünden wir natürlich wieder vor den Türen in Düsseldorf oder noch weiter gereist in Berlin, Denn wir wollen das Geld nicht stehlen, sondern den sozial schwachen Kommunen wurde es ja genommen. Auch die Kreisstadt Unna ist in einer finanziellen Sackgasse, aus der sie mit eigener Kraft nicht mehr hinauskommt; vielleicht sollten wir nicht mehr nur stehen bleiben, sondern auch die Stimme erheben – vielleicht sogar kulturell, innovativ, solange es in der Stadt noch ein Zentrum dafür gibt.

(Letzte Anm. d. Red.: Erstens: Ich muss nicht damit beginnen, meine sozio-kulturellen Ansprüche aufzugeben, aber ich darf durchaus von anders ausgerichteten Einrichtungen Erfahrungen mitnehmen, um sie auf meine Bedürfnisse zu übersetzen, wo dies denn möglich sein sollte. Zweitens: Es gibt Einzelmeinungen, die können sich je nach Windrichtung der populären Empfindungen hierhin oder dorthin wenden. Es gibt Parteimeinungen, die entstehen aus langen und profunden Diskussionen, können und sollen sich durchaus mal ändern, aber tun dies nicht aus rein populärem Antrieb. Drittens: Tafelsilber kann man nur einmal verkaufen, nie wieder wird man das Bare haben, um den Pfandschein auslösen zu können. Kronjuwelen darf man nicht verkaufen, sondern poliert sie in einer inhaltlich gründenden gemeinsamen und populär-freien Stimmung.)

1 comment for “Von der Lindenbrauerei, der Rohrmeisterei und Zwängen der Geldverwendung im Allgemeinen

  1. 16. Oktober 2014 at 12:04

    Ich finde die Anmerkungen der Redaktion nicht sehr gelungen und hätte es vorgezogen, den Artikel von Michael Sacher unkommentiert als ganzes zu lesen. Warum nicht einfach in einem neuen Artikel eine Entgegnung schreiben?

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