AfD, Enthüllerin der „Deutschlandfeinde“

In Bochum hat ein junger Ratsherr mit Namen Karsten Finke den Tag der deutschen Einheit dazu genutzt, via Facebook die toitsche Einheit als „eine weltpolitische Katastrophe“ zu skizzieren. Darauf hin meldete sich die AfD zu Wort und stellte in Frage, ob ein Grüner Kommunalpolitiker, der solch‘ untoitsche Fragen in den weltweiten Raum des Netzes stellt, überhaupt noch Bochumer Kommunalpolitiker sein darf. Und die Bochumer Grünen wollen den offenen Brief der AfD und seinen Inhalt in „nichtöffentlicher“ Vorstandssitzung zum Thema machen. Geht’s noch?

Was hat der böse. böse Mensch angestellt? Das WAZ-Portal „derwesten.de“ zitiert aus den Finke-Äußerungen: „… vor 24 Jahren annektierte die BRD die DDR.“ Dem kann ich folgen, eine zusammenwachsende Zusammenführung auf Augenhöhe war das wirklich nicht – schon gar nicht auf wirtschaftlicher Ebene. Und weiter: „… dass der Tag zumindest für die eingesperrten Menschen in der DDR gut war, aber weltpolitisch eine Katastrophe, da die BRD unendlich an Macht gewonnen hat.“ Nun, die weltpolitische Katastrophe sehe ich nun nicht, das ist ein bisschen zu hoch gegriffen, denn so bedeutend, dass Deutschland weltpolitische Katastrophen anzetteln könnte, wurden wir auch nach der Einigung nicht (wir geben uns aber Mühe, uns katastrophal dumm anzustellen). Aber an Macht, mit der nur handverlesene Zeitgenossen in der Politik umzugehen verstehen, hat Deutschland in der Tat zugenommen.

Also, überspitzt zwar, aber  im Kern durchaus realistisch sagte Karsten Finke seine Meinung zum Thema eines Tages, den vor allem die Wessis weinerlich und tränengerührt begehen. Der auch manchen Ossis ans Herz geht, aber vielen auch ostalgische Wehmut vermittelt. Und es war Karsten Finkes Meinung. Die darf er ja wohl noch sagen, auch als Grüner Ratsherr in Bochum. Der AfD-Ratsherr Sebastian Marquardt sagt ja auch nur seine Meinung, die ihm niemand nehmen will, die aber auch niemand ernst nehmen muss. „derwesten.de“ schreibt: „Finke verdrehe nicht nur geschichtliche Tatsachen, sondern zeichne in drastischer Weise ein deutschlandfeindliches Bild, sagt AfD-Ratsherr Sebastian Marquardt in einem Offenen Brief an Partei und Fraktion der Grünen.“

Nun, das Verdrehen geschichtlicher Tatsachen lassen wir mal dahingestellt sein. Belustigend finde ich den Begriff „deutschlandfeindlich“. „Nestbeschmutzer“ – so nannten unsere Eltern jene, die ein paar Jahre nach dem Krieg, der Deutschland teilte, darauf aufmerksam zu machen wagten, welches Land Schuld trug an der geschichtlichen Katastrophe. Heinrich Heine, der an Deutschland denkend nachts um den Schlaf gebracht wurde, der wurde auch als „deutschlandfeindlich“ denunziert. Heinrich Böll würde nach den verkürzten Denkparametern der AfD das „deutschlandfeindliche“ Etikett gut stehen. Der jetzt leider verstorbene Siegfried Lenz, Günter Grass, Wolfgang Borchert und zahllose mehr, die aus dem Land der Richter und Henker einst wieder das der Dichter und Denker zu machen versuchten, sie alle würden sich in die Schar der Deutschlandfeinde reihen.

Überhaupt, wenn ein in diesem toitschen Lande Lebender sich kritisch mit dem Handeln in diesem Lande auseinandersetzt, dann ist er lange noch kein Feind des Landes. Die Wortwahl ist es, die besondere Aufmerksamkeit verdient, wenn sich die AfD zu demselben meldet. Schnell können auch die zu „Feinden“ werden, die andere Meinungen als die je individueller Parteien vertreten.

Ach, und noch was: Willy Brandt, der uns so gern zusammenwachsen lassen wollte. Als er seinerzeit Bundeskanzler wurde, schimpften so viele Toitsche, dass nun ein „Landesverräter“ an der Staatsspitze stünde. Und es war seine Politik den Weg zur Einheit bereitete – eine spätere Einsicht von Helmut Kohl.

Beitragsbild: Da hat selbst der Bundesadler seinen Spaß. – Foto: Rudi Bernhardt

 

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