Ein Abgesang auf bewährte Strukturen: Fusionen sind nichts für die SPD

Hagen. Zwei SPD-Ortsvereine fusionieren. Dahl und Eilpe kündigen an, „zu einer schlagkräftigen Einheit verschmelzen“ zu wollen. So wird berichtet, und wohltönend glattgestrichen, dass Hagens Sozialdemokratie – wie anderenorts auch – an akuter Mitgliederschwindsucht leidet. Das gilt nicht nur für sie, das gilt für alle Parteien. Politik und ihre Vertreterinnen und Vertreter leiden derzeit nicht an erhöhten Attraktivitätsattacken.

SPD

Ich will es mir mal leisten und stelle eine zornig klingende Behauptung auf. Eine regionale SPD, die unter zwanghafter Argumentation beginnt, ihre Organisationsstrukturen zu zentrieren, gibt den Anspruch auf, in der jeweiligen Bevölkerung dauerhaft befestigt sein zu wollen. Sie beginnt sich als Selbstzweck zu definieren, weil sie damit beginnt, die örtlichen Identifikationsinstrumente nicht mehr wirklich ernst zu nehmen. Sie lässt es zu, dass Zwänge einer Neuorganisation zu von außen schwer durchschaubaren rein geografisch begründeten Personalquotierungen führen. Sie lässt es schließlich zu, dass ihr allerlei Boshaftes unterstellt wird, sie weckt den Eindruck, dass Ortsteile glauben, nicht einmal mehr einen eigenen Ortsverein wert zu sein.

60 Mitglieder zählt die Partei in Dahl den Berichten zu Folge nur noch. Zugegeben, das ist nicht wirklich üppig zu nennen. Aber ich kenne kleinere Organisationsebenen, die unverdrossen dafür sorgen, dass sie und ihre Partei vor Ort ständig wahrgenommen werden. Die tapfer Verteilerstrukturen aufrecht erhalten und das beste aller Wahlkampfplakate nutzen, um für ihre Partei zu werben: Ein vertrautes Gesicht in die Türfüllung schauen lassen und dem Nachbarn und der Nachbarin erläutern, warum sie doch besser so wählen, wie der nette Mensch von nebenan.

Klar, es wird der Tag kommen, da reicht es einfach nicht mehr, da wird man Fusionsschritte gehen müssen. Aber ob die Mitgliederzahl 60 bereits eine Untergrenze darstellt, wage ich mal ernsthaft zu bezweifeln. Und wenn 20 Mitglieder in Eckesey noch einen Kern abgeben, der sich selbstbewusst und realistisch mit der Zukunft auseinandersetzt, dann sollte man doch parteiintern aufhorchen. Sven Söhnchen sieht klar die Gefahren: Wenn die Diskussionen über die Arbeit im Quartier aus dem Quartier herausgenommen werden und womöglich im Nachbarquartier stattfinden, dann entfernt sich der Bewohner des Quartiers schnell von den Diskussionen.

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