In der SPD ist kein Platz für Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit! – Stimmt!

Hagen. „In der SPD ist kein Platz für Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit!“ So lautet eine von meiner tiefsten Überzeugung geteilte Überschrift auf der Internetseite der Hagener SPD. Ich konnte auch das darunter Veröffentlichte ohne Änderung einer Zeile unterschreiben – sieht man mal davon ab, dass einige eklatante stilistische Mängel das internete Schrifttum begleiteten. Aber da bin ich nun manchmal ein bisschen zu pinselig.

Der letzte Absatz indes trübte dann wieder den verständlichen oberen Teil, die ursozialdemokratischen Äußerungen dreier Abschnitte und der dazugehörigen Überschrift ziemlich ein. Da stand zu lesen:

„Mit diesem klaren Bekenntnis stellt sich die SPD vor Ort gegen die geschmacklose Kampagne einiger Ex-Mitglieder, welche aktuell versucht haben, die gesamte Hagener SPD für die verfehlten Äußerungen eines einzelnen Genossen auf Facebook in eine antijüdische Ecke zu stellen.

Hierzu Parteichef Schisanowski: ,Es ist schon bitter in welche Schubladen manche frustrierten Ex-Mitglieder nunmehr greifen, um ihrem unrühmlichen Abgang möglichst viel Theater-Donner zu verleihen. Nachdem dieselben Personen darin gescheitert sind, den SPD-Kommunalwahlerfolg zu sabotieren, nachdem der jüngste Parteitag harmonisch ablief und nachdem Partei und Fraktion verantwortungsbewusst und sachbezogen die politische Arbeit aufgenommen haben, muss nun also die Antisemitismus-Keule herhalten. Dies ist aber so dermaßen abstrus, dass diese vermeintliche Rechtfertigung für einen Austritt nur noch ganz platt rüberkommt und klares Zeugnis von den wahren Beweggründen ablegt.'“

Das alles ließ mich ratlos zurück. Verstehen kann das niemand, es sei denn, er stünde ganz nah bei den Verfassern. Ahnen kann ich manches. Klare Kante, von der seit Hannelore Krafts sprachbildender Leistung innerhalb der Sozialdemokratie gern  gesprochen wird, klare Kante sagt niemand obwohl hier angeblich ein „klares Zeugnis von den wahren Beweggründen abgelegt“ wird.

Wer sind diese „frustrierten Ex-Mitglieder“? Womit „sabotierten die den SPD-Wahlerfolg“? Wo und wie schwangen sie „die Antisemitismus-Keule“? Und: Was waren das für „verfehlte Äußerungen eines einzelnen Genossen auf Facebook“ und welche Konsequenzen erwuchsen ihm aus diesen?

Sind eindeutig zuviel Fragen.

Der Gesamtdilettantismus dieses Textes ist schon beeindruckend, so beeindruckend, dass ich die Absurdität des Sonntagabend-TV mit seinem Blockbuster-Highlight „The Avengers“ glatt in den Schatten gestellt sehe.

Die Lektüre eines Textes auf „doppelwacholder.de“ zu diesen Thema brachte mir zwar ein wenig Einsicht ins Geschehen, aber machte die Erhellung auch nicht komplett, was eher am denkwürdigen Vorgang denn an dem Informationsgehalt der Seite liegt.

Aber da war der Facebook-Eintrag zu lesen, der das Unfugstrommelfeuer anscheinend auslöste. Und der war geradezu umwerfend: Was der Verfasser vor der Schöpfung des Textes zu sich genommen haben könnte, lässt sich nicht mehr genauer klären, was er und wie er es exakt ausdrücken wollte, wird auch nicht richtig deutlich. Die Sprache, derer er sich bedient, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der deutschen, aber wirklich nur entfernt. Diese nicht perfekt zu beherrschen, kann ja verzeihlich sein, aber dann sollte man es unterlassen, komplexe Themen zu kommentieren, die unmissverständlich verstanden werden müssen.

Ich will nicht zu heftig werden, aber die Kernfragen, die sich mir stellen sind sehr einfach: Wie konnte dieser Text – wie vom WAZ-Portal „derwesten.de“ berichtet – so lange auf der mit den drei Buchstaben SPD verbundenen Facebookseite stehen bleiben, bis rudelweise sein Inhalt gelesen bzw. um dessen Verstehen gerungen worden war? Wie konnte es geschehen, dass – wie vom WAZ-Portal „derwesten.de“ berichtet – es eines Parteitagsbeschlusses (!) bedurfte, um diese ausgemachte Dummheit aus dem Facebook-Auftritt zu löschen? Wie kann es sein, dass – wie vom WAZ-Portal „derwesten.de“ berichtet – über ein vom Parteitag gefordertes Parteiordnungsverfahren gegen den Verfasser bisher nicht zielorientiert gesprochen wurde?

Sind eindeutig zuviel Fragen!

Mittlerweile erzielt das merkwürdige „Gesamtkunstwerk“ überregionale Aufmerksamkeit. Das Web-Portal der Jüdischen Allgemeinen berichtet ausführlich über Hagen. Zwar nicht über seinen unmittelbar bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung oder seine unzweifelhaften Vorzüge in der Bewahrung bildender Kunst. Dafür aber in noch ziemlich zurückhaltender, aber erkennbar kopfschüttelnder Weise über die regional begrenzten, aktuellen Ausfälle einer Partei mit untadeliger Vergangenheit.

Beitragsbild: Screenshot des WAZ-Anreißers zum Thema.

 

 

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