25 Jahre ist das her, da begann das Zusammenwachsen

Unna/Döbeln. 25 Jahre sind ganz schön schnell vorüber, 25 Jahre sind offenbar zu kurz, dass alles zusammenwachsen könnte, was zusammengehört, 25 Jahre großes Deutschland, 25 Jahre (Wieder)vereinigung, 25 Jahre, in denen sich manches für manche verbesserte, vieles für Viele schlechter wurde und Grundlegendes in unserer Republik in Vergessenheit geriet.

1989, ich sollte mit meinem Chef und Freund Konrad Harmelink in ein mittelsächsisches Städtchen namens Döbeln reisen. Mit dem sollte Unna verschwistert werden. Alle Formalitäten für die Reise waren bereits erledigt, und derer gab es viele, da wachte ich eines Morgens auf und wunderte mich, so eine dicke Backe mit mir rum zu tragen. Ein Mediziner schaute sich das an und murmelte seine Diagnose: Das ist Mumps. … und ich war 40.

Aufgeregt wies ich ihn auf meine bevorstehende Reise in die deutsche Nachbarschaft hin und bat artig um eine Medizin, die mich zu einer Spontanheilung treiben möge. Okay, murmelte er, Leberentzündung, Hirnhautentzündung, Verlust der Zeugungsfähigkeit … Überzeugt. Ich begab mich kleinlaut heim ins Bett, informierte die Redaktion über meine Reiseunfähigkeit und haderte mit dem Schicksal. Da schwand sie hin, meine Chance, etwas von der agonischen Schnappatmung der sterbenskranken DDR mitzubekommen.

Peter Gräber war dann der Glückliche, der an meiner Stelle die Reiseunterlagen nutzen konnte, deren Personenbindung noch schnell auf ihn umgeswitcht werden konnten. Scheiß Kinderkrankheit – die man übrigens mehrmals im Leben kriegen kann.

So gelang es mir erst einige Monate später, nach Prager Botschafts Ausreise, Mauerfall und alledem kam ich dann doch noch hin. Es blieb nicht beim Einzelereignis, es hielten lange Freundschaften und es hafteten großartige Erinnerungen. 25 Jahre ist es nun her.

Mein ganz persönliches Resumé?  Zunächst trug ich eine schier bodenlose Wut mit mir rum, dass da ein paar Dattergreise und ihre Follower ein abgrundtiefes Unheil angerichtet hatten, sich ihres nicht mehr gut zu machenden Vergehens an einer Idee nicht einmal schuldbewusst waren.

Diese Wut bereicherte sich kurz darauf um die Enttäuschung über die geschichtslose Art und Weise, wie die  BRD sich die DDR in einer Art „Übernahmeverfahren“ einverleibte, kaum etwas übrig ließ, an das sich die „drüben“ lebenden Menschen Identität stiftend erinnern konnten. Sieht man mal ab vom Ampelmännchen und dem grünen Rechtsabbiegerpfeil. Es war – so waren Pfarrer Friedrich Schorlemmer und ich in einem Gespräch mal einig – als versuche der „gute Westen“ in den fünf neuen Bundesländern das an einer Art Entnazifizierung nachzuholen, was sie selbst einst versäumten, andere Vorzeichen selbstverständlich.

Und das geeinte Land wurde ein Jahr später Weltmeister, wurde mal wieder „wieder wer“, begann die eigene Bedeutung zu blähen und beschwor blühende Landschaften dort, wo die Wüsteneien des Sozialismus Mitteldeutschland durchfurcht hatten. Ja, Mitteldeutschland sagten sie, Mitteldeutscher Rundfunk tauften sie einen Sender, als ob es doch noch ein Deutschland etwas weiter östlich geben könnte, da wo schon seit 1945 ein großes Stück Polen liegt.

Irgendwie sehr gemischt, mein Resumé mit Deutschland, eilig Vaterland.

 

 

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