Hurra, darauf haben wir ja seit Jahrzehnten gewartet: Bald gibt’s RDKS

RDKS – nach ABS, ZVW, DHL, UPS usw. mal wieder eine Abkürzung, die wir unbedingt benötigen. In den unvermeidlichen, weil europäischen Export aufnehmenden USA heißt der Quatsch NHTSA und steht für National Highway Traffic Safety Administration. Und was bitte ist das? Reifendruckkontrollsystem, was sonst.

Reifen-1

Also, das müssen, so möchte die EU laut Verordnung Nr. 661/2009 das, so setzten es artige deutsche Gesetzgeber um, so was müssen ab 1. November 2014 alle Neuwagen haben. Das macht jede Felge um rund 50 Euro teurer, das gibt den Fahrzeuglenkern ständig die unglaubliche Sicherheit über den Bordcomputer darüber informiert zu werden, dass der Reifen vor links, rechts oder hinten Frischluft benötigt. Sollte der allerdings mal platzen, gibt’s keine elektronische Warnung, wäre aber auch nicht nötig, denn jede Fahrerin, jeder Fahrer hätte in dem Fall ausreichend zu tun und würde vermutlich keinen Blick auf’s Display riskieren.

Nun grübele ich, was die Beamtenschaft in Brüssel dazu bewogen haben mag, uns  mit solch‘ sensorischen Segnungen zu beglücken. Da wird zunächst die verlängerte Laufleistung genannt. Ihre, weil ständig Luftdruck kontrollierte Verbesserung amortisiere schon schnell die Mehrkosten durch die kostspielige Sensorik. Und natürlich der Verbrauch, der sinkt enorm, weil geschätzt 50 Prozent der Autos mit – weil unkontrolliert – der falschen Luftfüllung  unterwegs sind. Würden die alle korrekt beatmet abrollen, sänke der CO2-Ausstoß enorm. Ich bin zutiefst beeindruckt!

Okay, werden wir mal realistischer. In Brüssel haben Lobbyisten die richtigen Stellen so lange mit ihrer Anwesenheitsfolter gepeinigt, dass sich die richtigen Stellen eine Verordnung einfallen ließen. Irgendwer hatte die Technik ertüftelt, also musste sie auch Anwendung finden und entsprechend Geld bringen. Und da keiner auf die dusselige Idee kommen würde, sie für teuere Euro einbauen zu lassen, muss man natürlich ein Gesetz erlassen, das die Nutzung der unnützen Technik vorschreibt.

Denn eines halte ich mal für so was von sicher: Dadurch, dass ein Kontrolllämpchen mich darauf aufmerksam macht, lasse ich mich nicht davon überzeugen, meine Nachfüll-Takte für die Reifen zu erhöhen. So dann und wann prüfe ich dieselben, weil mir technisch-inhaltliche Sinn des EU-Verordnungblödsinns auch ohne Verordnung durchaus klar ist. Das mache ich aber, wenn ich es entscheide. Ich gehe mal davon aus, dass viele es so handhaben werden. Also fahren demnächst jede Menge Autos über deutsche Straßen, deren Fahrer darüber informiert sind, dass sie den Reifendruck ihrer Fahrzeuge vergleichmäßigen müssen, unterlassen es aber, bis sie wieder einmal Lust dazu verspüren.

Manches ordnet die EU an, dessen Sinnhaftigkeit ich nur schwer verorten kann. Aber es spült offenbar manchen Euro in manche Herstellerkasse, und damit haben die dazugehörigen Lobbyisten ihren Sinn wieder erfüllt.

Ist bestimmt schon 30 Jahre her, habe es aber immer noch im Sinn. Da flatterte mir eine Mitteilung auf den Redaktionsschreibtisch. Es handelte sich um die wiederholte Neufassung der wiederholten Veränderungsverordnung zur Verordnung zur Bekämpfung der San José Schildlaus in Europa. Es möge dieser neue Satz eingefügt werden: „Eine Pflanze gilt dann als mit der San José Schildlaus befallen, wenn sich an ihr eine nachweislich nicht tote San José Schildlaus befindet.“

Ich zerbrach mir damals den Kopf, wie lange wohl daran gearbeitet worden war, diese bahnbrechende Formulierung europaweit in rechtssichere Formulierung zu gießen.

Ich würde mich ja im Sinne eines verringerten CO2-Ausstoßes und der entscheidenden Minderung des Spritverbauchs mal darüber freuen, wenn die EU eine Verordnung erließe, mit der eine europaweite Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt würde, ich denke so an 120 km/h. Das wäre mal eine Maßnahme, die echten Sinn erfüllt.

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