HEINRICH PEUCKMANN ERZÄHLT DICHTES: Efeugrab

Ich stand schon oft

vor diesem Grab, meinen

Gefühlen nachzuspüren

wenn ich´s sehe

 

Zuerst erblicke ich

den Grabstein in seinem

Efeubett und lese

Namen, Lebensdaten

 

Lutz Graf Schwerin

von Krosigk, geboren in

Rathmannsdorf, gestorben

in Essen-Werden

 

Ja, er ist es. Hier liegt

der Mann, der dem Verbrecher

die Finanzen ordnete, der ihm

das Geld besorgte für die Morde

 

Zwölf Jahre Finanzminister

unter Hitler, zwölf Jahre

Mittäter an unvorstellbarem

unfassbarem Leid

 

Nein, kein Blut an seinen Händen

ein Technokrat, ein Mann

der Zahlen und Bilanzen

ein Mann des Geldes

 

für Kriege, Todeslager

Massenmord. Ich wusste

lange nicht, dass er hier liegt

so nahe meinem Haus

 

Schlossfriedhof in Kamen-Heeren

der Mann, der im Mai 45

über den Reichssender Flensburg

die Kapitulation verlas

 

Ja, immerhin, denk ich

das war er auch, mit seiner

Stimme endete der Krieg

und damit auch der Massenmord

 

Und nach dem Krieg, er hatte ja

kein Blut an seinen Händen

nur die Finanzen, nur die

da wurde er trotzdem

 

verurteilt. Zehn Jahre Haft

als Kriegsverbrecher, wegen

Plünderung des Eigentums

ermordeter Juden

 

Die falsche Schuld, hat er

geurteilt, später, doch die

gerechte Sühne für andre

Schuld, für abgestumpftes

 

eingeschläfertes Gewissen

auch dieses sprach er aus

mit jener Stimme, die

den Krieg beendete

 

Ein stiller Friedhof, ein

unscheinbares Grab, das

einen Kriegsverbrecher birgt

und einen Gefangenen zugleich

 

Gefangener in dem, was er

für seine Pflicht hielt, und was

doch nur Verbrechen war

feiges, blutiges, elendes Verbrechen

 

Liegt also Abschaum hier begraben

verachtenswerter Abschaum?

Ja, doch nicht nur, denn

da war auch seine Stimme

 

die zweimal sagte, was

was richtig war

zweimal auch das

Heinrich Peuckmann, geb. 1949 in Kamen. Besuch des Aufbaugymnasiums in Unna, Abitur 1968. Viele Jahre lang Lehrer am Gymnasium in Bergkamen. Daneben rege Schreibtätigkeit. Inzwischen fast 50 Einzelpublikationen: Romane, Erzähl- und Gedichtbände, Kinder- und Jugendbücher. Zuletzt erschienen der Ruhrgebietsroman „Saitenwechsel“ und der Krimi „Angonoka“, der sich mit den üblen Machenschaften der Tiermafia auseinandersetzt. Peuckmann hat auch einen Roman geschrieben, der in Unna spielt, weil er sich dieser Stadt sein Schulzeiten verbunden fühlt. „Heimkehr“ heißt der Roman, der einen Soziologieprofessor für einen Vortrag nach vielen Jahren zurück in seine Heimatstadt Unna führt, wo er ermordet wird. Gelegentlich fliegt Peuckmann nach China und hält an Universitäten in Shanghai und Xi´an Vorträge über deutsche Literatur vor chinesischen Germanistikstudenten. Inzwischen kennt er sich dort so gut aus, dass er über China geschrieben hat, unter anderem den Liebesroman „Rückkehr nach Shanghai“. Peuckmann ist Mitglied im Schriftstellerverband, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im PEN-Zentrum Deutschland, in dem er vor einem Jahr ins Präsidium gewählt wurde.

Heinrich Peuckmann, geb. 1949 in Kamen. Besuch des Aufbaugymnasiums in Unna, Abitur 1968. Viele Jahre lang Lehrer am Gymnasium in Bergkamen. Daneben rege Schreibtätigkeit. Inzwischen fast 50 Einzelpublikationen: Romane, Erzähl- und Gedichtbände, Kinder- und Jugendbücher. Zuletzt erschienen der Ruhrgebietsroman „Saitenwechsel“ und der Krimi „Angonoka“, der sich mit den üblen Machenschaften der Tiermafia auseinandersetzt. Peuckmann hat auch einen Roman geschrieben, der in Unna spielt, weil er sich dieser Stadt sein Schulzeiten verbunden fühlt. „Heimkehr“ heißt der Roman, der einen Soziologieprofessor für einen Vortrag nach vielen Jahren zurück in seine Heimatstadt Unna führt, wo er ermordet wird. Gelegentlich fliegt Peuckmann nach China und hält an Universitäten in Shanghai und Xi´an Vorträge über deutsche Literatur vor chinesischen Germanistikstudenten. Inzwischen kennt er sich dort so gut aus, dass er über China geschrieben hat, unter anderem den Liebesroman „Rückkehr nach Shanghai“.
Peuckmann ist Mitglied im Schriftstellerverband, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im PEN-Zentrum Deutschland, in dem er vor einem Jahr ins Präsidium gewählt wurde.

 

 

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