Unna feiert Stadtfest und Politiker erinnern energisch an finanzferne Wünsche aus der Vorwahlzeit

Unna feiert – fröhlich, ausgelassen, im Zusammenhalt. Schauplatz ist die Innenstadt, sind die Fußgängerzonen und der neu gestaltete Kirchplatz, der am Donnerstag erst gehörig feierlich, danach ausgelassen und im Zusammenhalt mit der Musikalität des Band-Kults „Cantus brutalis“ seiner Bestimmung übergeben wurde. Stadtfest ist, die Spätsommerzeit in der seit Jahrzehnten eine Stadt mit der gesamten Region den Trubel auf acht Bühnen ein Wochenende lang genießt und Herbstgedanken verscheucht.

Grund zu gemeinsamen Sorgen gäbe es ja wirklich genug, aber die will man sich ja erst ab Montag machen. Will man?

Über manches wurde berichtet, über Überraschendes wird berichtet. Und diverse Meinungen werden geäußert, ob sie nun werthaltig seien oder nicht, man kann sie ja mal äußern.

Kämmerer Karl-Gustav Mölle war gezwungen, kaum dass die sorglos erscheinende Ferienzeit vorüber war, eine Haushaltssperre zu erlassen, weil die Gewerbsteuer einbricht und die schwarz-rote Bundesregierungs-Koalition bisher immer noch wortbrüchig blieb, weil sie die Kommunen nicht wie vollmundig versprochen von Soziallasten befreite, sondern exakt auf kommunale Kosten am Ruhmeskranz des eigenen Etat-Ausgleichs flocht. Das ist eine bittere Pille für Unna, für das Rathaus, den es macht wenig Freude, nur noch Geld für pflichtige Ausgaben verteilen zu können.

Gleichzeitig tönt das Wehgeschrei anscheinend aus jedem Winkel:

  • An der Eishalle droht weiterhin die Fäulnis des Alters, Sanierungsmittel würden dringend benötigt, ruft es von dort. … und wählerwerbend antworten manche Parteien breitbrüstig, da werde geholfen
  • Dem Kulturverein Lindenbrauerei fehlt es strukturell an der Finanzausstattung, und er humpelt sich alljährlich knapp aus der Not. An dieser Stelle tönen die Hilfsangebote zwar nicht mehr aus vollster Brust, aber in der Kulturstadt Unna sollte es doch ernst genommen werden, wenn einer ihrer Pfeiler Morsch-Signale sendet.
  • Der nahezu weltweit beachtete Lichtkunstkeller wird von Jochen Stemplewski und Freunden behutsam und entschlossen in gütigeres Fahrwasser gelenkt, hat aber ebenfalls noch einen Weg vor sich, der kostspielige Begleitung fordert.
  • Dem Theater Narrenschiff fällt plötzlich ein, ins politische Rund zu rufen, dass man mehr Geld benötige, wolle man die ständig ambitioniertere Arbeit fortsetzen, wie man das wünsche.
  • Die vereinsgetragenen Schwimmhallen sind wahrlich nicht sorgenfrei, fragt aktuell mal in Lünern nach.
  • Eine sieche Brücke in Königsborn und eine entsorgte in Kessebüren müssen ersetzt werden.
  • Und – das fehlte natürlich auch noch – aus dem Rat tönt es aus aller breitester Brust und koalitionsfraktionswetterleuchtenden Bereichen, dass die Fußgängerzonen neu gestaltet werden müssten, weil man das ja schon vor dem Kommunalwahlkampf erkannt hatte; wer keine Finanzsorgen hat, der beschließt, sich welche zu schaffen.

Wovon bitte sehr soll da denn alles bezahlt werden?

Eishalle: Eine alte Dame, einst Wahlgeschenk des damaligen Sportministers Jürgen Girgensohn. Sie wird ständiger Sanierungsfall sein, weil das bei Gebäuden dieser Bauart und dieser Nutzung nicht anders geht, aber die Nutzungsdichte des Hauses belegt seine Nachfrage . Hier kann kein Geld gespart werden, es sei denn man reißt die Einrichtung ab. Will niemand.

Lindenbrauerei: Strukturell wird es nicht besser, da können noch so viele Gedanken gewälzt werden, noch so viele Gutachten erstellt und noch so viele Expertenrunden gequält werden. Da hilft es sicher, manche Kosten im Gesamtbereich Kultur zu senken, aber es wird nicht reichen, sich sorgenfrei zu reden.

Lichtkunst: Wer ein tolles Objekt wie dieses will, der wird nicht kostenlos dran kommen und dran bleiben. Kultur an sich kostet Geld, wer auf Kultur meint verzichten zu können, der sollte kurz darüber nachdenken, ob er aufs Frühstück verzichten möchte. Kultur ist Daseinsvorsorge, und wer meint, die könne ja auch ausschließlich (ich sagte ausschließlich) aus Oktoberfest und Helene Fischer von der CD bestehen, der ist dann auch eher in Umzugslaune.

Schwimmhallen: Gar nicht hoch genug zu überschätzen, was bürgerschaftliches Engagement da leistet. Aber rein substanziell wird es Geld kosten, vielleicht nicht so viel, wie ein Kunstrasensportplatz, aber spürbar.

Brücken: Da haben sich die Politiker der betroffenen Stadtteile in der Vergangenheit schon deutlich zu geäußert – sie werden für unverzichtbar gehalten.

Man sieht ihr den unmittelbar bevorstehenden Sanierungsbedarf an: Unnas Fußgängerzone. - Foto: Rudi Bernhardt

Man sieht ihr den unmittelbar bevorstehenden Sanierungsbedarf an: Unnas Fußgängerzone. – Foto: Rudi Bernhardt

Fußgängerzone: Das wäre dann der Fassüberläufertropfen, die derzeit am wenigsten notwendige Ausgabe, die bei schwindenden Einnahmen kaum leistbar sein dürfte. Da populisierten Politiker im Vorwahlkampf durch die Stadt, weil nahezu jeder jemanden kennt, der da schon mal stolperte (ich schließe mich ein, stolperte sogar selbst), aber sie gewinnen nicht einmal nach Karl-Gustav Mölles Hilfe rufender Haushaltssperre ein wenig Einsicht, sondern bleiben beharrlich dabei, dass das doch wohl guter Einfall für eine Maßnahme sei, die unverzichtbar erscheint. Da könne man sich doch lieber den ungewollten Schulneubau klemmen.

Nebenbei bemerkt: Wie unverzichtbar ein modernes Grundschulzentrum in Unna für zukünftige Generationen ist, weisen derartige Aussagen aus sich selbst heraus nach.

Nun polterte sich die sogenannte Politik in einen selbsterwählten Konflikt mit der von ihr so genannten Verwaltung und fordert die Befolgung ihrer „Anweisungen“ ein, dass eben diese Verwaltung jede Möglichkeit ventilieren möge, den politischen Einfallsreichtum in Prognose-Zahlen zu gießen. Als wäre da nicht ohnehin schon ausreichend Stoff im Äther, der Bürgermeister Werner Kolter und seinem Kämmerer Karl-Gustav Mölle den Schlaf raubt.

 

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