Mängel im Brandschutz und ein Eröffnungsflopp: Nein, das Rathaus kann nix für die Start-Mängel der Galerie

Hagen. Also, nun atmen wir alle aber mal in Ruhe durch, schalten zumindest vorübergehend den gesunden Menschenverstand ein und unterlassen es mal, mit Sofortschuldigen nach Gutdünken um sich zu schmeißen, als wären es wehrlose Flummis.

Ja, der Rathaus-Galerie konnte am Dienstag, 14. Oktober 2014, nicht planmäßig weit hinter dem eigentlichen Plan zurückliegend eröffnet werden. Ja, Oberbürgermeister Erik Schulz ließ das als Behördenleiter nicht zu, weil die Fachleute seiner Hauses eklatante Sicherheitsmängel im brandneuen Haus gegenüber dem Rathausturm festgestellt hatten. Und ja, er tat richtig daran, so zu handeln. Sicherheit geht vor und was hätten Tsunamis öffentlicher Schuldzuweisungen das Rathaus überflutet, wäre an einem Tag, da die sicher zu Übertreibung neigenden Betreiber menetekelten, dass rund 100000 Kunden Tagesdurchsatz die Mall belasten würden, wäre da etwas Schlimmes geschehen. War sicher schwer, aber Chapeau, Erik.

Und nein: Dass die Galerie Brandschutzmängel aufwies, ist weder vom Oberbürgermeister noch von den Rathausmitarbeitern noch von anderen beteiligten Behörden zu verantworten: Nein! Das verantworten zunächst die armen Mitarbeiter der armen Fachfirma, die die bekrittelte Technik installierten. Und danach verantworten es Gesellschaften, die als Bauherren für den Gesamtbau finanziell verantwortlich zeichnen und nun schon seit Monaten auf den Eröffnungstermin hin arbeiteten. Und zu guter Letzt ärgern sich alle und nicht zuletzt auch der OB und sein Rathaus-Team darüber, dass statt einer fröhlichen Feier und hemmungslosem Eröffnungskonsum ein solches Desaster bei der Premiere, die nur für den allgegenwärtig um uns kreisenden Saturn ein prima Geschäft war, herauskam.

Die Fassadenstruktur des historischen Rathauses wurde gut aufgenommen, die Zitate bestehender und früherer  Bauwerke finden sich wieder, hier hat der Baumeister sich durchaus ein paar gute Gedanken gemacht. - Fotos: Rudi Bernhardt

Die Fassadenstruktur des historischen Rathauses wurde gut aufgenommen, die Zitate bestehender und früherer Bauwerke finden sich wieder, hier hat der Baumeister sich durchaus ein paar gute Gedanken gemacht. – Fotos: Rudi Bernhardt

Nun, man kann heute wie damals, als die Entscheidungen für den Bau fielen, trefflich streiten, ob Hagen nun einen Gewinn aus der Galerie ziehen wird oder keinen. Eines indes dürfte sicher sein. Das, was da vorher stand, war Mist und musste keine Träne wecken, als die Abrissbirne es traf. Das, was heute da steht, mag stadtentwicklungstechnisch fragwürdig sein, ist vom Blick der Stadtgestaltung her aber eindeutig ein Gewinn.

Hier spiegelt sich in einem Erker, dessen Sinn nur im Spiegel besteht, die Fassade des alten Rathauses in der neuen Galerie wider.

Hier spiegelt sich in einem Erker, dessen Sinn nur im Spiegel besteht, die Fassade des alten Rathauses in der neuen Galerie wider.

Es ist architektonisch gekonnt, es  nimmt umgebenden Städtebau auf und spiegelt im wahren Wortsinne in der eigenen Fassade die architekturhistorischen Rudimente, die der Krieg Hagens Innenstadt übrig ließ, wider. Es zeitgemäßes Bauwerk, dessen Schöpfer sich erkennbar Mühe gaben, teils rottende Vorgänger durch die eigene Optik vergessen zu machen, die sich Mühe gaben, am Gesamtbild der Innenstadt mitzuwirken. Das gelingt wirklich nicht überall.

Nun, vielleicht gelingt es ja den notorischen Suppenhaarentdeckern am Ende doch noch das Gute am Katatrophenszenario zu finden: Gibt’s halt zwei Eröffnungen. Und wenn die Mall-Besatzung hinter dem allgegenwärtig kreisenden Saturn klug sind, dann feiern sie im 2. Anlauf so kräftig, dass an die Pleite aus dem Oktober keiner mehr denkt. Also auf, zur einzig wahren und wirklichen Galerie-Eröffnung!

Beitragsbild: Rund 1000 wartende Kunden strömten in die Galerie, konnten dort wenigstens beim allgegenwärtigen Saturn nach Kräften konsumieren. – Foto: Yannic Leismann

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