Was effektiver Kinderschutz braucht: Umfassende Zusammenarbeit statt zu kurz gefasster Einzelverantwortung

Unna. Kinderschutz soll nach Möglichkeit noch stärker intensiviert werden. Heute, 19. September 2014, trafen sich Verantwortliche aus den Bereichen Jugendhilfe, Gesundheitshilfe und Schule zur Abschlussveranstaltung des Modellprojektes „Kooperativer Kinderschutz“ im Unnaer Ratssaal.

Großartiges Interesse fand die Abschlussveranstaltung im Ratssaal: Auch Bürgermeister Werner Kolter wollte sich über die Ergebnisse der intensiven Arbeit in Sachen Kinderschutz informieren. - Foto: Stadt Unna

Großartiges Interesse fand die Abschlussveranstaltung im Ratssaal: Auch Bürgermeister Werner Kolter wollte sich über die Ergebnisse der intensiven Arbeit in Sachen Kinderschutz informieren. – Foto: Stadt Unna

Mit diesem Projekt haben der Kinderschutzbund Kreisverband Unna e.V., die Kreisstadt Unna und in seinen Auswirkungen auch der Kreis Unna einen bemerkenswerten Schritt zum erfolgreichen Kinderschutz gemacht. So kommt die Projektleiterin und Fachberaterin des Kinderschutzbundes Unna e.V. Britta Discher zu dem Fazit: „Das Bundeskinderschutzgesetz bildet einen geeigneten Rahmen für Tätigkeit alle Beteiligten im Kinderschutz. Das Entscheidende ist und bleibt aber die gegenseitig wertschätzende, vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit aller Fachkräfte.“

Nach Abschluss des Modellprojektes werden nun alle Projektpartner versuchen diesen Weg der konstruktiven Zusammenarbeit weiter auszubauen, denn eins ist allen klar (geworden): Die beste Jugendamtsmitarbeiterln, die beste Lehrerin oder die beste Arztln allein reichen nicht aus. Effektiver Kinderschutz gelingt nur in Kooperation!

Zum Projekt:

Mit der Einführung des neuen Bundeskinderschutzgesetzes im Jahre 2012 kamen auf Schulen, Gesundheitshilfe und Jugendhilfe neue Anforderungen zu. In Fällen von Verdacht auf drohende Kindeswohlgefährdung sind seit dem Zeitpunkt auch Ärztinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen und weitere im Gesetz benannte Berufsgruppen persönlich aufgefordert, mit den betroffenen Eltern und Kindern ins Gespräch zu gehen und auf Hilfen hinzuwirken. Sie sollen eine Gefährdungseinschätzung vornehmen und erst danach – bei weiter bestehender Sorge um die Kinder – das Jugendamt hinzuziehen. Das heißt: Nicht mehr das Jugendamt ist alleine verantwortlich zur Abwendung einer drohenden Kindeswohlgefährdung, sondern seit 2012 gibt es eine Verantwortungsgemeinschaft für den Kinderschutz!

Handlungsleitend in dem Projekt, das vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW gefördert wurde, waren dabei zwei Fragen:

  • Ist der gesetzliche Rahmen für eine effektive Zusammenarbeit in Kinderschutzfällen ausreichend gut?
  • Kann eine moderierte Fachberatung die Fallstricke systemübergreifender Zusammenarbeit beheben und Ressourcen zusammentragen?

Ziel war es, die unterschiedlichen Akteure aus Gesundheits-Jugendhilfe und Schule in ihrer Kooperation zu fördern und damit auch die Fehlerquote in Kinderschutzfällen zu verringern. Dabei ist die gelingende Kooperation und Vernetzung der verschiedenen Akteure im Kinderschutz ein wesentliches Element zur Qualitätsentwicklung.

Unkenntnis über professionelle Verfahren im Kinderschutz und Datenschutz als Vorwand für mangelnde Kommunikation werden in zahlreichen Studien als häufige Ursachen für Fehler im Kinderschutz beschrieben. Heute steht unbestritten fest: Der Datenschutz steht einer Kooperation zwischen Fachkräften – beim Einhalten eines professionellen Verfahrens – nicht im Weg.
Um Lehrerinnen, Ärztinnen und Erzieherinnen und andere Fachkräfte bei den neuen Aufgaben zu unterstützen, hat der Gesetzgeber für diese Berufsgruppen einen Anspruch auf Beratung durch eine „Kinderschutzfachkraft“ im Gesetz verankert. Dabei unterstützt die Kinderschutzfachkraft nicht nur den Prozess der Gefährdungseinschätzung, sondern kann auch bei Bedarf zwischen den verschiedenen Hilfesystemen von Schule, Jugendhilfe und Gesundheitshilfe vermitteln.

Dazu wurden im Kreisgebiet Unna durch den Kinderschutzbund Unna in Zusammenarbeit mit der Bildungsakademie des Kinderschutzbundes NRW in zwei Durchgängen insgesamt 45 neue Kinderschutzfachkräfte ausgebildet, die nun kreisweit in unterschiedlichsten Organisationen die Ansprechpartnerlnnen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung sind.

Besonders hat sich das „Arbeiten Im Tandem“ als Brücke zwischen den Systemen dargestellt. In dem Modellprojekt wurden nun erstmals auch jugendhilfeexterne Fachkräfte wie Schulsozialarbeiterinnen, eine Kinderkrankenschwester, Heilpädagoginnen, eine Sozialpädagogin der Ambulanten Dienste in der Eingliederungshilfe und eine Ärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums in Königsborn zu „Kinderschutzfachkräften“ ausgebildet. Sie arbeiten bei Bedarf im Tandem mit der Fachberaterin des Kinderschutzbundes gemeinsam an Hilfen und verbinden die verschiedenen Welten durch ihre jeweils internen Kenntnisse von Abläufen und Methoden.

Familien und ins besonders ihre Kinder profitieren nachhaltig von einem Kinderschutz, der von vielen Schultern getragen wird. Schon im Vorfeld einer absehbaren Gefährdung sollen Ärzte, Lehrer und Erzieher die Familie unterstützen und auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen. Es gibt kein klassisches Meldesystem mehr, bei dem der Anrufer mit der Meldung einer Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt auch seine Verantwortung für das Wohl des Kindes mit abgibt. Dagegen führt der Blick durch die Augen verschiedener Berufsgruppen in Absprache mit den Kinderschutzfachkräften zu frühzeitigen (rechtzeitigen) Hilfen und verringert auf der anderen Seite die Zahl der Fehleinschätzungen von Kindeswohigefährdungen, die leider oft auch tragische Folgen für die betroffenen Kinder hatten.

Ansprechpartner:
  • Frank Zimmer, Geschäftsführer Kinderschutzbund Kreisverband Unna e.V., Tel.: 02303 -15901
  • Thomas Köster, Leiter Soziale Dienste der Kreisstadt Unna, Tel.: 02303 – 103 586

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